#KOFFERGESCHICHTEN #12… AUS AMSTERDAM… und das Herz tanzt, wie frisch verliebt.

#KOFFERGESCHICHTEN #12… AUS AMSTERDAM… und das Herz tanzt, wie frisch verliebt.

Wir fallen todmüde und früh am Abend ins Bett.

Die knapp 7 Stunden auf der Autobahn, die neuen Eindrücke und die Hitze hauen uns um. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen und im Status dieser Übermüdung verwerfe ich den Wunsch früh aufzustehen um durch die Grachten von Amsterdam zu wandern und zu fotografieren.

05 Uhr bin ich dann doch wach. Ich kann nichts sehen, weil der Vorhang alles in Dunkelheit verhüllt. Soll ich? Soll wirklich aufstehen? Soll ich die wütenden Seufzer meines Sohnes ertragen, weil ich Krach mache im Hotelzimmer?

Egal! Dafür bin ich doch hier und wo komme ich denn hin, wenn ich mich davon beeindrucken lassen würde.

Ich putze schnell die Zähne, werfe etwas Wasser ins Gesicht, ziehe das Kleid von gestern an, schnappe die Kamera und bin durch die Tür. Auf den Kaffee verzichte ich. Ich möchte die morgendliche Missstimmung nicht überstrapazieren.

Es ist Freitag. Zwischenzeitlich steht der Zeiger auf 06 Uhr morgens. Amsterdam ist wie leergefegt. Ich laufe los. Überall sind die Überbleibsel der Nacht zu sehen. Müll in allen Ecken und trotzdem hat es irgendwie was Schönes, als würde es dazugehören, als müsse es so sein in einer Stadt, die so viele Facetten des Lebens miteinander verbindet.

Ich fotografiere hier und da und freue mich über die Stille, die mich umgibt. Es fühlt sich an, wie Stille inmitten von Leben.

Auf einem kleinen Platz halte ich kurz inne. Jemand räumt Stühle in eine Bar und ansonsten ist da niemand. Nur ich. Ich sehe eine alte Buchhandlung und kleine Gassen und auf einmal liegt ganz klar vor mir, was ich will. Als wäre es genau der Moment gewesen, den ich so lange gesucht habe.

Ich war lange nicht mehr so voller Glück, wie in exakt diesem Moment.

Ein paar Straßen weiter nehme ich den Duft eines Bäckers wahr. Es ist der einzige Bäcker, der geöffnet hat. Ich kehre ein, bestelle einen Kaffee und eines der ofenfrischen Croissant. Ich setze mich mit dem Tablett auf die Bank vor der Tür und sehe Amsterdam beim Aufwachen zu.


#KOFFERGESCHICHTEN #12… AUS AMSTERDAM… und das Herz tanzt, wie frisch verliebt.
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Nach Südafrika war ich verloren. Wir kamen überglücklich aus Kapstadt zurück, mit Hoffnung, Energie… einfach allem, was einem eine Reise im besten Fall mitgeben kann. Und dann kam Corona.

Ich glaube, seitdem suche ich meinen Platz und es fühlt sich einfach ätzend an, wenn man nicht weiß man hingehören will. Unsicherheit, Zweifel, Angst… alles auf einmal. Immer begleitet von dem unbedingten Willen auch dieser Situation entgegenzutreten. Nicht aufgeben Andrea.


#KOFFERGESCHICHTEN #12… AUS AMSTERDAM… und das Herz tanzt, wie frisch verliebt.
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Das gerade Amsterdam diesen Knoten lösen würde, hätte ich nicht erwartet. Vermutlich war meine Erwartungshaltung in diesem Punkt an Österreich und Südtirol zu groß.

Ich klammerte mich an den Gedanken, dass unser Urlaub dort den Schatten auf der Seele auflösen würde, aber das passierte nicht.


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An Amsterdam hatte ich gar keine Erwartung. Der Gedanke an die lange Fahrt hat mich sogar so sehr geängstigt, dass ich am Abend davor schlecht gelaunt war und mein Sohn das in voller Wucht abbekam.

Dieser Morgen in Amsterdam hat etwas verändert. Es fühlt sich ein bisschen so an, als wäre ich aus einer Depression wieder aufgewacht. Ein dunkler Schleier, der sich endlich wieder gelichtet hat.

Ich bin wieder deutlich produktiver und kann Ängste besser abschütteln bzw. ihnen auf dem richtigen Weg begegnen.


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Dieser kleine Kurztrip fühlt sich auch eine Woche später noch an, als wären wir sehr lang dort gewesen. Dabei waren es gerade mal 2 Nächte und die Hälfte der Zeit habe ich vermutlich im Auto gesessen. Und doch hat es gereicht. Seitdem bin ich so produktiv, wie schon lange nicht mehr.

Davor hat sich alles angefühlt, wie in Zeitlupe und als würde ich den Mount Everest vor mir herschieben.

Das es tatsächlich so ist, war mir gar nicht so richtig klar… bis ich diesen Moment auf dem kleinen Platz mitten in Amsterdam hatte, der irgendwas ausgelöst hat und nein ich war in keinem Coffeeshop…


#KOFFERGESCHICHTEN #12… AUS AMSTERDAM… und das Herz tanzt, wie frisch verliebt.


Dieser Kurztrip nach Amsterdam hat mir ganz viel gegeben. Wir sind auf so unfassbar nette Menschen getroffen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Corona ganz schreckliche Dinge bei Menschen hervorbringt, aber eben genauso wunderbare Dinge. Als wären ganz viele von uns darauf bedacht, jetzt besonders sensibel und freundlich miteinander zu sein.

Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass ich mich immer frage, ob Holländer auch wütend sein können. Die Sprache der Holländer ist zauberhaft und bringt mich immer zum Lächeln.


#KOFFERGESCHICHTEN #12… AUS AMSTERDAM… und das Herz tanzt, wie frisch verliebt.


Meine Freundin Bine hat in ihrem letzten Instagram Post einen Satz geschrieben, der mich tief berührt hat und der mit wenigen Worten beschreibt, was ich gerade versuche mit vielen Worten zu beschreiben:


und dennoch hat sich mein #leben in den letzten 9 monaten so verändert, wie noch nie zuvor. in meinem persönlichen #umfeld ist alles gleich. und dennoch ist alles anders.


In Teil 3 der Koffergeschichten aus Amsterdam, zeige ich euch, was wir uns angesehen haben, wo wir gegessen haben und was uns besonders gut gefallen hat.


Eure Andrea

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