BREEZY SUMMER THOUGHTS 2021 #2

BREEZY SUMMER THOUGHTS 2021 #2

Das Flugzeug ist halb leer. 

Noch nie saß ich in einem so leeren Flugzeug.

Wir setzen uns trotzdem gemeinsam in eine 3er-Reihe.

Ich bestelle einen Aperol, wechsle den Platz und proste der Welt von oben zu.

Die Kinder hinter mir schreien, hören lautstark Disneyfilme ohne Kopfhörer und treten mir den Sitz in den Rücken. Ich ärgere mich kurz… nicht über die Kinder… über die Eltern. Vielleicht schreibe ich irgendwann mal darüber, dass ich mit 44 verstehe, warum es „Only Adults“ Angebote gibt.


BREEZY SUMMER THOUGHTS 2021 #2


Der Ärger währt nur kurz, ich wechsle 5 Reihen weiter nach vorne. Hier ist es ruhig.

Ich presse die Nase an das kleine Fenster und verfalle erneut der majestätischen Art eines Fluges. Es ist… immer wieder… ein kleines Wunder für mich. Ich liebe die Geschmeidigkeit der Kurven, wie es sich hebt und senkt und mir einen sehr besonderen Blick auf die Welt schenkt.

Wir landen. Spüren die Wärme. Die Halle mit den Kofferbändern ist unerwartet leer. Es dauert keine 10 Minuten vom Flieger bis zum Ausgang.


BREEZY SUMMER THOUGHTS 2021 #2


Ich komme einfach nicht an. 

Es ist, als würde ich neben mir laufen. 

Als müsste mir immer wieder jemand zuflüstern… „hey, du bist wirklich da“. Ich sehe mich am Wasser entlanglaufen, ich sehe mich, wie ich mir Taschen an den hübschen Ständen anschaue, ein Brot mit Tomaten und Schinken esse und trotzdem bin ich irgendwie nicht da.

Alles in mir kribbelt und fühlt sich unwirklich an. Die letzten 12 Monate haben deutliche Spuren hinterlassen.

Gegen 06:00 Uhr werde ich wach. Es ist sehr viel dunkler hier, als in Deutschland um diese Zeit. Ich ziehe die Gardine zur Seite. Mache die Balkontür weit auf und rieche mediterrane Luft, sehe mediterranes Licht. Pinien um mich herum und das Meer seitlich von mir. Mir wird warm von Kopf bis Fuß. Ein pures Glücksgefühl durchströmt meinen Körper.

Ich schalte den kleinen Wasserkocher ein, öffne das Tütchen mit dem Krümelkaffee und befülle den schwarzen Plastikbecher. Nehme ein Buch, setze die Maske auf, trete aus dem Hotel und atme tief durch.

100 Meter die Straße hinunter.


BREEZY SUMMER THOUGHTS 2021 #2


Dort ist eine kleine Bucht. Am Vorabend war sie gefüllt mit Menschen. Nun ist sie leer. Ich bin alleine mit dieser Schönheit, nehme Platz und merke, wie ich ankomme und sich der Knoten löst. Ich weine, weil… eigentlich weiß ich es gar nicht so genau… es ist ein Sammelsurium aus allen Gefühlen, die endlich einen Weg nach außen gefunden haben.

Ein Mann fängt an den kleinen Strand aufzuräumen für die Menschen, die ihn tagsüber wieder bevölkern werden. Ein Spanier kommt mit seinem Hund und wirft immer wieder eine Plastikflasche ins Meer. Der Hund rennt mit großer Freude immer wieder ins Wasser, holt die Flasche und dann geht es von vorne los. Irgendwie ist es ein schönes Bild.

Der Mann mit dem Besen, der Mann mit dem Hund und ich mit dem Buch. Ich lese nicht eine Seite, weil ich meinen Blick nicht lösen kann. Die beiden Männer wechseln ein paar Worte. Vermutlich kennen sie sich.


BREEZY SUMMER THOUGHTS 2021 #2


Ich freue mich auf den nächsten Morgen. Ich möchte genau das nochmal machen. Ich laufe wieder die 100 Meter bis zur kleinen Bucht. Diesmal traue ich mich ein bisschen an der Steilküste zu klettern. 

Der Mann mit dem Besen ist wieder da. Er lächelt, grüßt mich und fragt nach meinem Befinden. Ich lächle zurück, antworte ihm und während ich zurück zum Hotel laufe, wünsche ich mir viele Wochen an diesem Ort…

Ich würde den Geschichten des Mannes mit dem Besen lauschen und mich über den Hund mit seiner Plastikflasche freuen. Diese kleinen Alltagsroutinen, die eine ganz besondere Energie freisetzen.

Und dann würde ich mich an einen alten, verwitterten Tisch setzen und schreiben. 


BREEZY SUMMER THOUGHTS 2021 #2


Wir fahren weiter. An einen anderen Ort. In eine andere Routine. 

Ein Ort mit kleinen, alten, silbernen Töpfen und Krümelkaffee. Ein Ort mit einem verwitterten Tisch. Ein Ort mit Katzen, die uns täglich besuchen kommen. Ein Ort, an dem aus dem Nachbarhaus die Kaffeetassen am Morgen klappern. Ein sehr spanischer Ort. Ein Ort, an dem es mir endlich wieder gelingt Buchstaben in Worte zu verwandeln.

Ich möchte verweilen. Verweilen in dieser täglichen Routine, die mir so gut tut. Die mich erdet. Das Leben in Schlappen, Shorts und T-Shirts verbringen. Die Haare wild in alle Richtungen und trotzdem tiefe Zufriedenheit…

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2 Kommentare

  1. 8. August 2021 / 20:52

    Danke für den kleinen Urlaubsmoment. Das habe ich gerade gebraucht, dieses Gefühl von Leben und endlich tief und auszuatmen!

  2. Petra Bünhove
    15. August 2021 / 7:07

    So schön geschrieben 😍…als ich las, wie du um 6 aufgestanden bist etc….ich bekam feuchte Augen. Genauso wird es mir gehen, wenn ich das erste Mal wieder mediterane Luft schnupper 🥺❤❤❤

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