Führerschein mit 42… der letzte Akt einer langen Reise!

Führerschein mit 42... der letzte Akt einer langen Reise! - Fahrschule Fahrfreude - Fahrschule Leipzig

Viele Jahre habe ich mich ohne Führerschein nicht vollständig gefühlt. Vor allem als ich jünger war, habe ich mich selbst immer wieder in einen Rechtfertigungsstatus drängen lassen… war noch nicht selbstbewusst genug um meine Entscheidung auch wirklich tragen zu können.

Warum ich keinen Führerschein hatte? Weil ich mit 18 Hals über Kopf von Zuhause auszog und dann lange das Geld dafür fehlte und später kam es einfach nie mehr dazu. Ich hatte mich arrangiert mit meiner Situation und ich hatte immer Partner mit Auto, die das nie als Problem empfanden.

Irgendwann wurde diese „Führerscheinlosigkeit“ sogar ein selbstbewusster Status.


Seht her… ich komme klar.


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Und dann kam 2015 die Trennung von meinem Mann.

Eine Trennung sorgt für unfassbar viele Veränderungen. Viele Frauen müssen sich finanziell durchkämpfen, vielen Frauen wird jahrelange Abhängigkeit bewusst… auch wenn es sich nie so angefühlt hat. Verantwortung und Pflichten werden nicht mehr geteilt… jahrelange Normalität löst sich mit einem Schlag auf.

Ich zog also vom Dorf in die Stadt. Genauer gesagt nach Leipzig. Das machte den Führerschein und gleichzeitig ein Auto weiterhin überflüssig. Die Annehmlichkeiten der Stadt sind für mich nicht mehr wegzudenken und die Entscheidung war goldrichtig aus sämtlichen Perspektiven… das ist bis heute so geblieben. Leipzig macht es einem sehr einfach ohne eigene Fahrkunst durch den Alltag zu kommen.

Lange wollte ich den Führerschein dann einfach nicht machen. Verschiedene Ängste haben mich begleitet. Die Angst vor den Kosten. Die Angst vorm Fahren. Die Angst vorm eigenen Alter. Bin ich mit Ü40 überhaupt noch in der Lage mich dieser Aufgabe von Grund auf zu stellen? Und selbst wenn… würde ich dann auch wirklich fahren?

Immer wieder verwarf ich dieses aufkommende Gefühl. Und immer mehr nervte mich diese Unbeweglichkeit. Die Suche nach Urlaubsorten, die eine gewisse Mobilität mit sich brachten.

Einsame Almhütte? Ausgeschlossen.

Eine Finca fernab vom Tourismus? Ausgeschlossen.

Einfach mal morgens am Cossi joggen gehen? Ausgeschlossen.

Mit den Hunden am Störmthaler See spazieren? Ausgeschlossen.

In der sächsischen Schweiz wandern? Ausgeschlossen.

Spontanität ist ohne Führerschein fast unmöglich… alles ist mit einer gewissen Planung verbunden. Das war auch ok… bisher jedenfalls.


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Ich konnte die Frage danach selbstbewusst verneinen, aber ich habe es auch nie ausgeschlossen. Es gab aber auch immer dieses kleine Zwicken irgendwo in den hinterletzten Regionen meiner Gedanken… nur es musste so ein „und jetzt geh ich es an… und zwar sofort“ sein. Und genauso war es dann auch. Extremst genervt von meiner Unflexibilität entschied ich mich einen Sonntag in diesem Oktober in die Fahrschule zu gehen, Montags unterschrieb ich den Vertrag und Dienstags saß ich im ersten Theorieunterricht.

Um ehrlich zu sein… nur, weil ich im Theorieunterricht saß, hatte das noch lange keine Bedeutung. Vor 20 Jahren war ich schon mal an diesem Punkt und habe es dann einfach nicht weiter verfolgt. Die vergangenen 2 Monate fühlten sich so an, als würde ich mir selbst zuschauen und kann es eigentlich gar nicht glauben, was da passiert.

Nach der 3. Fahrstunde wollte ich hinschmeißen. Ich stand an der Straßenbahnhaltestelle und hatte die Schnauze von mir gestrichen voll. Die Handhabung von Schaltung und Kupplung wollte sich einfach nicht im Kopf verankern. Ich fühlte mich dumm, klein und unfähig. Millionen Menschen cruisen durch die Straßen und ich bin schlicht zu doof dafür.

Eigentlich hab ich mich zu keiner Zeit prüfungsbereit gefühlt. Aber fühlt man sich je prüfungsbereit? Möchte man nicht sowieso am liebsten kneifen?

Für die Theorieprüfung lernte ich tagelang bis spät in die Nacht. Ich war sicher, dass ich durchfallen oder es maximal ganz knapp schaffen würde. Nach 6 Minuten ging ich mit 0 Fehlern raus. Aber die größte Hürde… die Prüfung der Fahrpraxis stand mir noch bevor und das trübte die Freude über die bestandene Theorieprüfung etwas.

Ich bin Perfektionist und zu versagen ist irgendwie nie so richtig eine Option. Erschwerend kommt hinzu, dass ich sehr ungeduldig mit mir selbst bin und ich gern alles sofort können möchte. Ein Auto zu beherrschen zeigte mir erstmal Grenzen auf.

Nur eine Hand voll Menschen kannte den praktischen Prüfungstermin. Ich hatte lange, wirklich lange, nicht mehr solche Schlafschwierigkeiten. Ungefähr 3 Stunden kam ich zur Ruhe… den Rest erledigte das Adrenalin. Rückblickend weiß ich gar nicht, wie es geschafft habe ruhig zu bleiben. Ich kann es eigentlich bis heute nicht glauben wirklich in einem Rutsch mit allem durch zu sein. Wenn ich im Auto sitze und fahre, sehe ich mich selbst manchmal verwundert nebenher laufen und gucke mich selbst ganz ungläubig an. Tatsächlich bin ich es, die dieses Ungetüm auf der Straße bewegt…


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Die wirkliche Herausforderung allerdings, war der erste Tag mit mir allein im Auto. Davor habe ich mich fürchterlich gefürchtet, wenn man es so ausdrücken will. Ich habe noch weniger geschlafen, als in der Nacht vor der Prüfung. Aber ich wusste, ich muss ins kalte Wasser hüpfen und sofort los.

Ich mietete ein Auto bei SIXT. Ein kleines Auto. Ich bekam einen SUV, der auch noch Automatik war und im 7. Stock eines Parkhauses mitten im Zentrum stand. Heißt also einen Tag nach meiner Prüfung stand ich direkt vor 3 neuen Herausforderungen. An der Ausfahrt des Parkhauses fuhr ich zu nah an den Ticketautomaten und der Spiegel klappte ein… ich bekam ihn auf die Schnelle nicht wieder ausgeklappt und so ging meine erste Fahrt direkt auch ohne Seitenspiegel auf der Fahrerseite los und es bestand erstmal keine Möglichkeit anzuhalten.

Die ersten Tage fühlten sich immer nach Magenverstimmung an, wenn ich mich auf dem Weg zum Auto machte. Es war immer ein kurzer Moment der Überwindung, der schnell verflog, wenn ich einmal losgefahren war. Mein größter Endgegner heißt Autobahn, aber auch der Situation habe ich mich gestellt… und es genossen. An einem Sonntagmorgen, mit den Hunden im Auto, auf dem Weg zum Störmthaler See.

Von allen Sachen, denen ich mich bisher gestellt habe… zumindest mit Rückblick auf die vergangenen 4 – 5 Jahre… ist der Führerschein das größte Ding überhaupt. Weil ich davon ausgegangen bin ihn niemals zu machen. Das ich das durchziehen würde, hätte ich von mir am allerwenigsten erwartet. Das ich es direkt schaffen würde… hätte ich von mir am allerwenigsten erwartet. Prüfungen sind einfach nicht mein Ding.

Ob ich Spaß am Fahren habe? Und wie! Ich liebe es. Manchmal fahre ich zum Supermarkt eine großen Umweg, weil es mir so große Freude macht. Es ist ein letzter großer Schritt eines langen Veränderungsprozesses, der tatsächlich eingeläutet wurde mit dem Ende meiner Ehe.

Ich gehöre übrigens zu den Menschen, die über Entscheidungen erst sprechen, wenn sie bereits getroffen sind… also mit mir selbst. Wenn ich also in der Lage bin eine Entscheidung zu formulieren, befinde ich mich auch schon meist in der Umsetzung meines Vorhabens. Auch dafür sind diese stillen Momente wichtig, über die ich gestern geschrieben habe. Die Entscheidung, den Führerschein zu machen, war solch ein stiller Moment.

Große Dankbarkeit begleitet mich. Für mich selbst ist der Führerschein keine Belanglosigkeit und ich wünsche mir, dass er niemals zur Selbstverständlichkeit wird. Es ist ein Geschenk, was mich flexibler und spontaner macht und das ist etwas, was definitiv zu mir und meinem Wesen passt. Ich möchte mir dieses Glücksgefühl noch lange behalten und niemals die Gründe vergessen, warum ich doch noch diesen Weg gegangen bin.

Meine Leipziger Fahrschule war übrigens ein absoluter Glücksgriff. Es war genau die richtige Mischung aus Strenge, Humor und Professionalität, die mir zum Erfolg verholfen hat… auch wenn ich meinen Fahrlehrer Richard manchmal gern zum Mond geschnipst hätte (männliche Beifahrer können aber auch echte Nervensägen sein). Falls ihr also in Leipzig nach einer guten Fahrschule sucht, auch wenn es sich nur um Auffrischungsstunden handelt… dann seid ihr bei der Fahrschule Fahrfreude allerbestens aufgehoben (das ist übrigens Werbung aus persönlicher Begeisterung).

Es ist tatsächlich völlig egal, welche Hürde vor einem liegt… man kann sich diesen Dingen, den kleinen Dämonen nur stellen, wenn man sie angeht. Ich meine wirklich angehen… nicht nur drüber nachdenken, nicht ständig drüber reden… sondern loslegen. Egal wie klein die Schritte sind, egal wie lang es dauert… man muss einfach anfangen.

Eine Followerin schrieb mir, dass ich mich jetzt vermutlich fragen würde, warum ich nicht schon viel eher damit angefangen hätte… also das ich diesen späten Schritt bereuen würde. Aber dem ist nicht so. Ich bin tatsächlich richtig gut klargekommen ohne Führerschein und es bringt mir gar nichts mich das rückblickend zu fragen. Was zählt ist das HIER und JETZT und genau jetzt war es richtig… für mich.

Viele Fragen erreichen mich zum Thema Auto. Aber da habe ich noch keine Entscheidung getroffen. Vor ein paar Wochen wäre es noch ein super kleines Auto gewesen, aber darüber bin ich hinaus… vor allem, weil ich auch die Welt ein wenig erkunden will. Mein größter Herzenswunsch wäre ein Fiat 500X… den finde ich richtig, richtig toll… also er spricht mein Herz an und das schon seit dem er auf den Markt kam. Aber das hat noch Zeit… erstmal steht ja Südafrika auf dem Plan und ob ich mich dort in den Linksverkehr wage… steht noch auf einem anderen Blatt Papier.

Habt Spaß!


Eure Andrea

4 Kommentare

  1. ivana
    27. Dezember 2019 / 13:27

    Jetzt bin ich echt überrascht; 4 Jahre lese iich da, wie toll ist das ohne FS, wie alles auch so easy ist, wie sich absolut alles fantastisch organisieren lässt, wie Auto überflüssig ist etc. etc.
    Und schau her: „Extremst genervt von meiner Unflexibilität „…Zitat Ende

    • Laola Leipzig
      27. Dezember 2019 / 14:15

      Dieser Text hat knapp 1500 Worte und Du reißt einen Satz aus den gedanklichen Gesamtkontext. Ich war an besagtem Sonntag genervt von dieser Unflexibilität, weil es mir nicht möglich war eine bestimmte Alm in Österreich erreichen zu können. Ich habe bis dato nichts vermisst und es fühlte sich auch alles easy an… bis zu dem Tag, an dem ich mehr wollte, als das was nur ohne Führerschein möglich ist… also habe ich es geändert. Das es toll ist ohne Führerschein habe ich nie geschrieben… es war händelbar… und das entsprechend der Rahmenbedingungen sogar sehr gut. Jetzt habe ich beides… die Flexibilität der Großstadt und einen Führerschein. Herzlichen Glückwunsch Andrea zu diesem Schritt…

  2. Charlotte Wagner
    27. Dezember 2019 / 23:59

    Schaffe Dir spannende Hörbücher an…
    Wenn das Fahren in Fleisch und Blut übergegangen ist… für längere Strecken und auch Staus… Nie hast Du das Gefühl, Zeit vergeudet zu haben…
    Der Fiat 500 ist zum Knudeln.

  3. 31. Dezember 2019 / 15:45

    Glückwunsch und immer gute Fahrt!
    Ich habe den FS mit 19 gemacht und dann nie gefahren, erst als es Automatik in bezahlbar gab. Und ja, die Flexibilität ist großartig.

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