The Courage you need comes from you…

The Courage you need comes from you...


Es ist Sonntag und um ehrlich zu sein, vermisse ich manchmal unsere alten Zeiten.


Wisst ihr noch?


Die Zeiten, in denen ich voller Trauer meiner Ehe nachhing und Sonntag für Sonntag meine Gedanken aufschrieb, um irgendwie mit mir selber klarzukommen.

Vor 5 Jahren genau um diese Zeit, war ich noch der Auffassung meine Ehe retten zu können. Und ich kann mich noch genau erinnern, wann ich die Entscheidung traf, dass es keinen Sinn mehr machte.

Wir waren in einem Kölner Brauhaus und ich beobachtete einfach nur die Situation zwischen ihm, unserem Sohn und mir. Ich sah die Kälte in seinen Augen, die immer größer werdende, emotionale Distanz und wusste, dass ich das nicht aushalten würde können.

Ich wurde innerlich ganz still und ich glaube auch äußerlich. Es tat unglaublich weh und trotz des Schmerzes, trotz der Angst vor dem was da auf mich zukommt, entschied ich mich nach 16 Jahren gegen diese Ehe.

Hin und wieder suchen Frauen auf dem Blog nach diesen Erfahrungen aus der Zeit meiner Trauer. Aber es ist weitestgehend alles gelöscht. Dieser Teil meines Lebens war wichtig und auch die Aufarbeitung hat mir selber sehr geholfen… nur ist es eben heute kein Teil mehr von mir. Der Wut, der Trauer, dem Schmerz, habe ich nur bedingt stattgegeben. Ich habe all die Emotionen zugelassen, aber im gleichen Moment bin ich auch weitergegangen…

weil ich wollte

weil ich musste

weil ich Mutter bin

5 Jahre ist all das her…

5 Jahre, in denen so unglaublich viel passiert ist. Eine Zeit mit den schönsten, aber auch größten Herausforderungen. Sich immer wieder stellen zu müssen… vor allem den eigenen Dämonen. Ich kann mich nicht erinnern, emotional jemals so sehr an und über meine eigenen Grenzen gegangen zu sein und es hat mich verändert. Ob das gut oder schlecht ist, vermag ich nicht zu sagen. Was ich aber sagen kann ist… Menschen machen mir manchmal Angst.

Vielleicht liegt es in meiner Natur, vielleicht sind es die Erfahrungen der vergangenen Jahre… ich weiß es nicht, wirklich nicht. Aber am Ende des Tages, verlasse ich mich nur auf einen Menschen und das bin ich selbst.

Ich bin kommunikativ, ich liebe Gesellschaft, aber genauso liebe ich es auch nicht. Die Pandemie verstärkt dieses Gefühl nochmal, weil die Distanz zu anderen immer größer wird und manchmal macht mir das Angst, weil es sich gar nicht so schlimm anfühlt, nur mit sich selbst klarkommen zu müssen.

Der Witz ist… ich fühle mich damit total wohl und auf der anderen Seite trotzdem, wie ein Außenseiter. Ich bin ein Klischee und irgendwie auch nicht.

Vielleicht ist das aber auch einfach so, vielleicht bin ich einfach anders… nicht auf der Suche nach dem Partner fürs Leben (das hatte ich schon), aber trotzdem auf der Suche… auf der Suche nach meiner Aufgabe. Eine Aufgabe, die mir etwas bedeutet und die anderen etwas bedeutet, aber zu allererst muss sie mir etwas bedeuten… der Rest kommt von ganz allein.

Was habe ich aus den vergangen 5 Jahren eigentlich gelernt? Gab es überhaupt einen Lernprozess? Das kann ich mit einem klaren „JA“ beantworten. Und irgendwie wäre es ja auch ziemlich traurig, wenn das nicht der Fall wäre oder?

Ich habe herausgefunden, dass Vergangenheit verbindet. Das ein Kind verbindet. Das es Dinge im Leben gibt, die man nie wiederholen kann, also sollte man sie unbedingt wertschätzen und festhalten… links unten in der Ecke des Herzens (oder rechts… je nachdem, was grad besser passt).

Ich habe herausgefunden, dass ich verzeihen kann. Fast alles tatsächlich. Aber es gibt auch Dinge, die ich nicht und niemals verzeihen kann. Das allerdings ist dann schon sehr außergewöhnlich bei mir… also, wenn ich die Tore wirklich schließe, mich umdrehe und den Schlüssel wegwerfe. Die Anzahl dieser Menschen, die das betrifft, ist allerdings geringer als gering, denn ich halte den Akt der Verzeihung, für einen wichtigen Akt sich selbst gegenüber.

Meinem Mann habe ich übrigens verziehen. Nur, um Mutmaßungen direkt die Luft abzudrehen.

Ich habe gelernt, dass Dinge sich verändern dürfen. Das auch Freundschaften einer gewissen Dynamik unterliegen. Das nichts bis ans Ende des Lebens halten muss… das ich loslassen darf… das ich Veränderungen selber anstoßen darf… das ich gehen darf, wenn sich etwas nicht mehr gut anfühlt.

Ich habe auch gelernt, dass ich einen Wert als Frau habe. Das meine Arbeit einen Wert hat. Das ich mitbestimmen und gestalten darf. Dafür ist Mut notwendig und der kann nur von mir selber kommen. Denn den allerletzten Schritt, geht man immer alleine.

Ich habe vor allem gelernt, dass unsere Welt nicht schwarz weiß ist. Das jeder eine Geschichte hat.

Sehr bewusst wurde mir das, als wir vor ein paar Wochen bei Gericht waren. Vergangenes Jahr im Februar wurde mein Sohn Opfer eines Raubüberfalls und nun stand die Gerichtsverhandlung an.

Den Abend davor beruhigten wir unseren Sohn. Sein Vater kam extra die 500 km angefahren, um ebenfalls an seiner Seite zu sein. Wir gingen also geschlossen in den Saal. Wir, als Eltern, standen wie eine Wand hinter unserem Sohn. Wenn uns etwas eint, dann ist es das.

Der Angeklagte, 16 Jahre alt, kam ohne elterlichen Beistand.

Ich meine, dieser Junge, hat mit 2 anderen unseren Sohn überfallen und dann sitze ich da in diesem Saal und empfinde nichts als echtes Mitleid und hätte ihn gern in den Arm genommen.

Egal, was unser Sohn machen würde, wir wären an seiner Seite. Auch, wenn er auf der Anklagebank gesessen hätte.

Ich weiß nicht, ob Liebe alleine reicht… hin und wieder zweifle ich daran. Aber ohne Liebe ist eben alles nichts.

Vor allem aber habe ich gelernt meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen. Zu sagen, wo der Schuh drückt. Oder auf Rückzug gehen, wenn ich mich selbst nicht mehr auskenne und emotionalen Ausbrüchen keinen Raum bieten möchte… damit meine ich vor allem meine eigenen. Ich muss nicht mehr jeden Kampf führen. Ich muss mich… vor allem… selber kennen und in eine Auseinandersetzung mit mir selber gehen. Überspringt man diesen Schritt, lenkt man einfach nur von sich selbst ab und das kann niemals ein Bestandteil des persönlichen Veränderungsprozesses sein.

2020 hat mich geerdet. Die Pandemie hat für eine Vollbremsung gesorgt und die kam zum genau richtigen Zeitpunkt. All das, was vorher schon in mir gebrodelt hat, hat sich an die Oberfläche gekämpft. Ich brauche kein „höher, schneller, weiter“… das ist nichts, was mich glücklich macht. Alles, was ich mache, folgt einem größeren Plan. Und nein… keiner, der schon feststeht… ich habe nichts gebucht, ich gehe aktuell nirgends hin. Aber ich schaffe ein Gerüst und jeder, der mich gut kennt, wird nicht überrascht sein, wenn irgendwann, irgendwas passiert.

Es gibt immer (fast immer) einen sehr langen Denkprozess, den ich oftmals mit niemandem bespreche und dann wirkt es natürlich manchmal überraschend oder hopplahopp… Aber auch ich treffe nicht jede Entscheidung innerhalb von 24 Stunden. Ich meine… immerhin musste ich 42 werden um den Führerschein zu machen. Manche Entscheidungen brauchen eben Zeit.

Im Übrigen bin ich ein Mensch, der sehr an den richtigen Zeitpunkt glaubt und das ich meinem Bauchgefühl vertraue, ist hinlänglich bekannt… Immer, wirklich immer, wenn ich mein Bauchgefühl missachte… gehts schief, auf die ein oder andere Art. Wenn es in der Bauchgegend zwickt und zwackt und es sich irgendwie nicht gut anfühlt… dann unbedingt die Finger davon lassen oder eine mögliche Fehlentscheidung als Lernprozess nutzen.

Ich glaube eine Art Urvertrauen in sich selbst ist unerlässlich für mutige Entscheidungen. Das Urvertrauen in uns selbst als Mensch… nicht mehr, nicht weniger. Und diese Intuition… wie sie nur Mütter haben können.

Es muss irgendwann im letzten Jahr gewesen sein. Mein Sohn fuhr zu seinem Vater. Er fuhr also geradewegs in eine Familiensituation hinein… ein Mann, eine Frau, ein anderes Kind. Also ein komplette Familie… 4 Menschen am Abendbrottisch.

Ich saß Zuhause und malte mir die schlimmsten Szenarien aus. Mir machte das große Angst, weil ich nichts davon bieten konnte. Ich kann keine Familie ersetzen. Ich kann nur ich sein. Ich hatte wirklich Alpträume. Ich rechnete fest damit, dass mein Sohn irgendwann den Wunsch äußern würde zu gehen… zurück ins Rheinland. Zurück in ein Haus mit Garten. Zurück an einen Abendbrottisch.


Nichts davon passierte.


Die Sehnsucht nach dem Rheinland, ist der Liebe zu Leipzig gewichen. Zuhause ist hier… Zuhause ist bei mir und man tut gut daran das nicht in Frage zu stellen, denn nichts davon kann man erzwingen.

Ich bin so voller unendlich vieler Fehler, aber wenn ich meinen Sohn sehe, ihn erlebe… bin ich voller Liebe und unendlich stolz und ich frage mich ganz oft, ob das wirklich mit mir in Zusammenhang stehen kann. Hab ich es wirklich geschafft ihn auf den richtigen Weg mitzunehmen und wenn ja… wie ist mir das eigentlich gelungen… hab ich mich doch so manches Mal komplett verloren gefühlt.

Dieses Jahr hat große Veränderungen mit sich gebracht. Ich hatte mit Dingen zu tun, die ich meinem ärgsten Feind nicht wünschen würde. Es gab Momente, in denen ich am liebsten von der nächsten Brücke gesprungen wäre.

Aber offensichtlich spielt auch in solchen Momenten Timing eine Rolle und manchmal sind dann Menschen an deiner Seite, die dich auffangen und die eigentlich keine Ahnung haben, was da eigentlich gerade in deinem Leben los ist. Und genau das war in diesem Jahr so und so konnte ich mich Stück für Stück wieder herausbuddeln. Und was manchmal, wie eine rhetorische Finte klingt… ist Realität geworden. Ich habe meine Ängste genommen und sie in Energie umgewandelt und herausgekommen ist mehr Klarheit und Geradlinigkeit, als es je zuvor der Fall gewesen wäre.

Immer, wenn ich in einem Corona-Loch festhänge, denke ich an Januar und das wir das Glück auf unserer Seite hatten. Das wir die Reise unseres Lebens machen durften und das völlig unbehelligt von einem Virus. Das macht mir Mut.

Everything happens for a reason…


Eure Andrea

8 Kommentare

  1. Gabriele Steuernagel
    29. November 2020 / 9:05

    Du wunderbare starke Frau . So voll aus und mit dem Herzen geschrieben.
    Ich umarme dich und wünsche dir von Herzen ganz viel Liebe und Sonnenschein.
    😍 Gabi

  2. ivana
    29. November 2020 / 9:22

    Danke für diese Zeilen. Ich habe auch eine Trennung erlebt, es sind schon 10 Jahre her (mann, wie die Zeit läuft) und leider leider schweben meine Gedanken immer und immer wieder in die Vergangenheit….

  3. Gabi
    29. November 2020 / 12:09

    Hallo, danke dir, so persönlich, wunderbare Worte und sehr inspirierend! Lieber Gruß Gabi

  4. Claudia Buchstaller
    29. November 2020 / 12:37

    ❤ soviel Ehrlichkeit ist eine verdammt große Stärke!

  5. Schwarzberger Martina
    29. November 2020 / 13:56

    So wunderschön geschrieben, danke dafür. Du bist einfach eine tolle Frau😘alles Liebe für dich💕

  6. Sandra
    29. November 2020 / 18:12

    Das ist das ehrlichste was ich bisher gehört habe…selbst Freundinnen sind untereinander nicht so ehrlich.?.ich fühle das genauso, habe ich doch eine ähnliche Geschichte…einen Sohn habe ich an den Papa „verloren „….das tut so weh…und niemand versteht es, denn das ist ja schließlich der Papa….
    Danke,dass du so offen ausspricht…Respekt und Zuneigung und eine virtuelle Umarmung, Sandra

  7. 30. November 2020 / 22:57

    Der letzte Satz beschreibt das so gut! Und du wirst uns überraschen! Und Jede wird sich mit Dir freuen und Dir die Daumen drücken!

  8. Heidemarie Walter
    2. Dezember 2020 / 15:37

    Sei froh, dass es so ist wie es ist. Und denk an Dich. Sonst tut es keiner! Alles Gute Andrea. Du und Dein Blog Ihr seid Wunderbar.

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