warum ich mich freue und was das mit „pfeffi“ zu tun hat?

dreiraumhaus mein neues leben in leipzig

Ich war gerade im Konsum, der schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite liegt, einkaufen. Das ist für mich auf gleich 2 Arten ziemlich erheiternd. Erstens war ich schon als Kind immer im Konsum einkaufen (nur mit wesentlich weniger Auswahl in den Regalen) und zweitens falle ich nur aus dem Haus raus und stehe mitten im Leben….ich brauche nur meine Beine oder maximal das Fahrrad.

Ich habe also meinen Berg Pfandflaschen abgegeben und während ich so an der Kasse stehe, streift mein Blick die Süßigkeiten….und ganz unten entdecke ich etwas, was schon in Vergessenheit geraten war, obwohl es mich zu DDR-Zeiten fast täglich begleitet hat……

pfeffi

 

dreiraumhaus pfeffi

 

Ich muss selber schmunzeln, wenn ich das schreibe. Aber die kleine Packung mit den Pfefferminzbonbons hat meinen Tag erheitert und selbstverständlich hab ich die Bonbons gekauft und ich starre sie an, als wäre ich auf Gold gestoßen. Pfeffi….unfassbar das es das tatsächlich noch gibt…ein DDR Relikt….Wenn es nicht viel gab, aber pfeffi gab es irgendwie immer….Das sind kleine Glücklichkeiten.

Ich bin angekommen…in dieser neuen, alten Stadt und jetzt sitz ich hier…in Leipzig….mit Kind und Hund…nur ohne Mann. Seit 10 Tagen hat mein Leben die angestrebte Wendung genommen und ich komme mit meinen Gedanken und dem was zu tun ist kaum noch hinterher. Zu viel ist passiert in zu kurzer Zeit. In meinem Gehirn herrscht Chaos und es fällt mir schwer dieses Chaos in Worte zu fassen. Es ist wie ein Wollknäuel, was noch entwirrt werden muss.

 

dreiraumhaus mein neues leben in leipzig

 

mein neues Leben 2.0

Es war ein merkwürdiges Gefühl auf einmal alleine zu sein. Nicht, weil wir mir alleine sein Angst macht….es war eher die Erkenntnis, dass da momentan niemand ist nachdem ich den Arm ausstrecken kann. Ich bin auf mich alleine gestellt und ich muss funktionieren…für mich…für meinen Sohn…für mein Leben. Funktionieren…ein schreckliches Wort und doch ist es irgendwie so.

Ich bin angekommen und ich bin richtig hier und auch Luca ist richtig hier. Es ist ein Gefühl von Heimat und „Hallo, da bin ich…was hast Du mir zu bieten“. Und trotzdem gibt es da immer noch diese Trauerphasen und diese Wut im Bauch….und auch immer noch ein Stück Fassungslosigkeit, dass eine lange Verbindung in so kurzer Zeit dem Erdboden gleichgemacht werden kann. Wenn ich auf den Horror der letzten Monate zurückblicke, dann ist mein Bedarf an Männern für lange Zeit gedeckt (hoffe ich jedenfalls). Ja…und ich bin wütend und scheinbar immer noch verletzt…manche Wunden heilen eben sehr langsam. Vielleicht sollte ich mich wirklich langsam mal auf Tinder austoben….das dürfte sicher für den ein oder anderen erheiternden Blogartikel sorgen……

 

  • Fast-Vierzigern schmeißt sich wieder auf die Rolle
  • Schnimpeline auf der Suche nach wilden Abenteuern
  • Mit Falten im Gesicht auf Liebhabersuche….

 

Scherz beiseite….

 

dreiraumhaus mein neues leben in leipzig

 

Und dann ist da aber auch die Freude. Freude über meine neu gewonnene Freiheit. Freude über mich selbst. Freude über die Menschen, die auf mich zugehen und mir helfen in dieser neuen Situation, in dieser „neuen“ Stadt, anzukommen. Es ist wirklich auch so viel Freude da….zum Glück!

Aber darf ich das überhaupt?

Darf ich mich freuen?

Jetzt schon?

Meine Ehe ist kaputt, ich habe meinen Sohn aus seinem vertrauten Umfeld herausgerissen……ich musste viele Entscheidungen treffen, die unattraktiv waren. Natürlich frage ich mich immer wieder, wie all das passieren konnte. Ich sitze auf meinem Bett, in meiner neuen Wohnung und muss mich manchmal kneifen….es ist alles irgendwie so real und trotzdem unwirklich. Wie ich schon sagte…es ist zu viel passiert in zu kurzer Zeit.

 

dreiraumhaus mein neues leben in leipzig

 

Es gibt aber nur diesen einen Weg….nach vorne schauen, weitergehen. Ich atme bewusst ein und ich atme bewusst aus. Vorurteile haben keinen Platz mehr in meinem Leben und das ist etwas sehr Erfüllendes. Ich möchte nicht ersticken an meiner eigenen Unzufriedenheit oder an der Unzufriedenheit anderer. Ich habe eine sehr schmerzhafte Erfahrung in „mein Leben 2.0“ umgewandelt und das funktioniert nur, wenn man mit einer gesunden Portion Liebe zu sich selbst und auch Egoismus ausgestattet ist. Sich einfach mal selber wichtig sein…..auch das musste ich wieder lernen.

Ich sortiere mich noch. Mein Tag beginnt hier gegen 05:30 Uhr. Das war eigentlich schon immer so…nur mit dem Unterschied, dass die Schulen hier – im Gegensatz zu NRW – fast eine Stunde früher starten. Mir fehlt also morgens meine berühmte Gammelkaffeezeit und ich muss mich darauf verlassen, dass mit Luca alles klappt. Die S-Bahn wartet nicht. Organisation ist alles und Bommel freut sich, dass er nun jeden Morgen um kurz vor Sieben seine obligatorische Hunderunde drehen kann. Allein meine Wege mit Luca zur S-Bahn hin und zurück machen schon lustige 4 km am Tag aus…ganz abgesehen davon, dass ich im 3. Stock wohne und fast alles mit dem Fahrrad erledige. Da werde ich auf meine alten Tage nochmal so richtig fit.

 

dreiraumhaus mein neues leben in leipzig

 

Und dann gibt es so unglaublich viele Freizeitangebote, dass ich auch hier erstmal schauen muss. Wir haben uns ja bereits letztes Wochenende mit Haut und Haaren ins Leipziger Leben gestürzt. Familienfest am Kulkwitzer See oder die 23 km Tour auf dem Fahrradfest der Leipziger Volkszeitung (das war übrigens super). Im Augenblick recherchiere ich mich dusselig nach einem Fahrradanhänger für Bommel, weil ich ihn so oft wie möglich mitnehmen möchte….aber ich bin noch total unsicher in meiner Entscheidungsfindung…gut Ding will eben Weile haben.

 

 

Viele von Euch wünschen sich einen Einblick in mein neues zu Hause…auch das wird alles kommen in den nächsten Wochen. Es gab im Vorfeld des Umzugs ein paar wirklich hübsche Kooperationen und ich glaube, es ist so oder so ziemlich interessant, wie man sich in einer 60 qm 3-Raum-Wohnung so einrichten kann, dass man nicht das Gefühl bekommt zu „ersticken“.

 

 

Sich von 120 qm quasi zu halbieren erfordert nämlich einiges an Planung…., wenn man es aber richtig angeht…..können einem auch 60 qm richtig groß vorkommen. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl irgendwie eingeengt zu sein….Luca auch nicht…und Bommel schon mal gar nicht, aber der klebt eh immer wie eine Klette an mir dran.

Bis bald!

 

Eure Schnimpeline

 

9 Kommentare

  1. 24. Mai 2016 / 19:48

    Wenn eine Fast-Vierzigerin von „auf meine alten Tage“ und Falten spricht, muss ich wirklich schmunzeln – was soll dann ich Fast-Fünfzigerin sagen? Klar ist es anstrengend, aber es ist auch spannend und mit 40 hat man auch die Kraft noch dazu, neu anzufangen. Ich bin froh, dass ich es nicht muss… aber wenn es sein müsste, könnte ich es, das habe ich bei Frauen meines Alters (und darüber) in meinem Umfeld gesehen. Dass du immer noch traurig oder wütend wirst, ist normal und legitim. Was heißt überhaupt immer noch, das wird noch lange so sein. Ich habe (oder mir wurde?) vor drei Jahren der Kontakt mit zwei mir sehr wichtigen Menschen abgebrochen, die mir davor lange Zeit übel mitgespielt hatten. Obwohl ich im Prinzip damit abgeschlossen und es hinter mir gelassen habe, kommen manchmal immer noch traurige und/wütende Gedanken hoch. Ärgert mich zwar, aber es ist nicht zu ändern.
    Wenn ich so deine Berichte lese, sehe ich ganz deutlich, mit welchem Optimismus und mit welcher Energie du alles anpackst – das finde ich toll. Du schaffst es 😉
    Liebe Grüße
    Kerstin

    • 24. Mai 2016 / 21:09

      Liebe Kerstin, ja wahrscheinlich empfindet man es irgendwie immer als „Alter“, wenn man ein Jahrzehnt hinter sich lässt. Vielen lieben Dank für Deinen aufmunternden Kommentar. LG Andrea

  2. Häsin
    24. Mai 2016 / 21:40

    Liebe Andrea,
    das wird schon werden mit dem neuen Leben 2.0 – gib ihm Zeit, sich zu entwickeln. Du machst das genau richtig: sich einfach ablenken und in Neues stürzen und viel Zeit mit Luca verbringen.
    Ich find das übrigens beeindruckend, wie wohnlich das bei Euch schon aussieht nach so kurzer Zeit.

    Liebe Grüße

    • 25. Mai 2016 / 6:23

      Huhu Häsin..danke für Deinen Kommentar. Ja, wahrscheinlich mache ich unbewusst ein paar Dinge ganz richtig und das mit dem wohnlich sein ist so ein Tick von mir…LG Andrea

  3. 24. Mai 2016 / 22:57

    Hach Kerstin spricht mir aus der Seele, was soll ich als schon längst über 50 jährige sagen;-) Dagegen bist Du ein ganz junges Hühnchen:-) Du hast so viel geschafft – einfach toll! Wütend war ich auch viele, viele Jahre, das ist legitim und auch wichtig. Alles andere wäre auch komisch, schließlich war Dir die Beziehung nicht egal! Aber irgendwann wirst Du Dir sagen, dass alles gut so war, ich möchte mein früheres Leben nicht mehr zurück:-)
    LG Antje

    • 25. Mai 2016 / 6:22

      Liebe Antje…junges Hühnchen…von wegen…;-)! Lieben Dank für Deinen Kommentar.

  4. 25. Mai 2016 / 17:43

    Ich lese gerne von Deinem neuen Leben ♥ Danke, dass Du uns teilhaben lässt!

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