#Koffergeschichten #3 aus Kapstadt… Sprachschule in Südafrika und was man dazu wissen muss!

#Koffergeschichten #3 aus Kapstadt… Sprachschule in Südafrika und was man dazu wissen muss!

Bevor ich anfange meine Gedanken zu einem bestimmten Thema in die Tasten zu tippen, fange ich bereits vorher meine Emotionen dazu ein. Ich lege mir im Kopf zurecht worüber und wie ich schreiben will. Was möchte ich transportieren?

Die Antwort ist recht einfach: mein ganz persönliches Gefühl zu einem bestimmten Thema. Und selbst das Thema Sprachschule ist mit Emotionen verbunden, wenn es auch in der Theorie recht sachlich behaftet ist.

Ich dachte darüber nach, warum wir eigentlich zur Sprachschule in Kapstadt gehen und was das für diese Reise bedeutet.

Und während ich so vor mich hin sinnierte, wurde mir auf einmal bewusst, wie sehr sich das Thema Reisen für uns verändert hat. Mit klassischem Urlaub hat das – im weitesten Sinne – nichts mehr zu tun. Es fühlt sich eher an, wie ein stetiger Lernprozess, der unser Leben positiv beeinflusst… fernab von einem 2 Wochen Urlaub in einem All Inclusive Hotel… das ist einfach nicht unsere Vorstellung vom Reisen… und das ist völlig wertfrei. Es betrifft einfach nur unsere ganz eigenen Vorlieben zu dieser Thematik.

Beim Wunsch für länger nach Südafrika zu gehen, stand zu keiner Sekunde das Thema „Urlaub“ an erster Stelle. Denn das ist nicht das, was wir wollten. Wir wollten – für einen längeren Zeitraum – möglichst viel unseres Alltags an einen Ort verlegen, der uns (neben unserer Heimat) sehr viel bedeutet und das ist Kapstadt.

Die beste Möglichkeit in ein fremdes Land „einzutauchen“ und Alltag zu erleben, ist dort zu arbeiten oder alternativ zur Schule zu gehen.

Wir haben uns für eine Sprachschule entschieden um unser Englisch zu verbessern. Für Luca spielt das ja eine noch weitaus größere Rolle, als für mich und ich mochte die Idee, dass er so bereits Einblick in eine Welt bekommt, die den Umgang mit verschiedenen Kulturen und Sprachen bedeutet.

Der Weg dorthin war nicht ganz so einfach, wie ich es mir erhofft hatte. Aber dank der ein oder anderen Hürde, kann ich euch ein paar Tipps mit auf den Weg geben, die vielleicht irgendwann mal hilfreich sein könnten.


Wie bekommt man von der deutschen Schule eine Genehmigung für einen Aufenthalt im Ausland (außerhalb der Ferien)?


Im vergangenen Jahr erzählte mir Moritz aus Südafrika, dass er seine Kinder für ein Jahr Weltreise aus der Schule nehmen möchte. Das war der Auftakt für uns selbst. Wir hatten noch nie über so eine Möglichkeit nachgedacht und irgendwie war mit diesem Gespräch bei uns der Schalter umgelegt. Wir informierten uns bereits von Kapstadt aus über verschiedene Möglichkeiten.

Die Suche im Internet brachte nur hervor, dass eine Schulbefreiung unter bestimmten Voraussetzungen möglich sei. Der Schüler darf nicht zu auffällig sein und man muss den Auslandsaufenthalt begründen.

Ich hatte mich gut vorbereitet. Eigentlich wären wir gern noch länger gereist, aber ich wollte es nicht übertreiben und so legten wir einen Zeitraum von 6 Wochen fest. In diesen Zeitraum fließen bereits die Winterferien in Sachsen ein. Heißt also, wir sprechen von 4 Wochen Schulbefreiung.

Ein persönliches Gespräch halte ich eigentlich für am geeignetsten, allerdings scheiterte ich schon bei der simplen Terminanfrage zu diesem Thema bei der Direktorin der Schule meines Sohnes. Heißt… ich wurde gar nicht erst „vorgelassen“… ist abgelehnt – war die knappe Ansage der Sekretärin am Telefon.

Offen gesagt war ich ziemlich fassungslos, fand aber schnell den Boden unter den Füßen wieder.

Ich stellte einen 2 Seiten langen Antrag und begründete diesen ausführlich. Kurze Zeit später hielten wir die schriftliche Zusage in den Händen und darüber war ich tatsächlich sehr froh… einfach, weil ich mal nicht kämpfen wollte. Ich bin davon überzeugt, dass diese Reise – mit all seinen Facetten – so viel mehr bedeutet, als es 2 Fehlwochen in der Schule je leisten könnten. Denn tatsächlich sprechen wir von nur 2 Wochen, da in die Fehlzeit auch noch ein Praktikum fällt, was Luca bei mir absolviert.

An dieser Stelle hake ich diesen Punkt ab und komme zu einem geeigneten Zeitpunkt nochmal auf die Schulthematik zurück. Die Lücken im Bildungssystem und wie das auf dem Rücken unserer Kinder ausgetragen wird… verdient einen eigenen Artikelplatz und gehört in der Tiefe nicht in eine Koffergeschichte.

Die Suche nach einer Sprachschule in Kapstadt


Mit der Genehmigung der deutschen Schule in der Tasche, konnten wir uns nun auch endlich intensiv um eine Sprachschule in Kapstadt kümmern und das hatte ich mir deutlich einfacher vorgestellt. Dieses Prozedere nahm tatsächlich mehrere Wochen in Anspruch.

Zu allererst buchte ich eine Unterkunft in Seapoint und checkte vorher bei google, ob es dort viele Sprachschulen im Umkreis gibt. Mir war wichtig, dass wir unsere Sprachschule zu Fuß erreichen können. Seapoint ist auf jeden Fall perfekt, denn die Auswahl an Möglichkeiten ist groß.

Ich schrieb wirklich viele Sprachschulen an und fast immer scheiterte ich am Alter meines Sohnes. Die meisten Sprachschulen bieten entweder Kinderkurse an oder Kurse für Jugendliche ab 16. Luca ist mit 15 an einer ganz blöden Grenze und wir wurden überall abgelehnt. Manche Sprachschulen schrieben gar nicht zurück.

Zwischendurch machte ich mal Pause und fing dann wieder von vorn an… bis ich auf Maren von der IH Cape Town traf (IH Cape Town steht übrigens für International House Cape Town). Endlich ein sehr persönlicher Kontakt und auch die Thematik mit Luca ließ sich klären. Ich gab unsere Anmeldung ab, bezahlte die Kursgebühr und freute mich über einen weiteren Meilenstein.


IH Cape Town – Sprachschule in Kapstadt


Luca musste bereits von Deutschland aus einen Onlinetest absolvieren. Alles weitere folgte dann direkt, hier vor Ort, in Kapstadt.

Wir sind vergangenen Montag gestartet und fühlen uns sauwohl in der Schule. Es sind alle Nationen vertreten und aktuell lernen 160 Studenten Sprachen an der IH Cape Town und das aus den unterschiedlichsten Gründen.

Wenn man möchte, kann man sich den lieben langen Tag mit Schule beschäftigen. Für uns selbst war eine gute Balance wichtig. Wir gehen 09:00 Uhr aus dem Haus und sind gegen 13 Uhr fertig. Danach arbeite ich an meinen Projekten weiter und gegen Abend spazieren wir meist nochmal am Strand oder wandern die Berge hoch.

Abgesehen davon, dass hier aktuell Sommer ist und wir in 2 Minuten am Meer sind, fühlt es sich gar nicht so viel anders an, als in Deutschland. Wir sind vollauf beschäftigt, kochen meist Zuhause und stecken mitten drin in unserem Kapstadt Leben. Von Tag zu Tag fühlt es sich mehr an, wie Normalität und das ist genau das, was wir wollten.

Was ein bisschen den Anschein nach schulischem Freizeitvergnügen erweckt, ist trügerisch. Die IH Cape Town ist extrem gut organisiert und auf eine positive Weise streng. Das ist auch unbedingt notwendig, weil einfach alle Generationen vertreten sind und macht man keine Vorgaben, macht irgendwann jeder was er will.

Wer über 20 Prozent des Unterrichts fehlt, bekommt kein Zertifikat. Kommt man morgens 10 Minuten zu spät, darf man nicht mehr in den Unterricht. Der Unterricht ist locker, macht richtig großen Spaß, aber er ist auch intensiv und super gut durchorganisiert. Für mich stimmt hier die Balance zwischen Spaß am Lernen und „Pflicht“… das, was vielen Schulen so oft fehlt.

Luca und ich haben am Montag, mit allen anderen neuen Studenten einen ausführlichen Eingliederungstest absolviert. Dabei wird auf alles eingegangen. Es gibt sogar ein Face to Face Interview um das sprachliche Level einschätzen zu können. Am Montagabend konnten wir dann online die Ergebnisse abfragen und wir sind beide im Level B1 eingestuft. Vereinfacht gesagt… wir kommen mit unseren vorhandenen Englischkenntnissen gut klar und arbeiten daran das es noch viel besser wird.

In der Schule selbst darf nur Englisch gesprochen werden. Wird man dabei „erwischt“, dass man in der Landessprache miteinander spricht, gibts die gelbe Karte und man muss was ins Sparschwein tun. Das sorgt dafür, dass Luca und ich tatsächlich englisch miteinander sprechen und langsam gewöhnen wir uns daran und finden es richtig gut.

Und überhaupt… wir sind jetzt 10 Tage in Kapstadt und die Sprachqualität verbessert sich täglich. Das ist ja genau das, was sonst immer fehlt. Man kann so viel lernen, wie man will… wenn man es nicht anwenden kann, wird es problematisch.

Die größte Hürde liegt ja oft darin einfach loszusprechen, weil man sich seiner miesen Sprachkenntnisse so schämt. Irgendwann fragte mich mal jemand, ob ich mich lustig darüber machen würde, wenn ich in Deutschland ein Gespräch mit jemandem habe, der nur gebrochenes Deutsch spricht. Das konnte ich ganz klar verneinen. Und ich kenne auch niemanden, der das tut. Und genauso ist es andersrum und daran versuche ich immer zu denken und seitdem plappere ich drauf los und werde auch ganz offensichtlich verstanden.

Luca und ich sind in unterschiedlichen Klassen. In meiner Klasse ist von 19 bis 50 jedes Alter vertreten und sämtliche Nationen. Bei Luca ist der Durchschnitt etwas jünger und ebenfalls international. Die Klassengröße liegt bei ungefähr 10 Teilnehmern.

Die Ambitionen der Studenten könnten unterschiedlicher nicht sein. Viele bereiten sich auf ihre Examen vor und man kann verschiedene Bildungswege beschreiten, die international anerkannt sind. Das ist sicher super interessant für alle, deren Kinder in ein Alter kommen, wo es sich um die Zukunft dreht. Außerdem bietet die Schule auch Unterkünfte an. Eine Art Campus oder Gastfamilien. Das ist sicher aus finanzieller Sicht ebenfalls attraktiv, falls man seine Kinder alleine ziehen lässt. Südafrika eignet sich z.B. hervorragend für einen Auslandsaufenthalt während eines Studiums.

Aktuell haben wir uns für 2 Wochen Vormittagsunterricht entschieden. Preislich liegen wir hier bei ca. 700 Euro. Das sind pro Person 175 Euro pro Woche. Ich finde das mehr als fair. Pro Tag ist das ein finanzieller Einsatz von 35 Euro und dafür bekommt man eine ganze Menge und ich kann es nur weiterempfehlen.


Der „soziale Faktor“ einer Sprachschule in Kapstadt


Auch das spielt eine große Rolle und für uns war es, in Bezug auf die Anmeldung, der größte Antrieb. Wir wollten Menschen kennenlernen.

Die IH Cape Town bietet viele verschiedene „Social Activities“ an. Es gibt legendäre Studentenpartys, man kann Ausflüge buchen oder sich mit den anderen Studenten verabreden.

Heute Abend gehen wir z.B. auf das Rooftop eines tollen Hotels und gucken einen Film… open Air Cinema quasi. Wir haben uns in die Liste dafür eingetragen. Es gibt Popcorn, ein paar Drinks, tolle Leute und einen englischen Film.


Ein paar Worte zum Abschluss dieser Koffergeschichte…


Wir alle kennen diese Hemmungen neue Dinge zu tun. Sich inmitten von fremden Menschen einzureihen ohne zu wissen, was einen erwartet und das auch noch in einer fremden Sprache… ist eine Herausforderung und man muss definitiv über seinen Schatten springen.


Hat man das einmal geschafft… ist es ganz leicht.


Für mich war es wichtig meinen Sohn in diese Richtung zu „schubsen“, auch wenn das bedeutet das ich loslassen muss. Die Möglichkeiten in seiner Schule in Deutschland sind begrenzt. Es gibt irre viel Schulausfall und das Thema Sprache fällt immer wieder hinten herunter. Ganz oft habe ich das Gefühl, Individualität und Kampfgeist sind immer noch nicht gefragt. Der Lehrplan sieht folgendes vor… und Kinder haben zu funktionieren.

Für mich als Mama ist es wichtig, dass mein Sohn sich anderen Kulturen öffnet. Das er selbstständig in die ganze Welt hinausgehen kann und etwas mehr Zeit hat, sich für das zu entscheiden, was er für seine Zukunft möchte, als es bei mir der Fall war. Vereinfacht gesagt, wünsche ich mir, dass er ein emphatischer Typ wird (was er bereits ist) und sich für unser Weltgeschehen interessiert (was er bereits tut).

Und ganz nebenbei ist es natürlich auch für mich ein fortwährender Lernprozess und immer wieder die Erkenntnis das „Alter“ keine Rolle spielt. Man muss nur anfangen…

Ich freu mich auf die nächste Koffergeschichte mit euch.


Eure Andrea


Anmerkung: Falls ihr noch Fragen habt, stellt sie einfach in den Kommentaren oder kontaktiert mich per Mail. Alle Infos zur Sprachschule in Kapstadt findet ihr gebündelt hier.

2 Kommentare

  1. Petra von FrauGenial
    29. Januar 2020 / 13:18

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie eine Sprachschule das Bewusstsein für Jedermann ändern kann. Man merkt wirklich, dass da der Fokus komplett anders liegt, die Stärken mit Spaß zu fördern. Ein wirklich spannendes Thema worüber ich mich auch wohl gerne mehr informieren möchte

  2. 29. Januar 2020 / 22:36

    Hallo Andrea!

    Wow! Ich bin beeindruckt von eurem Mut und eurer Tatkraft!
    Schön, die Lösung mit den 6 Wochen. Ich hatte leider noch immer dieses blöde alles (1 Jahr) oder nichts im Kopf. Das ist so hemmend!

    Ich wünsche euch noch eine erlebnisreiche, wunderbare Zeit.

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