LIFESTYLE

KEINE! Angst vor Trennungsschmerz…

Keine Angst vor Trennungsschmerz

Keine Angst vor Trennungsschmerz….. Dieser Blogartikel hat Monate in Anspruch genommen….ich habe immer wieder daran geschrieben…so lange bis ich den Mut gefunden habe, auf „Veröffentlichen“ zu klicken.

 

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Keine Angst vor Trennungsschmerz – meine Geschichte

 

„Er liegt mit dem Rücken zu mir. Ich nehme all meinen Mut zusammen, drehe mich zu ihm und nehme ihn in den Arm. Er ist kalt, es ist keinerlei Regung zu spüren…“

 

Es ist verrückt. Fast schon verrückt. Ein Jahr ist es her, dass ich in eine Achterbahn mit ziemlich vielen Loopings eingestiegen bin und diese Fahrt hat immer noch kein Ende gefunden. Es gibt viele Momente, in denen muss ich lachen, viel lachen. Und es gibt viele Momente, in denen muss ich weinen, mir ist schlecht und ich finde keine Ruhe. Hätte mir vorher jemand erzählt, dass eine Trennung, so viel Schmerz nach sich ziehen würde…ich hätte es nicht geglaubt.

In meiner Wirkung werde ich oft als starke Frau wahrgenommen. Das ist Fluch und Segen gleichermaßen. Oftmals vermittelt man so ein falsches Bild von sich selbst…unbewusst. Die letzten 12 Monate waren für mich eine Zeit voll intensiver und oftmals schmerzhafter Selbstreflexion.

Ehrlich zu sich selber zu sein…ist dabei die wohl schwierigste Hürde.

Als ich begriff, dass nicht eine Affäre unsere Ehe zerstört hat, sondern dass mein Mann mich einfach nicht mehr liebt, war das…..ich kann dieses Gefühl kaum beschreiben….es hat mir die Luft zum atmen genommen. Erst war es nur ein Gedanke und irgendwann habe ich die unfassbare Kraft entwickelt ihn danach zu fragen:

Liebst du mich noch?

Die Angst vor der Antwort hat mich gelähmt und doch war es so wichtig endlich Klarheit zu bekommen.

Mein Mann hätte einfach so weitergemacht. Er wäre in dieser, unserer Situation so verblieben. Aus Gewohnheit, aus Angst sich neu orientieren zu müssen. Er hätte das gemacht, was viele Menschen machen. Ich verstehe das und verurteile das nicht. Denn auch ich war immer wieder kurz davor meinen neuen Weg wieder zu verlassen und einfach zu bleiben…ebenfalls aus Angst, aus Gewohnheit, wegen unseres Sohnes.

 

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Meine persönlichen Trennungsphasen

 

Erst nach ca. 3 Monaten habe ich begriffen, dass es im Leben meines Mannes eine andere Frau geben muss. Es gab deutliche Veränderungen und die wohl deutlichste davon war, dass wir in einer Art Dauerkrise lebten. Wir konnten auf einmal nichts mehr miteinander klären. Es war wie verhext. Natürlich gab es auch vorher schon Krisen, jedoch nie so. Ich kam an ihn nicht mehr ran. Eine unsichtbare Mauer stand zwischen uns und es hat eine Weile gedauert bis ich den Grund sehen konnte. Ich möchte Euch Betroffenen da draußen an dieser Stelle nochmals sagen, dass es – bis auf meine Intuition – keinerlei Anhaltspunkte für mich gab. Es war lediglich ein Bauchgefühl.

Dieses Bauchgefühl hat mein Leben verändert. Es hat mich verändert.

Den Sonntag im Oktober….., ich werde ihn wohl nie vergessen. Ich musste mich übergeben und lag zusammengekrümmt neben unserem Gästeklo. Ich war handlungsunfähig. Ich hab noch nie so lange, so viel geweint. Es hat mich immer wieder durchgeschüttelt und ich hatte Schwierigkeiten Luft zu holen. Charlotte hat mich gerettet.

 

Kampfgeist

 

Wenn man 14 Jahre verheiratet ist, dann ist eine Affäre nicht zwingend ein Grund alles sofort hinzuwerfen. Das mein Mann sich einer anderen Frau zugewandt hat, hat mein Selbstwertgefühl dem Boden gleich gemacht. Also habe ich das gemacht, was wahrscheinlich viele Frauen tun und was wiederum für Außenstehende nicht nachvollziehbar ist. Aber das ist egal! Tu das, was Dein Herz Dir sagt….und sei es noch so verrückt.

Ich hab mich mit neuer Wäsche eingedeckt, hab Dessousläden abgeklappert….und versucht ihn zurückzuerobern. Zum damaligen Zeitpunkt war das ein reiner Mechanismus, der in mir abgelaufen ist….ohne Sinn und Verstand. Ich musste mir unbedingt selbst beweisen noch attraktiv für ihn zu sein.

Ich war nicht mehr attraktiv für ihn.

Diese Phase hat gerade mal 3 Wochen angehalten.

 

Am Rand der Verzweiflung

 

Nachdem die ersten paar Wochen recht ruhig ins Land gezogen waren, kam irgendwann das, was unvermeidbar war. Pure Verzweiflung. Ich sehe mich auch heute immer noch in unserer alten Wohnung stehen, wie ich auf ihn losgehe…ich habe geschrien, geweint, auf ihn eingehämmert und Hemden zerrissen. Mein ganzer Körper war ein einziger Schmerz. Seine Ignoranz war unerträglich für mich. Er hatte sich abgewendet und ich konnte nichts, einfach gar nichts tun.

In dieser Phase war ich stark traumatisiert. Ich konnte gar nicht glauben, dass es so etwas überhaupt gibt. Jedoch ist es tatsächlich so, dass einer der Partner auf jeden Fall, so etwas wie ein Trennungstrauma durchlebt. Vor allem der, den es unerwartet trifft.

Es gab Momente, in denen wollte ich nicht mehr weiterleben. Ich habe unseren Apothekenvorrat auf brauchbare Dinge durchsucht und zum Glück nichts gefunden.

 

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Der Therapieversuch

 

Es war ein Kampf, aber ja…wir haben es versucht…einmal. Während der 90 Minuten passierte etwas, völlig unerwartetes, für mich. Ich hatte die ganze Zeit geglaubt, dass der Weg zu einer anderen Frau und das er mich nicht mehr liebt….meine Schuld sei. Und ich fühlte mich schuldig.

Ich saß also in meiner Ecke des Therapiesofas während die Therapeutin Fragen stellte und irgendwann sagte sie folgendes:

 

Ist ihnen bewusst, dass es in ihrer eigenen Verantwortung liegt, wie sie handeln oder nicht handeln? Ist Ihnen bewusst, dass sie Ihre Frau für ihr eigenes Versagen verantwortlich machen?

 

Er brach die Therapie ab.

 

Weihnachten

 

Wir verbrachten Weihnachten getrennt. Ich hatte die wahnsinnige Vorstellung, dass er bei meinen Eltern vor der Tür steht und seinen Sohn und mich so sehr vermisst, dass er endlich zur Vernunft kommt. Nichts…wir hörten nichts von ihm.

Trotzdem entschieden wir uns Silvester gemeinsam bei Freunden zu verbringen….

 

Klarheit

 

„Das neue Jahr ist angebrochen…alle sind müde…wir gehen zu Bett. Er liegt mit dem Rücken zu mir. Ich nehme all meinen Mut zusammen, drehe mich zu ihm und nehme ihn in den Arm. Er ist kalt, es ist keinerlei Regung zu spüren. Ich stehe auf. Lege mich aufs Sofa und weiß…es ist vorbei.“

 

Der Weg

 

Ich konnte so nicht leben. Während Du noch denkst alles ist in Butter…sitzt der Andere vor Dir und sagt dir Dinge, die du nicht hören willst. Das löst eine Wucht von Gefühlen aus. Man durchlebt sie immer wieder anders.

Mal vollkommen ruhig. Mal vollkommen fassungslos. Mal vollkommen außer sich vor Wut und Trauer.

Ich bin aufgestanden. Ich suchte eine Anwältin auf und trennte mich. Ich traf die Entscheidungen, in die er mich hineingedrängt hatte. Das war in meinen Augen verrückt….ich traf Entscheidungen, die ich nicht treffen wollte und doch hatte ich keine Wahl.

Ich konnte so nicht leben. Unser Sohn sollte so nicht leben.

 

Leipzig

 

Viele von Euch haben den Weg mitverfolgt. Der Weg nach Leipzig. Die schwierige Wohnungssuche. Mein ewiges Verarbeiten in meinen Wochenrückblicken. Schreiben hilft. Gedanken auf „Papier“ bringen…es hilft…mir!

Die ersten Nächte…allein…in dieser Stadt…waren furchtbar! Im Flur leuchtet immer das Licht. Ich schließe mich doppelt und dreifach ein. Der Fernseher läuft am Abend, bis der Timer ihn ausschaltet.

Stille war kaum zu ertragen. Es ist besser geworden. Stille ist nicht mehr mein Problem.

Ich bin nicht allein. Luca ist hier. Bommel ist hier. Und es ist etwas passiert, was ich nicht auf dem Schirm hatte. Meine öffentliche Aufarbeitung der Trennung auf dem Blog hat Menschen in mein Leben „gespült“. Einsamkeit sieht anders aus. Zum Glück!

Es ist wirklich erstaunlich. Es gibt sie noch. Die Empathie. Und jede Menge Menschen, die einfach da sind. Mein Leben war lange nicht mehr so „reich“, wie in den vergangenen 5 Monaten. Die Zeit davor, war so als hätte ich in einer Blase gelebt….ich habe mir selber Steine in den Weg gelegt. Ich war nicht wirklich ich.

Mein Bauch…mein Bauchgefühl hat mich verändert. Seit der Trennung habe ich das Gefühl wieder zu mir selber gefunden zu haben. Ich fühle wieder mich. Ich kümmere mich um mich. Und ich fühle meine Menschen um mich herum.

 

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Neuanfang?

 

Das ist sicher eine Frage, die sich viele Betroffene in Trennungssituationen stellen. Gibt es sie irgendwann, die Chance auf einen Neuanfang. Es kann doch einfach gar nicht sein, dass er oder sie sich einfach entliebt. Die lange Zeit, die Gemeinsamkeiten, vielleicht ein Kind…..

Lange schwingt sie mit. Die Hoffnung. Länger, als man sich es selber eingestehen kann.

Ja, es gab ihn. Einen möglichen Neuanfang. Der langersehnte Satz:

Ich will meine Familie zurück…!

Ja…er kam…dieser Satz. Lange nachdem ich schon in Leipzig war. Hoffnung flammte auf. Obwohl ich doch eigentlich längst abgeschlossen hatte. Nein, ich hatte nicht abgeschlossen. Vielleicht schließt man nie wirklich ab. Ich weiß es nicht.

Es meldete sich wieder…mein Bauchgefühl. Ich war allein, stand im Bad, eine Welle der Übelkeit überrollte mich und ich verbrachte den Tag im Bett. Die Angst davor wieder verletzt zu werden, wieder diesen Schmerz durchleben zu müssen….lähmte mich. Ich stand völlig neben mir.

Irgendwann lehnte ich mich zurück und betrachtete die Situation. Es war nicht wahr. Er wollte gar nicht wirklich zurück. Es war nur ein Anflug von….keine Ahnung was es war. Es gibt keinen Neuanfang.

Ein Neuanfang nach einer Trennung – und das ist völlig losgelöst von meiner persönlichen Situation – ist nur möglich, wenn beide daran arbeiten. Gespräche sind die Nährstoffe für eine Basis. Dabei geht es gar nicht um Aufarbeitung bis in letzte Detail…auch das halte ich für falsch. Spricht man aber nicht über das Geschehene, wird es einen einholen….wie eine Lawine überrollt es einen möglichen Neuanfang.

Wenn etwas so sehr am Boden liegt, dann ist es harte Arbeit, wieder einen gemeinsamen Weg zu finden. Vertrauen aufzubauen. Vor allem Vertrauen. Ist das aber nur einer Seite bewusst, dass man nicht einfach zum Alltag zurückkehren kann….ist ein Neuanfang zum Scheitern verurteilt.

Schließlich gab es ja Gründe für eine mögliche Trennung.

 

Keine Angst vor Trennungsschmerz

 

Er ist furchtbar. Dieser Schmerz. Ich kann daran nichts beschönigen. Sich seinen Partner mit einer anderen Frau oder einem anderen Mann vorzustellen…ist furchtbar. Es lässt einen in die nächstbeste Schüssel kotzen. So einfach ist das.

Noch schlimmer ist aber, wenn man nichts mehr ändern kann. Wenn die Möglichkeit miteinander zu sprechen, miteinander zu arbeiten einfach nicht da ist. Weil sich der Partner bereits abgewendet hat. Da ist nur noch dieses Gefühl von unfassbarer Hilflosigkeit.

Es hat mich mit einer Wucht erwischt, die ich selbst nicht für möglich gehalten hätte. Ich doch nicht! So was steck ich doch weg….so ungefähr hab ich gedacht. Fehlanzeige!

Das war einfach nicht mein Lebensplan. Ich hatte versagt. Einfach so.

Es ist wichtig. Es ist verdammt wichtig diesen Schmerz zu spüren. Heulend auf’m Teppichboden rumzukriechen und Gläser gegen die Wand zu werfen. Es ist wichtig!!! Ich habe wie ein Affe auf meinem Mann gehockt und auf ihn eingehämmert. Meine Schwester und ich – haben bei der Vorstellung – lange Zeit später….Tränen gelacht. Wir haben uns überhaupt nicht mehr eingekriegt. Ich war einfach voller Verzweiflung und nicht mehr ich selbst.

Es ist ein Heilungsprozess, der durchlaufen werden muss. Am Gipfel des Schmerzes angekommen…kann es nur besser werden. Verdrängung….ist der denkbar falscheste Weg, den man gehen kann.

Denn auf einmal steht man ganz oben. Man kann wieder durchatmen und klar sehen.

Damit sage ich nicht, dass es es auf einmal leicht wird. Das ist nicht so. Eine Trennung verändert wirklich einfach alles. Freunde, Bekannte, Familien…alles wird auseinandergerissen. Bei mir war es ein Weg in eine andere Stadt und für Luca eine neue Schule.

Auf einmal wohnt man wieder alleine. Man plant Urlaube alleine (das ist übrigens besonders schwer). Weihnachten, Ostern, Geburtstage….Alles, was 16 Jahre lang seine Ordnung hatte…ist nicht mehr da. Ist man eine Frau…ist man in der Regel auf einmal alleinerziehend.

Das ist  – ERSTMAL – alles richtig Scheisse!

Und dann! Dann ist da noch dieses Gefühl von….

WOW…ich kann machen was ich will!

Die Wände sollen rosa werden? Dann werden sie rosa! Kein Bock die Küche aufzuräumen? Bleibt sie halt unordentlich! Klingt lapidar. Ist aber tatsächlich eine Art Befreiungsschlag….an den man sich auch tatsächlich erstmal gewöhnen muss.

Perfekte Hausfrau? Scheiss ich drauf. Nie wieder!

Das Leben ist zu kurz um sich an Lappalien aufzuhalten!

Ich muss alle Entscheidungen alleine treffen. Ich DARF alle Entscheidungen alleine treffen. Ich trage nur noch für mich und für Luca Verantwortung. Das reicht aus.

Ja, vielleicht gehöre ich ab sofort zur Generation „Beziehungsunfähig“. Vielleicht besuche ich am Sonntag auch die Lesung zu dem Buch…die findet nämlich im Felsenkeller in Leipzig statt.

 

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Abschied

 

Ich bin ein Mensch, der Klarheit braucht. Klarheit ist mein Motor um weitermachen zu können.

Ich habe mich unbewusst….im tiefsten Inneren festgehalten. An die Hoffnung habe ich mich geklammert….ohne es zu merken. An die Hoffnung, dass wir nach einer schweren Zeit wieder zueinander finden würden. Erschwerend kommt hinzu, dass es für diese Hoffnung Nährboden gab…..

Ich möchte mich verabschieden. Von dieser Hoffnung. Sie tut mir nicht gut…..es ist eine Hoffnung voller Unwahrheiten. Die wenigsten Paare finden wieder zueinander. Das ist ein Fakt.

Am Ende einer Trennung kann es, aus meiner Sicht, niemals um die Schuldfrage gehen. Niemand hat schuld. Man streitet, macht sich Vorwürfe…ja! Aber am Ende gibt es auf beiden Seiten große Verluste. Man steht vor einem Trümmerhaufen, aus dem man sich erstmal rauskämpfen muss.

Ich sehne mich danach endlich Frieden zu schließen. Keine Hoffnung mehr, sondern nur mein Weg.

Meinen Mann…habe ich aufrichtig geliebt und ich hätte gekämpft. Für uns. Er weiß das. Aber ich hätte den Kampf alleine geführt…und mich verrannt.

Ich habe es bereits oben erwähnt….ehrlich zu sich selbst zu sein….ist die wohl größte Hürde. Zu akzeptieren das man versagt hat….das der Lebensplan nicht aufgegangen ist….das die Liebe verschwunden ist…..

Der Weg raus lohnt sich. Der Neustart ist steinig, schmerzhaft und tränenreich. Keine Frage. Und trotzdem hat er so viel Gutes für mich im Gepäck gehabt.

Wenn mich jemand um Rat fragen würde…dann würde ich sagen „Sprich“….“geh offen mit Deinen Gefühlen um“. Wenn das im Freundeskreis oder in der Familie nicht möglich ist….dann „hol Dir Hilfe“. Trennungen und alles was damit einhergeht ist etwas Normales (leider). Kein Grund sich zu verstecken oder etwas wofür man sich schämen muss.

Und ich kann mich von Euch nur nochmal mit folgendem Satz verabschieden:

KEINE ANGST VOR TRENNUNGSSCHMERZ!

Ich umarme alle (und alle anderen natürlich auch), die sich gerade auf diesem Weg befinden. Es wird besser! Versprochen!

 

Eure Schnimpeline

 

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