Warum du in der Kurve nicht bremsen darfst… (wenn du die Formel 1 gewinnen willst)!

Warum du in der Kurve nicht bremsen darfst… (wenn du die Formel 1 gewinnen willst)!

Der Vater von Lewis Hamilton überlegte, wie er Zeit mit seinem Sohn sinnvoll nutzen kann. Die Ehe war gescheitert und er wollte weder Bezug noch die Bindung zu Lewis verlieren und das ist, aus eigener Erfahrung, eine Herausforderung.

Sein Vater und auch seine Stiefmutter steckten all ihr mühsam Erspartes in das rasante Hobby von Lewis. Ich glaube, sie nahmen sogar eine Hypothek auf ihr Haus auf. Sie verzichteten einfach auf wirklich alles. Lewis Vater stand jeden Morgen vor der Arbeit auf, schraubte an den Karts und tat es nach der Arbeit, bis spät in die Nacht, weiter. Tag für Tag für Tag.

Wenn du erfolgreich sein möchtest, dann musst du irgendwas anders machen, als der Rest der Welt. Vor allem musst du mutiger sein, bereits sein ständig über das Limit zu arbeiten und einfach mal anders abzubiegen, auch wenn es komplett irrsinnig erscheint.

Irgendwann fragten Lewis und sein Vater sich, wie er schneller werden kann. Wie er die anderen überholen kann. Und wir alle wissen… im Rennsport geht es da meist nur um Sekunden, vielleicht sogar nur Millisekunden.

Also recherchierten sie… analysierten und fanden heraus, dass an einer bestimmten Stelle einfach nicht gebremst werden darf. Das klingt einfacher, als es ist und wir alle kennen den Bremshebel in uns, wenn die Angst nach oben kriecht. Wir rasen auf eine Kurve zu und… bremsen ab. Unsere Angst bremst ab. Wir werden langsamer oder bleiben sogar stehen.

Wie gut lässt sich bitte die Formel 1 auf unser eigenes Leben kopieren?


Wir bremsen also lieber ab, bevor wir es wagen weiterzugehen. Einfach mal zu machen. Einfach mal anzufangen.


Es dauerte Ewigkeiten. Lewis flog immer wieder aus diesen Kurven, fuhr sein Auto mehrfach zu Schrott, aber er probierte so lange, bis es klappte. Er hat – bisher – 5 mal den WM Titel in der Formel 1 geholt.

Lewis Hamilton ist 34 Jahre alt. Seine ersten Schritte im Motorsport ging er mit 8. Der Weg zum Erfolg in der Formel 1 war also lang. Er erfordert Ausdauer und den Umgang mit persönlichen Tiefschlägen. Denn Erfolg funktioniert nie ohne Scheitern.

An dieser Stelle möchte ich Euch wirklich nochmal empfehlen, Euch die Folge von „My next guest“ mit David Letterman und Lewis Hamilton anzuschauen… mich hat das nachhaltig beeindruckt.

Und das ist das, was wir immer wieder vergessen. Der Erfolg, den man heute bei anderen sieht, ist nie über Nacht gekommen. Die wirklichen Größen unserer Zeit haben hart und unbeirrt daran gearbeitet und sich immer wieder gegen Kleingeister durchgesetzt. Gegen Menschen, die einen kleinreden, sich vielleicht sogar lustig machen oder mit subtilen Bemerkungen das Gleichgewicht des eigenen Selbstvertrauen ins Wanken bringen.

Erfolg ist auch etwas sehr beängstigendes, denn er wird immer von der Angst begleitet abzustürzen, nicht mehr erfolgreich zu sein.

Auf diesem Weg ist es ungeheuer schwer ihnen kein Gehör zu schenken, diesen Zurufen der Kritiker und Besserwisser, die immer wieder von links und rechts kommen und zu wissen meinen, wie man ist, denkt oder funktioniert. Ihr kennt ihn alle… diesen Satz:


„Das bist du nicht…“


Ich habe ihn gestrichen… aus meinem Wortschatz… diesen Satz.

Für mich gibt es fast kein schlimmeres Totschlagargument. Wenn mir das jemand sagt, denke ich immer „Woher weißt du das?“.

Wenn dir das jemand sagt, stutzt er Flügel, die dir vielleicht gerade wachsen. Er nimmt dir den Mut vielleicht doch lieber das rote, anstatt das blaue Kleid zu kaufen. Wenn Du hinterher feststellst, dass du dich doch nicht so wohl fühlst in diesem roten Kleid… dann ist das eine Entscheidung, die du für dich selber fällst. Du guckst in den Spiegel und stellst fest „Scheisse, das bin ich nicht…“, nur hat dir niemand anders seine subjektive Sichtweise aufgedrängt.

Als dieses Blogbusiness vor gut 3 Jahren so richtig anzog und Werbung markiert werden musste, gab es im Hintergrund richtige Schlachten von verschiedenen Gruppierungen. Geld zu verdienen… mit Werbung… war mindestens genauso schlimm, wie öffentlich zu erwähnen, dass man gern Nespresso trinkt oder hin und wieder seinen Coffee-to-go Becher vergisst.

Es gab ganze Ratgeber darüber, wieviel oder wie wenig Werbung man machen sollte. Wieviele Artikel sind sinnvoll. Wie lang darf ein Artikel sein. Worüber schreibt man und worüber nicht. Wie erreiche ich möglichst viele Leser mit reißerischen Überschriften. Also faktisch verdienten andere Geld damit der Welt zu erzählen, wie etwas zu funktionieren hat und wie es richtig ist… so lange man gegen die wetterte, die Werbung machten, gehörte man zu den „vermeintlich Guten“.

Ich zerbrach mir den Kopf darüber. Manchmal fühlte ich mich ganz schlecht. Vermutlich fühlen sich heute werdende Mütter so, die mit all diesen – ungefragten – Ratgebern zugeschüttet werden.

Einige Momente war ich sogar drauf und dran einfach aufzugeben… den Blog zu schließen, weil mir ständig das Gefühl vermittelt wurde „du machst zu viel… in jeder Hinsicht“. Eigentlich ist das völlig verrückt… in dem Moment, wo sich endlich so was, wie Erfolg einstellt… kommen sie aus allen Ecken gekrochen, die Menschen mit erhobenem Zeigefinger. Die, die genau wissen was dir gut tut und was nicht…


Und dann traf ich eine Entscheidung.


Ich saß Zuhause, machte Ablage, bezahlte Rechnungen und dabei wurde mir folgendes bewusst… für alles, was ich in meinem Leben stemme, trage ich die Verantwortung alleine, mit allen Konsequenzen. Ich bin alleinerziehend mit meinem 14-jährigen Sohn. Es hat fast 3 Jahre gedauert, bis endlich mal so was, wie Kindesunterhalt floss. Ich dachte nur „verdammt Andrea, niemand steckt in deiner Haut, niemand hält deine Ängste aus, niemand füllt deinen Kühlschrank auf oder zahlt deine Miete„. Natürlich gibt es Familie und Freunde… nur in allererster Linie kann ich mich auf nur einen Menschen verlassen und der bin ich selbst.

Nie werde ich den Tag vergessen, als ich mich zu meinem 10-jährigen Sohn aufs Bett setzte und ihm von meinen Plänen erzählte, nach Leipzig zu ziehen. Nie werde ich meine riesengroße Angst vergessen, welche Reaktion es bei ihm auslösen würde. Nie werde ich vergessen, dass er in Tränen ausbrach und erstmal nicht mehr mit mir sprach.

Er war 10 und entschied sich dieses Abenteuer mit mir gemeinsam zu gehen. Verließ die Schule mitten in der 5. Klasse, das Dorf in dem er aufgewachsen war… und seinen Vater… einen guten Vater.

Und genau das war mein Motor.


ICH WOLLTE DAS ES IHM GUT GEHT.


Niemand, wirklich niemand, steckt in meinen Schuhen… abgesehen von mir selbst. Ich werde also weiter erwähnen, dass ich alleinerziehend und Single bin… weil ich es bin… weil es mein Alltag ist… mit allen Freuden und Sorgen, die das so mit sich bringt.

Absolut keine Sekunde dieser abenteuerlichen Reise möchte ich missen. Nicht das Glück, nicht das Scheitern, nicht die Angst, nicht die Erfolgsmomente. Alles fühlt sich an, wie kleine Puzzleteilchen, die irgendwie zusammengehören und ohne einander, kein stimmiges Bild ergeben würden.

Und auf diese Reise muss man sich keineswegs alleine begeben, aber es dauert einen Moment die richtigen Reisebegleiter zu finden und sie ändern sich auch immer wieder, denn wir wissen… nichts ist so beständig, wie die Veränderung…

Im Übrigen war ich viele, viele Jahre selber kleingeistig unterwegs. War eher Pessimist, als Optimist… auch, wenn ich schon immer mutig war. Meine Welt hat sich wirklich erst verändert, als ich meine Komfortzone verlassen musste und hart auf dem Boden der Realität aufgeknallt bin. Mein Boden der Realität war… kein Mann, kein Geld, kein Job, alleinerziehend…

Vielleicht mag ich die Geschichte von Lewis Hamilton deswegen so sehr. Ich bin viele, viele Runden gefahren und hab gebremst, weil ich Angst hatte, weil andere es so besser fanden.

Und dann bin ich… trotz der roten Flaggen links und rechts… einfach mal weitergefahren.


Eure Andrea

15 Kommentare

  1. Jule C
    25. August 2019 / 10:40

    Ein toller Text! Danke!

    • Andrea
      Autor
      25. August 2019 / 18:51

      Ich danke Dir für Dein Feedback. LG Andrea

      • Petra
        25. August 2019 / 21:51

        Ganz toll geschrieben..und weils dazu passt..gleich ein neuer Businessvorschlag: mach doch ein Buch mit deinen Blogposts und schönen Aufnahmen von deinen Reisen oder etwas Kulinarisches dazu oder Fotos von deinen behaglichen 4 Wänden…❤ du legst in deine Arbeit soviel Herzblut, ich kann das in jedem Wort erkennen. Ich hab vor ein paar Tagen im FB mal wieder den Spruch gelesen..so ähnlich „wenn dich jemand runterziehen möchte, heißt das nur, dass du ober ihm stehst“ 😉

  2. 25. August 2019 / 11:03

    Manchmal zahlt sich Gas geben so richtig aus. Denn Du hast absolut Recht, wer sollte es besser wissen als Ich selber? Danke für diesen Text!

    • Andrea
      Autor
      25. August 2019 / 18:51

      Liebe Petra, danke für Dein Feedback. Ja, ich glaube wirklich daran, dass man sehr gut weiß, was gut für einen ist. Aber es gibt tatsächlich auch sehr inspirierende Menschen in meinem Leben, auf deren Rat ich sehr gern vertraue. Mir selbst zu vertrauen, bedeutet für mich nicht beratungsresistent zu sein… Viele liebe Grüße, Andrea

  3. 25. August 2019 / 11:10

    „Und das ist das, was wir immer wieder vergessen. Der Erfolg, den man heute bei anderen sieht, ist nie über Nacht gekommen. Die wirklichen Größen unserer Zeit haben hart und unbeirrt daran gearbeitet und sich immer wieder gegen Kleingeister durchgesetzt.“

    WORD!!!!!

    • Andrea
      Autor
      25. August 2019 / 18:49

      Liebe Susi, danke für Deinen Kommentar. Genauso ist es oder? LG Andrea

  4. Pe
    25. August 2019 / 12:50

    Liebe Andrea!
    Dein bester Text ever! Welch wunderbaren Dinge tun sich auf beim links und rechts abbiegen! Und übrigens : wer will schon immer eine Taube sein …. Flamingos sind soviel schöner !!! Moin nach Leipzig

  5. 25. August 2019 / 14:06

    Liebe Andrea,
    vielen lieben Dank für deinen Blog Beitrag, er hat mich sehr berührt. Alles was du geschrieben hast, ist so wahr. 🙏🏻🙏🏻😊

    • Andrea
      Autor
      25. August 2019 / 18:48

      Liebe Anne, danke für Dein wunderbares Feedback. LG Andrea

  6. 25. August 2019 / 15:28

    Ich habe dich, wie immer, sehr gerne gelesen und finde deinen Weg großartig!!!! Danke für diesen schönen Beitrag.

  7. Andrea
    25. August 2019 / 23:40

    Ich bewundere einfach deinen Weg, den du gegangen bist und deinen verdammten Mut! Rechts und links und dann ab auf die Überholspur – und je nach Verkehrslage kurz abbremsen und dann geht’s wieder weiter.
    Danke für den schönen Text!
    *andreA*

  8. Katja Ohse
    26. August 2019 / 0:00

    Super Text.
    Der beste überhaupt.
    Und kommt zum richtigen Zeitpunkt.
    Werde ihn mir ausdrucken.
    Hab vielen vielen Dank dafür!
    Von ganzem Herzen.
    Grossartig und inspiriernd.

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