Warum ist Zurückweisung so schmerzhaft und wie halte ich diesen Schmerz aus?

Warum ist Zurückweisung so schmerzhaft und wie halte ich diesen Schmerz aus?

Ich startete den Samstag, wie immer, mit einem Kaffee auf meinem Sofa. Bis zu meiner Verabredung zum Frühstück war noch eine Menge Zeit. Im Übrigen plane ich Verabredungen fast immer so, dass drumherum auch noch genug Zeit für mich selbst bleibt. Ich verbringe nämlich gern Zeit mit mir selbst. Im Grunde feiere ich das fast, wie ein kleines Rendezvous… mit mir selbst eben.

Der Kaffee schmeckte großartig und irgendwie ist meine Laune aktuell in Topform. Schon seit Wochen geht es mir – mental – richtig gut. Das ist für mich persönlich immer eine perfekte Ausgangsbasis um über den ein oder anderen Schatten springen zu können. Bin ich selber nicht ganz so gut in Form, dann fällt es mir meist auch schwerer über mich hinauszuwachsen. Im Grunde eine vollkommen normale Reaktion. Höchstleistungen sind faktisch nur möglich, wenn ich selbst in Topform bin.

Wir sind in unserem Leben immer wieder von Menschen umgeben, die Schatten werfen. Ich persönlich bin kein Freund von absoluter Endgültigkeit. Abstand ist für mich ein notwendiges und sehr effektives Heilmittel. Abstand und genug Zeit, hilft dabei sich selbst, Situationen und auch die Beziehung zu anderen Menschen zu reflektieren.

Eine der wichtigsten Fragen, in diesem Zusammenhang, lautet:

 

Warum löst genau das… diese Gefühle bei mir aus?

 

Das ist übrigens eine Frage, die sich die meisten von uns erst gar nicht stellen. Wir erfassen eine Situation, sind gekränkt und fällen ein Urteil.

Dabei ist die Frage nach den eigenen Gefühlen am hilfreichsten. Wie soll ich die Reaktion eines Mitmenschen verstehen, wenn ich nicht mal in der Lage bin mich selbst zu verstehen?!

Viele von uns bewerten diese Frage an sich selbst als ein Schuldeingeständnis, aber darum geht es überhaupt nicht. Es geht nicht um die Frage nach Schuld. Bin ich in der Lage zu verstehen, warum mich verschiedene Situationen oder Reaktionen immer wieder gleich emotional treffen, dann habe ich die Möglichkeit daran etwas zu verändern. Ich kann versuchen einen Umgang damit zu finden, der sich für mich besser anfühlt und mich nicht so sehr aus der Bahn wirft, wie es vielleicht sonst der Fall wäre.

Initialzündung meiner persönlichen Veränderung ist und bleibt die Trennung von meinem Mann vor 3 Jahren. Die damit verbundenen Gefühle waren für mich an der ein oder anderen Stelle emotionale Grenzerfahrungen. In relativ kurzer Zeit musste ich mich mit Zurückweisung und einem neuen Weg beschäftigen. Im Klartext bedeutet das Höchstleistung… ohne in Topform zu sein.

Zurückweisung löst erstmal Unsicherheit aus, vielleicht sogar ein bisschen Ärger oder Wut. Das sind völlig normale Reaktionen, die da in uns hervorgerufen werden. Wichtig sind die weiteren Schritte. 

Vor 3 Jahren sorgte diese Unsicherheit bei mir dafür, dass ich zu dem wurde, was mein Partner bemängelte. Anstatt wütend zu sein, wollte ich ihm gefallen, ihm zeigen das ich all das sein kann, was er sich wünscht… das er dafür keine andere Frau braucht. Vermutlich wollte ich mir selbst beweisen noch attraktiv für ihn zu sein. Im Endeffekt verstärkte das seine Ablehnung nur. Ich nahm das intuitiv auch wahr, wollte es in der Realität aber nicht wirklich zulassen. Vermutlich war das notwendig um die Zurückweisung in irgendeiner Form erträglicher zu machen für mich. Von deeeem Mann zurückgewiesen zu werden, den ich geheiratet hatte, den ich liebte, mit dem ich ein gemeinsames Kind hatte… war schlicht eine harte Schule. Aber es sind Dinge, die passieren. Es fühlt sich fast merkwürdig an, dass heute so sachlich sehen zu können… als hätte es dieses Gefühlschaos nie gegeben.

Zurückweisung begegnet uns im Grunde jeden Tag. Das fängt schon an der Supermarktkasse an und hört bei der Diskussion ums Abendbrot auf. Egal, wie trivial die Gründe sind, es sind jedes Mal kleine Stiche ins Herz. Manchmal nur ganz, ganz minimal und manchmal eben auch mit ganz großem Orchester.

Zurückweisung ist auch eine Form des Scheiterns. Wir lächeln jemanden an und er lächelt nicht zurück…und bumm…fühlen wir uns irgendwie doof. Zurückweisung fühlt sich ziemlich kacke an und zwar in jeder erdenklichen Form. Ich bin schon halbwegs beleidigt, wenn mein Hund Hugo in der Nacht das Bett verlässt um auf dem Teppich zu schlafen…

Zurückweisung macht auch Angst. Denn das, was dadurch aus dem tiefsten Inneren hervorgerufen werden kann, fühlt sich oftmals schrecklich an und davon wünscht man sich nun mal keine Wiederholung. 

Zu allererst muss klar sein… negative Gefühle im Zusammenhang mit Zurückweisung sind vollkommen normal. Niemand spricht davon, diese Gefühle zu unterdrücken. Man darf und soll fühlen. Gerade das macht uns doch zu Menschen. Wichtig ist der weitere Umgang damit und nach Möglichkeit impulsives Handeln zu vermeiden (ich bin übrigens die Königin der Impulsivität).

Kommen wir also zurück zum Anfang. Zu meinem Kaffee auf dem Sofa und die Schatten, die mich begleiten. Ich kontaktierte einen dieser Schatten und bat bei etwas um Hilfe. Eigentlich hatte ich keinen wirklichen Bedarf an Hilfe. Es war eher meine Art der Kontaktaufnahme. Von mir aus auch eine Art Vorwand um die Basis für eine Kommunikation herzustellen. 

Ich scheiterte…
Ich wurde zurückgewiesen…

All das passierte, während ich in der Straßenbahn saß Richtung Innenstadt. Ich konnte mich kurzzeitig nicht richtig konzentrieren und überlegte, wie ich aus dem kleinen, emotionalen Tief wieder herauskomme und warum es mich überhaupt so angreift. In den Höfen am Brühl setzte ich mich auf eine Bank, atmete kurz tief ein und schrieb diesem „Schatten“.  Ich schrieb, obwohl ich wusste, dass ich eigentlich ins Leere schreibe. Es würde keine Reaktion kommen und wenn eine kommt, dann sicher keine, die mir mein komisches Gefühl wegzaubert. Trotzdem schrieb ich weiter. Und ich wurde mit jedem Wort innerlich ruhiger und besonnener. Eigentlich schrieb ich die Nachricht an mich selbst. Ich schickte sie ab und das komische Gefühl war weg.

Es war keine dieser Nachrichten, die man schreibt, wenn man gerade sehr verärgert ist. Das versuche ich zu vermeiden und das gelingt mir mittlerweile ziemlich gut (das war mal anders). Im Grunde war es ein Zwiegespräch zwischen meinen Gefühlen und mir selbst und ich stellte fest das es keinen einzigen Grund für Ärger gab. Verwunderung ja, Ärger nein.

Ich war überrascht über mich selbst. Und ich stellte fest das sich etwas verändert hat im Laufe der vergangenen Monate. Das ich an den Zurückweisungen und dem Scheitern der vergangenen 3 Jahre tatsächlich gewachsen bin. Ich habe mich nicht angestrengt oder Ratgeber gelesen. Ich habe auch kein Coaching gebucht, auch wenn das absolut nicht verwerflich ist. Und trotzdem gab es eine Entwicklung. Ich bezog die Zurückweisung einfach nicht auf mich. Sie hatte auch tatsächlich nichts mit mir zu tun. Wenn ich in der Lage bin zu reflektieren, dann bin ich auch in der Lage über meinen Schatten zu springen. Ich bin in der Lage mich einer Herausforderung zu stellen, einer Konfrontation zu stellen. Zurückweisung ist eben auch manchmal feige. Sie bewahrt vor einer direkten Konfrontation. Vielleicht bewahrt sie auch vor der Realität und der stellt sich nun mal niemand gern.

Dieser Moment auf der Bank war irgendwie wichtig.

Ich stand auf.

Ging ins Frühstückscafè.

In exakt dieser Zeit erreichten mich 5 verschiedene Nachrichten.

Zukunftspläne. Termine. Netzwerk. Freundschaft.

Ich bestellte einen Kaffee, lehnte mich zurück…

Das Leben ist ein Fluss und manchmal ist es notwendig sich einfach treiben zu lassen, abzuwarten, sich in Geduld zu üben und es ist immer notwendig der eigenen Intuition zu vertrauen.

Ich lächelte…

 

2 Kommentare

  1. 8. Januar 2019 / 11:17

    Ich kenne dieses Gefühl, und manchmal gab es wirklich dann Situationen wo ich komplett falsch gehandelt habe, gegen meine Prinzipien und gehandelt habe obwohl ich mich dagegen gesträubt habe. Dann war ich wütend, irgendwie auf mich selber weil mir es in der Situation nicht weiterhalf. Eine tolle Beschreibung mit der Bank, da direkt das Bild der inneren Ruhe, sich die Zeit zu nehmen um tief einzuatmen und auszuatmen und weitere Schritte zu planen. Sollte ich auch mal öfters machen um aus Gefühlssümpfen auszusteigen. Danke für deine Gedanken. Sie zeigen mir, das wir alle nur Menschen sind.

    Gruß,
    Petra

  2. Kathrin
    9. Januar 2019 / 8:15

    Liebe Andrea,
    eine Freundin sendete mir im Sommer 2017 den Artikel (Warum ich bleiben wollte und trotzdem gegangen bin – 20.08.2017).
    Seitdem lese ich täglich deinen Blog und folge dir auf instagram.
    Habe diverse Dekoelemente aus dem Dekosamstag gekauft 🙂 Reise mit dir um die Welt, bin immer ganz beseelt von deinen emotionalen Beiträgen und das ein oder andere Rezept wurde nachgekocht.

    Der Artikel über die Zukückweisung hat mich auch wieder sehr berührt, da ich diese Zurückweisungen in den letzten 3 Jahren auch immer mal wieder erlebt habe. Gerade erst zum Jahreswechsel.

    Jetzt ist es mir ein unglaublich großes Bedürfnis mich bei dir zu bedanken, für all das, seit August 2017.

    Das unglaubliche ist, dass ich auch auf die Blogs von Anja, Denise, Bettina, Uta und Sabine aufmerksam geworden bin. Und noch viel unglaublicher ist, dass ich im Februar beim SYLTGLÜCK dabei sein werde.
    Ich war nur ganz enttäuscht, dass du nicht dabei sein wirst. Deshalb auch heute eine Nachricht von mir, sonst hätte ich dir von all dem persönlich auf Sylt erzählt.

    Freue mich jetzt schon wieder auf deine nächsten Artikel.

    Ganz ganz herzliche Grüße von Kathrin

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