#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt… Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!

#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Ich muss es aufschreiben. Ich will es aufschreiben. Ich möchte mich für immer daran erinnern. 

Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem ich diese Geschichten nur lese und sie mir selber nicht mehr zuordnen kann, aber dann werden sie mir immer noch Freude bringen.


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!
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Koffergeschichten #2 aus Kapstadt… Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Tag 5 in Südafrika und es fühlt sich an, als wären es schon 5 Wochen. Während ich vor 5 Tagen noch mit dem ankommen kämpfte, ist es nun wie 2. Heimat. Wir sind da… mit Kopf… Herz… Bauch und Verstand. Jeder Schritt fühlt sich allmählich normal an. 

Verlasse ich unser Haus in Seapoint, um zum Supermarkt zu gehen, ist das wie Alltag und ich muss mich immer wieder schütteln um zu begreifen, dass es eben nicht mein Alltag ist. Alltag ist Leipzig. Alltag ist irgendwie anders. Alltag beinhaltet nicht Sonne, Strand und Meer und trotzdem ist es irgendwie Alltag. 

Immer wieder schwirren die gleichen Fragen durch meinen Kopf. Wie fühlt man sich, wenn man wirklich hier lebt und jeden Tag auf diese Schönheit, die Südafrika bietet, zugreifen kann? Weiß man das noch zu schätzen? 


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!
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#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!
#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Mir treibt diese Natur regelmäßig einen Kloß in den Hals. Immer geht irgendwie ein leichter Wind. Die Nächte sind, trotz des Sommers, hervorragend auszuhalten. Kapstadt bietet eine unglaubliche Kulisse mit vielen Facetten, die pures Glück bedeuten.

Südafrika hat sich förmlich in mein Herz gebrannt. Und das bereits vor über 20 Jahren. Kein Land hat je diesen Eindruck bei mir hinterlassen. Ich kann mich noch gut an meine Angst im vergangenen Jahr erinnern, dass meine Erinnerungen mich betrügen würden. Das die Zeit, den Zauber dieser lang vergangenen Reise überholt hat. Wenn mich jemand fragte, was meine schönste Reise war… dann war die Antwort immer gleich. Südafrika.

Es gibt keinen konkreten Grund dafür. Es sind vermutlich tausende Gründe… Eine Kombination aus Kulturen, aus Meer und Bergen, grandiose Weine, göttliches Essen. Zusammengefasst… es ist einfach ein Gefühl.


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!
#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Man kann der Geschichte Südafrikas an keiner Stelle aus dem Weg gehen. Es mag Armut und Kriminalität geben, aber auch verdammt viel Stolz auf Afrika, auf die eigene Kultur, die eigene Hautfarbe. 

Wir haben uns auf den Weg nach Franschhoek in die Weinberge gemacht. Dieser kleine Ort ist ca. eine Stunde Autofahrt von Kapstadt entfernt. Mit Uber macht das ca. 35 Euro. Ein Witz, dafür lässt sich kein Auto mieten.

Nein, wir haben uns vorher nicht belesen. Wir haben kein Winetasting gebucht oder für ein Dinner reserviert. Wir binden uns nicht gern. Wenn es so nicht geht, dann geht es meist anders und mit konkreter Planung verbaut man sich ganz viel Flexibilität und den Blick nach links und rechts. Einfach drauf los… irgendwas passt schon und es war tatsächlich noch nie anders.


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Wir beziehen unser Cottage auf dem Weingut La Chataigne, was ein absoluter Traum ist. Die Einrichtung könnte von mir sein. Ich mache unzählige Fotos. Ich glaube meine Küche in Leipzig braucht dringend ein Makeover.

Ich denke darüber nach, wie es wäre, wenn ich hier meinen Lebensabend verbringen könnte. Am allerbesten mit dem Schreiben von Büchern. Katharina würde sie illustrieren und im Weingut La Motte würden wir 2 mal im Jahr Inner Balance Workshops geben… ich träume… vor mich hin. Dani würde Porträts in den Weinbergen fotografieren, Bine würde strukturieren und Uta… würde mit ihrer Weisheit alles zusammenhalten. 


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Auch in den Weinbergen kann man sich hervorragend mit Uber fortbewegen. Ich habe die Größe des Gebiets rund um Stellenbosch komplett unterschätzt. Man braucht Tage, wenn man wirklich alles sehen und aufsaugen möchte. 

Es ist Zeit für Lunch und wir werfen einen Blick in den, vom Cottage erstellten, Guide. Boschendal Deli klingt gut.

Wir gehen vor die Tür und rufen per App ein Uber. 3 Minuten soll es dauern. Der Fahrer findet uns nicht und ich kann schlecht erkennen, an welcher Stelle er abhanden gekommen ist. Die Weingüter gehen immer sehr tief ins Land und manchmal spielt das GPS uns allen einen Streich. Wir sind kurz davor die Fahrt in der App abzubrechen und auf einmal steht er vor uns. Wir steigen ein und lassen uns Richtung Boschendal fahren. 


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!
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Offensichtlich gehört unser Uber Fahrer zu den gesprächigen Drivern. Das ist nicht immer so. Die Fahrt kostet um die 5 Euro und er macht daraus für uns eine super interessante Tour und erzählt ganz viel, was uns begeistert. Wir kommen während des Gesprächs mit Oswald so richtig in Fahrt… blablabla.

Die Vermieterin unseres Airbnb in Seapoint hatte uns schon angeboten, wenn wir Unterstützung für Daily Deals mit Uber brauchen, können wir sie gern fragen, sie würde das dann für uns regeln. Aber irgendwie fühlen wir uns mit Oswald im Auto so gut, dass wir unseren eigenen Daily Deal mit ihm verabreden… für den nächsten Tag um 10:15 Uhr. 

Im Boschendal Deli geht mir das Herz auf. Diese Weinfarmen sind so unglaublich schön. Der Wind rauscht sanft durch die Bäume, man kann durch die Gärten streifen, vielleicht kreuzt eine Schildkröte den Weg. Das Essen und der Wein im Restaurant sind grandios. Wir zahlen fast nie mehr als um die 20 Euro. Das Preis Leistungsverhältnis zum Essen gehen in Südafrika ist wirklich der Hammer.

Wir machen noch einen Streifzug durch den Farmladen, nehmen etwas für unser Barbecue mit und fahren zurück zum Cottage.


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Das Wasser im Pool ist eisig. Aber wir tauchen trotzdem eine Runde ab. Ich mache die Flasche Weißwein aus dem Kühlschrank auf. Der Wein stammt natürlich von dem Weingut, auf dem sich unser kleines Cottage befindet… versteht sich von selbst. Richtig lecker! Wir grillen und lassen den Abend mit Blick auf die Weinberge und einen atemberaubenden Sonnenuntergang ausklingen. 


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Oswald steht am nächsten Morgen pünktlich vor unserer Türe. Wir starten auf dem ältesten Weingut Lanzerac. Ossi empfiehlt uns eine Cellar Tour. Sein Sohn Ayden begleitet uns. Er ist 20, sieht aber nicht viel älter aus als Luca. Er studiert Tourismus in Kapstadt. Gerade sind Semesterferien und er arbeitet hin und wieder mit seinem Dad um auch praktisch in die Tourismus Thematik einzusteigen. 

Nach der Cellar Tour machen wir unser erstes Winetasting überhaupt. Wahnsinn, was diese Menschen auf den Weingütern alles über Wein wissen. Das Winetasting, für das wir uns entscheiden, kostet 95 Rand, was ungefähr 6 Euro entspricht (eigentlich unglaublich oder?). Kauft man danach eine Flasche Wein, muss man das Tasting nicht bezahlen. Dazu bestellen wir uns eine Cheese Plate, die unglaublich (unglaublich wird noch zu meinem Lieblingswort) lecker ist. Unbedingt teilen! Das schafft kein Mensch alleine.

Nach Lanzerac fahren Oswald und Ayden mit uns zum Delheim Weingut. Ein deutsches Weingut und ganz anders als Lanzerac. Es fühlt sich fast an, als wäre man in den Tropen gelandet. Auch hier machen wir ein Winetasting und kaufen tatsächlich einen Gewürztraminer. Ich meine… da fliegt man nach Südafrika und was kauft man? Gewürztraminer!


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!
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Es ist bereits spät am Nachmittag. Hunger macht sich bemerkbar. Oswald möchte uns unbedingt Stellenbosch zeigen und dort mit uns essen gehen. Was ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht wusste… Stellenbosch ist eine Studentenstadt. 35.000 Studenten, davon 4000 Deutsche. So groß und so schön hatte ich mir diesen Ort überhaupt nicht vorgestellt. 

Wir besuchen die zweitälteste Kirche Südafrikas. Am Empfang sitzt eine sehr nette, ältere Frau. Sie begrüßt uns auf deutsch und das so zauberhaft, dass ich mich sogar dazu hinreißen lasse und das Video über diese Kirche anschaue. Am Ende werfen wir eine kleine Spende in die Schale und machen uns auf den Weg Richtung Java Cafè


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Oswald verabschiedet sich. Er muss zurück nach Kapstadt. In der Schule seines jüngeren Sohnes ist Elternabend. Ayden begleitet uns den Rest des Weges. Wir könnten noch ein Weingut besichtigen, wenn wir Lust hätten… aber wir sind völlig durch und möchten noch ein wenig unser kleines Cottage und diese großartige Aussicht genießen. 

Auf dem Weg zurück von Stellenbosch nach Franschhoek sind die beiden Jungs so richtig in ihrem Element. Musik ist das Thema. Sie hören Rap und diskutieren über gute und schlechte Songs und Künstler. Ich schaue währenddessen die Landschaft an und lächle. Ja, so hatte ich mir das vorgestellt, obwohl ich überhaupt keine Vorstellung hatte. Ein großes Gefühl der Zufriedenheit breitet sich in mir aus.


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Um 06 Uhr am nächsten Morgen bin ich wach. Ich öffne die Terrassentür soweit es möglich ist. Der Wind ist nicht mehr so stark. Ich mache mir einen Kaffee und stehe barfuß vorm Sonnenaufgang. Es ist fast unwirklich schön. So schön, dass es die eigene Vorstellung übersteigt. Man möchte zugreifen und diese Momente einpacken und sie hervorholen, wenn es nötig ist. Vielleicht schreibe ich deswegen darüber. Vielleicht ist das meine Art, Momente einzupacken.

Eigentlich möchte ich an meiner Koffergeschichte weiterschreiben, aber ich bin so beschäftigt damit in die Landschaft zu blicken, dass ich nicht einen Satz aufs Papier bringe. Ich akzeptiere diesen Zustand und verschiebe das Schreiben auf später… immer ein bisschen mit der Angst, ich könnte vergessen, was ich zu „Papier“ bringen will… das die Gefühle zu den verschiedenen Momenten verschwinden, verblassen… aber diese Angst ist unbegründet.

Wir frühstücken im Franschhoek Cafè, gemeinsam mit Oswald und machen uns zurück auf den Weg nach Kapstadt.


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Unterwegs erreicht mich eine Nachricht unserer Sprachschule in Seapoint, mit der wir am Montag starten. Ob wir nicht am Abend auf die Party kommen möchten, fragen sie. Es ist Freitag und Partytime in Seapoint. 

Ich muss schmunzeln. Wir sind noch nicht mal eine Woche hier und es fühlt sich gerade an, als würden wir nach Hause fahren, nur eben nicht nach Leipzig… sondern nach Kapstadt, wo unser „Alltag“ auf uns wartet. Ich sage zu für den Abend.


#Koffergeschichten #2 aus Kapstadt... Oswald, Franschhoek und Stellenbosch!


Angekommen in Seapoint muss ich Oswald erstmal feste drücken. Wir haben in den 2 Tagen unglaublich viel gelernt über Südafrika. Mehr, als ich mir je erhofft hätte. Dieses jeden Tag glücklich und so zufrieden sein, macht mir fast ein bisschen Angst. Aber dieser Ortswechsel, dieser ganz bewusste Ortswechsel ist Energie in allen Poren. Als ob man den Schalter umlegt, auf Reset drückt, nochmal anfängt und feststellt was wirklich, also so richtig wirklich wichtig ist.

Ich freu mich auf die nächste Koffergeschichte mit euch.


Eure Andrea

7 Kommentare

  1. Kirsten
    26. Januar 2020 / 8:41

    Guten Morgen liebe Andrea. Wie wunderschön geschrieben. Das treibt mir fast Pipi in die Augen…es fühlt sich an, als wäre man selbst dort. Du musst unbedingt ein Buch oder überhaupt Bücher schreiben. Das ist deine Berufung!! Wenn nicht du, wer dann.

    Herzlicher Gruß in die Sonne aus dem kalten Sauerland
    Kirsten

  2. Ilona
    26. Januar 2020 / 8:53

    Was ein schöner Beitrag und die Bilder sind der Hammer. Ich kann mich nicht entscheiden was ich mehr mag, die Geschichte oder die Photos. Frau möchte sofort auch nach Kapstadt. Eine schöne Zeit noch.
    Grüße Ilona

  3. 26. Januar 2020 / 10:14

    Ich bin sprachlos! So emotional, du solltest Reiseführer schreiben. Die Orte wirken in den Erzählungen so lebendig! Einfach noch schöner, als sie sonst schon sind! Würde direkt wieder ein Wine Tasting mit Freunden machen

  4. 26. Januar 2020 / 11:27

    Hallo liebe Andrea,
    du schreibst so schön und nimmst einen richtig mit. Mit deinen Worten werden deine Bilder lebendig und ich habe das Gefühl dabei zu sein. Ich freue mich auf weitere Koffergeschichten und wünsche euch eine gute, unvergessliche und glückliche Zeit in Südafrika
    Liebe Grüße,
    Ingrid

  5. Cornelia
    27. Januar 2020 / 21:12

    Da packt mich doch gleich das Heimweh! Du hast mir aus dem Herzen geschrieben. Genau so fühle ich mich jeweils, wenn ich in SA ankomme, oder eben heimkomme. Es wird Zeit, dass ich nach zu vielen Jahren ohne Mother Africa auch wieder einmal die Koffer packe… Danke fürs Teilen!

  6. Cornelia Schneider
    30. Januar 2020 / 10:34

    Liebe Andrea, du schreibst so wunderbar, dass man das Gefühl hat an eurer Seite zu sein.
    Ich freue mich, dass es so gut für euch läuft, die Schule, die Menschen, die Unterkunft. Aber wenn man herzlich auf alle zugeht, keine grossen Erwartungen stellt, sich einfach auf alles einlässt….. Toll, dass ihr genau so seid. Genießt diese Zeit.
    Alles Liebe

    Conny Schneider (coschcato)

  7. Sara
    30. Januar 2020 / 21:03

    Liebe Andrea,

    auch wir Wind gerade in und um Kapstadt unterwegs! Haben so schöne Erlebnisse und werden viele Erinnerungen mitnehmen!
    Solltest du mal etwas weiter an der Gardenroute entlang fahren ist unser lovely Place in Knysa zu finden. Und zwar das Narnia Guest House. Einfach nur herrlich!
    Alles Liebe für eueren weiteren Trip aus Knysna!
    Sara

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