HAPPIER…..

HAPPIER…..

 

2,5 Jahre ist es her. Wahnsinn. 2,5 Jahre und ich kroch am Boden rum. Rotz lief aus der Nase. Ich gab Laute von mir, wie ein verletztes Tier. Ich lag oft stundenlang auf dem Sofa und habe Löcher in die Luft gestarrt, darauf gewartet das sich irgendeine Lösung auftut….

Nichts passierte.

Eine Weile hockte ich also auf diesem Sofa und hoffte einfach nur. Ich weiß gar nicht so richtig, was ich eigentlich hoffte….vermutlich “das mein Mann wieder zur Besinnung kommt” oder so was in der Art.

 

Aber Hoffnung brachte mich kein Stück weiter. 

 

Aktuell gucke ich auf Netflix Good Wife. Ich bin bei Staffel 5. Ich liebe diese Serie, weil sie so unheimlich viele Parallelen aufweist. Vor 2,5 Jahren war ich auch Alicia Florick. Eine unsichere Frau, ein Mann, der sie betrog, kein Job, kaum Geld, keine Wohnung….! 2,5 Jahre später bin ich immer noch Alicia Florick. Ich bin gewachsen…genau wie der Charakter dieser Serie. Ich habe übrigens erst vor ein paar Monaten mit Good Wife angefangen. Die Parallelen sind also reiner Zufall.

In der heutigen Kolumne beantworte ich konkrete Fragen meiner Leser. Mich erreichen, vor allem in den letzten Wochen, immer wieder Nachrichten zu meiner aktuellen Lebenssituation. Auch das ist etwas, was ich vor 2,5 Jahren nie für möglich gehalten hätte….ich darf Mut machen. Ihr lest, was ich Euch erzähle. Ihr fühlt Euch angesprochen. Denn…Tiefschläge haben wir alle schon erlebt…aber was kann man tun um gestärkt daraus hervorzugehen? Wie wird man wieder glücklich? Wie fühlt sich ein Tiefschlag WIRKLICH! an…so ganz ohne wenn und aber.

Ich bin ein Faktenmensch. Mit esoterischem Gequatsche und Übersinnlichkeit kommt man bei mir nicht weit. Ich schließe das nicht gänzlich aus, ich fühle mich damit aber überhaupt nicht wohl. Ich bin auch kein großer Freund dieses ganzen Hypes um Selbstliebe & Co.! Ich verstehe den Bedarf der Menschen danach, es ist eben nur nicht meine Spielwiese.

Ich hatte in den vergangenen Jahren keinen Coach oder einen Therapeuten an meiner Seite. Ich hatte meine Familie, Freunde, Musik, Bücher und Netflix. Das sind exakt die 5 Fakten, die mein Leben wieder in Ordnung gebracht haben! An vorderster Front….ich selbst!

Ihr habt mir konkrete Fragen gestellt. Einerseits zu mir und meinem Umgang mit bestimmten Situationen oder auch zu Euch selbst, weil Ihr vielleicht gerade in ähnlichen Situationen seid. Ich freue mich sehr Euch darauf antworten zu dürfen. 

 

Wie ist der Kontakt heute zwischen euch? Seht ihr euch noch? Ist er glücklich ohne euch und was denkst du, wenn du ihn siehst?

 

Auch nach 2,5 Jahren hat sich unser Kontakt noch nicht wirklich normalisiert oder auf ein bestimmtes Level eingepegelt. Was einfach daran liegt, dass er immer wieder vor unserer Tür stand. Es ist so ein alter Klischee-Klassiker. Offensichtlich war er nicht in der Lage sich zwischen 2 Frauen zu entscheiden, also musste ich das immer wieder tun. Damit sind auch über diesen Zeitraum viele, weitere Verletzungen und Vertrauensbrüche erfolgt. Es ist sehr anstrengend jemanden immer wieder wegzuschieben und Grenzen aufzeigen zu müssen um selbst emotional nicht unterzugehen. Ich war an vielen Stellen viel zu gutgläubig, auch wenn das gar nicht wirklich zu meinen Charaktereigenschaften zählt. Im Fall meines Mannes war das aber so und das macht den Kontakt zwischen uns immer zu einem Minenfeld. Abgesehen davon….es gibt kaum Kontakt.

Ob er glücklich ist ohne uns? Das vermag ich nicht zu beurteilen. Ich möchte mir darüber auch keinen Kopf machen. Anfangs habe ich mir Genugtuung gewünscht, aber man ist erst geheilt, wenn das keine Rolle mehr spielt und das tut es nicht mehr. Drastisch formuliert…es ist mir egal.

Anfangs habe ich mich in seiner Gegenwart unsicher gefühlt. Ich bin ihm immer, wie aus dem Ei gepellt, begegnet. Das war zu diesem Zeitpunkt auch wichtig und richtig. Heute ist mir völlig egal, wie ich ihm begegne…ich will ihm nicht gefallen bzw. es ist nicht mehr wichtig für mich. Ich bin auch in Jogginghosen und ungeschminkt selbstsicher. Faktisch denke ich also gar nichts, wenn ich ihn sehe….am liebsten will ich ihn auch gar nicht sehen…auch das entspricht der Realität. Die einzig existierende Verbindung ist unser Sohn. Ohne ihn wäre der Kontakt lange abgebrochen.

 

Dein schmerzhaftester Moment?

 

Der 1. Advent 2016. Ich werde diese Zeit nie vergessen. Er zog zu dieser Frau mit Kind. Das kam für uns völlig überraschend. Er rief mich täglich an um zu fragen was er tun soll. Für mich war aber klar, dass ich keinen Mann will, der sich überhaupt diese Frage stellt. Dazu muss man wissen, dass er uns vorher um einen Neuanfang gebeten hatte und nach Leipzig ziehen wollte.

Ich bin sehr reserviert mit dieser Situation umgegangen. Es hat mich tief verletzt, aber ich konnte zu diesem Zeitpunkt gar nichts fühlen, weil es völlig verrückt war….es entzog sich einfach meiner Vorstellungskraft. Als ich dann aber am 1. Advent da saß und auf unseren Sohn blickte mit dem Wissen, dass sein Vater den 1. Advent gerade mit seiner neuen Familie feiert….habe ich angefangen zu weinen und konnte eine Woche nicht mehr aufhören. Es gab viele schmerzhafte Momente, aber das war mit Abstand der schlimmste für mich. Wir haben Weihnachten 2016 dann – für unseren Sohn – zusammen verbracht….auch das habe ich irgendwie überstanden. Als er dann am 25.12. zurückfuhr, saß der Schmerz tiefer als tief.

 

Die schwierigste Entscheidung?

 

Unseren Sohn zu ihm und seiner neuen Freundin fahren zu lassen. Ich war dankbar darüber das Luca selbst lange gebraucht hat um sich dazu durchzuringen. Ich weiß gar nicht, wie ich das erste Mal überlebt habe. Ich glaube, ich habe sämtliche Emotionen ausgeschaltet. Ich weiß noch, wie Luca zurückkam….es war ganz merkwürdig. Wir saßen im Wohnzimmer…er auf dem Sessel, ich auf dem Sofa…wir haben beide geweint.  Es war das letzte Mal, dass ich Luca habe weinen sehen.

Heute weigert er sich hinzufahren. Er darf…jederzeit, aber er will nicht. Das hat aber auch damit zu tun, dass er lange Schule hat und das Interesse alle 2 Wochen quer durch Deutschland zu reisen, hält sich stark in Grenzen bzw. ist null vorhanden. Er ist ein Teenager…die Interessen verlagern sich. 

 

Lässt du dich scheiden oder würdest du deinen Mädchennamen wieder annehmen?

 

Tja. Die Scheidung war eingereicht und dann kam er zurück. Da in diesem Zusammenhang auch irgendwelche Fristen eine Rolle spielen, nahm ich den Scheidungsantrag wieder zurück, was ich heute sehr bereue. Aktuell habe ich sie nicht wieder eingereicht, weil schon beim letzten Mal die kompletten Kosten an mir hängengeblieben sind…wir hatten uns eigentlich für eine einvernehmliche Lösung entschieden. 

Meinen Mädchennamen hätte ich sehr gern wieder angenommen. Ich fühle mich meinem Nachnamen in keinster Weise mehr verbunden. Irgendwann saß Luca vor mir und fragte mich, ob ich meinen Namen wirklich ändern will…und ich bejahte das. Er bat mich das nicht zu tun….”ich möchte nicht anders heißen als Du Mama”…das waren seine Worte und in diesem Moment ist mein Ego in sich zusammengefallen. Der Wunsch meines Sohnes hat mich damals tief berührt (tut es immer noch).

 

Hat dein Mann dir gesagt warum er eine Affäre angefangen hat? Glaubst du, du hättest das verhindern können?

 

Nein! Das hätte ich nicht verhindern können. Natürlich gab er mir die alleinige Schuld an seiner Affäre. Und ich habe die Schuld – zuerst – auch bei mir gesucht. Aber wer stellt sich denn auch hin und sagt….ja scheiße, hab mich dämlich verhalten und es war ein Fehler. Er konnte sein Verhalten nur mit mir erklären. Im Übrigen ist das bis heute so. 

Ich glaube, er ist mir schon viel öfter fremdgegangen. Die Anzeichen waren immer wieder da. Aber ich war noch nie ein Kontrollfreak und wo hätte ich suchen sollen? Er hat es ja geschafft fast 2 Jahre ein Doppelleben geheim zuhalten und ich bin immerhin im Internet zu finden….sie hätte mich ja schon deutlich früher kontaktieren können.

Für mich stellt sich das sehr viel einfacher dar….er war feiern und hat eine Gelegenheit ergriffen, die sich ihm bot. Er war noch nie der Typ Mann, der einer netten Frau wirklich widerstehen konnte. Hier hatte es nur weitreichende Konsequenzen….die selbst er nicht absehen konnte und vermutlich auch nie wollte.

 

Glaubst du das er das bereut?

 

Ich weiß es….

Ich glaube, das wäre ewig so weitergegangen. Sie hätten einfach eine lange Affäre gehabt. Er hatte nur eine Variable falsch berechnet….mich! Das ich gehen würde, kam in seinem Horizont nicht vor. Aber ich bin gegangen und zu diesem Zeitpunkt wusste ich ja nicht mal was von seinem Doppelleben. In meinem Horizont gab es ein kurzes Techtelmechtel mit irgendeiner Frau…Gegangen bin ich aber, weil ich gemerkt habe, dass er mir was vorspielte (bezogen auf seine Gefühle). Für mich war klar, dass er seine Komfortzone nicht verlassen will. Er wäre mit mir zusammen geblieben…aus Gewohnheit, aber nicht aus Liebe. Das war deutlich zu spüren und war fast noch verletzender, als die Affäre selbst.

Ich hätte übrigens selber nicht für möglich gehalten, dass ich mal gehen würde….aber dann ergab irgendwie eins das andere und ich ging unaufhaltsam weiter auf der Suche nach meinem Glück…so könnte man es beschreiben.

 

Was hättest du gemacht, wenn dein Sohn beim Vater hätte bleiben wollen?

 

Da kann ich nur sagen…Gott sei Dank war das nicht so. Ich hatte große Angst davor. Luca liebt seinen Vater. Er ist ein guter Vater, wenn auch mit Einschränkungen auf die vergangenen 2,5 Jahre bezogen, aber auch das ist insgesamt der Situation geschuldet.

Ich weiß es nicht wirklich, aber ohne Luca wäre ich vermutlich nirgends hingegangen. Aber diese Frage gab es für den kleinen Mann offensichtlich nicht. Er ist ja sogar ohne Drama mit mir nach Leipzig gegangen. Ihr müsstet sehen, wie wohl er sich fühlt….er ist total gern Zuhause und das macht mich sehr, sehr froh. 

 

Kennst Du die Frau?

 

Nein. Ich habe das bewusst ferngehalten von mir. In der Regel treffe ich sehr klare Entscheidungen und ich wusste, dass mir das nicht gut tun würde, also habe ich das ruhen lassen. So bin ich einfach. Hätte sie mich im letzten Jahr nicht angerufen, wüsste ich bis heute nichts davon. Ich finde sie scheiße…letztendlich ist sie aber auch nur ein Opfer seines Handelns. Nicht mal ich als Ehefrau habe das gerafft, wie hätte sie das dann tun können….und schon gar nicht, wenn man verliebt ist…dann ist man einfach betriebsblind.

 

Wie hast Du Dir ein neues Sozialleben aufgebaut?

 

Nutzt das Internet! Ich hatte großes Glück. Dadurch, dass ich offen damit umgegangen bin, öffneten sich automatisch Türen. Es gab Menschen, die fanden das richtig scheiße von mir, aber es gab auch Menschen, die Kontakt aufnahmen und daraus sind Freundschaften und Bekanntschaften entstanden.

Ich habe auch viele Menschen wiedergefunden dadurch. Freundschaften, die sich irgendwie verloren hatten, haben sich wieder vertieft. Das ist einfach richtig toll.

Hätte ich den Blog nicht gehabt, hätte ich angefangen Kurse zu buchen. Ich hätte mir eine Beschäftigung gesucht, bei der ich Menschen kennenlerne. Etwas, was mich ablenkt. Ich musste nicht bewusst danach suchen, weil die Menschen mich gefunden haben….aber wäre das nicht so gewesen, dann wäre ich vermutlich heute in 3 Fitness-Studios angemeldet, würde studieren oder Bootsfahrten auf der Elster anbieten. Anfangs wollte ich mal einen Salsakurs besuchen…irgendwie ist es nie dazu gekommen (warum eigentlich nicht?).

Wenn Ihr Euch einsam fühlt, dann liegt es an Euch selbst. Ich habe nie gewartet bis sich jemand meiner erbarmte…ich habe mein Leben aktiv gestaltet und das ist etwas, was hervorragend funktioniert. Man muss nur den Hintern hochbekommen und raus aus der Komfortzone. Die Angebote gegen Einsamkeit sind super vielfältig und man fühlt sich keineswegs, wie das 5. Rad am Wagen. Und wenn es doch mal so sein sollte…einfach die Situation verlassen.

 

Hat sich dein Freundeskreis verändert?

 

Ja komplett. Das habe ich nicht angestrebt, aber ich bin auch nicht traurig darüber. Das war eine Entwicklung…eine dynamische und vielleicht auch notwendige Veränderung. Das passiert einfach und ich halte das auch für völlig normal. Manchmal sind Freundschaften auch einfach nur Bedarfsgemeinschaften für einen bestimmten Zeitraum.

 

Dir ging es ja finanziell gut und du warst abgesichert! Aber, was machen Frauen, die finanziell in Not geraten, wenn sie sich trennen?

 

Das ist so nicht richtig. Viele sehen nur das, was jetzt ist, aber zum Zeitpunkt der Trennung hatte ich keinen Job, wir hatten finanzielle Probleme…diese Ausgangsbasis hat mich in Panik versetzt. 2015 hat der Blog kaum Geld abgeworfen. Ich hätte keinesfalls nur davon leben können.

 

ABER! Das wäre kein Grund für mich gewesen zu bleiben.

 

Natürlich hatte ich diese Gedanken und ich habe das sogar versucht. Ich habe mir immer wieder eingeredet “ach das wird schon wieder” oder “das ertrage ich schon”. Aber es war nicht auszuhalten für mich. Diese Stimmung in diesem Haus…der Blick meines Mannes, der mich ständig angewidert anstarrte…das war unerträglich. Ich wollte mir das selbst nicht mehr zumuten. Ich war nicht mehr ich selbst…wie hätte ich also eine gute Mutter sein können? Ich wusste, dass ich etwas ändern muss…alles war besser, als zu bleiben.

Als ich die Zusage für die Wohnung in Leipzig hatte, veränderte sich auch alles drumherum. Das war ein Befreiungsschlag. Die Wohnung, der Abstand…war der erste richtige und vor allem wichtigste Schritt. Ich habe auch gehofft, dass uns dieser Abstand eine Chance auf einen Neuanfang bietet, aber ich habe meine Entscheidungen nicht davon abhängig gemacht. Ich habe mein Leben nicht danach ausgerichtet, sondern erstmal geguckt, dass es Luca und mir gut geht.

Selbstverständlich hatte ich Existenzängste. Große sogar…bis heute. Ich bin alleine, muss immer wieder um Kindesunterhalt kämpfen. Nichts läuft einfach mal so und trotzdem würde ich es nicht anders wollen.

Meine Schwester hat übrigens einen deutlich härteren Weg gewählt. Lange vor mir. Einen Weg, den ich sehr bewundert habe. Sie hat sich mit Ämtern und Behörden rumschlagen müssen und lebt sehr sparsam. Aber sie macht ihren Weg und würde es heute auch nicht mehr anders wollen. Ich bin mega stolz auf sie.

Natürlich ist es gerade schön…auch für meinen Sohn. Uns geht es gut. Aber Kinder wollen zu allererst Liebe, Vertrauen, Aufmerksamkeit….eine Mama, die glücklich ist. Ich hatte riesige Angst Luca die Wohnung in Leipzig zu zeigen. Es war so anders, als unser kleines Dorf. Es sah schrecklich aus von außen und er war auch erst mal sichtlich geschockt.  Ich werde nie diesen Moment vergessen, als ich die Tür zu der Wohnung aufschloss und er total glücklich war. Wir sagten die Nacht im Hotel ab, schliefen auf einer Matratze und aßen Sushi auf dem Küchenboden. Mir laufen immer noch die Tränen, wenn ich daran zurückdenke.

 

Geld ist kein Grund um in einer unglücklichen Beziehung zu verweilen. Es ist eine Ausrede!

 

Würdest Du irgendwas anders machen, wenn Du auf die vergangenen 3 Jahre zurückblickst?

 

Nein! Definitiv nein!

Ich würde alles, wirklich alles, nochmal so machen. Auch jeden einzelnen Fehler. Denn all das, hat mich hier hin geführt. Ich würde nichts davon auslassen. Vieles war emotional gesteuert, aber das war eben einfach so. Ich war ganz oft an meinen Grenzen oder sogar darüber hinaus. Aber es war die lehrreichste Zeit meines Lebens. Ich habe sehr viel über mich selbst gelernt. Die Trennung hat mich als Mensch besser werden lassen. Ich habe meinen Mann verloren und das sagt auch etwas über mich aus. Es war also an der Zeit auch an mir selbst zu arbeiten.

 

Hast Du einen neuen Partner?

 

Nein! Ich suche auch nicht danach. Ich war 18 Jahre in einer Partnerschaft, die letzten 3 Jahre waren nervenaufreibend….ich hatte keinen Kopf dafür. Ich war verheiratet, habe ein Kind…ich hatte das alles schon. Es gibt keinen Druck für mich. Ich genieße diesen Freiraum ohne Verpflichtungen in aller Gänze.

Ich habe vor kurzem ein Interview mit Matt Czuchry aus Good Wife gelesen und besser könnte ich es nicht formulieren:

 

“Ich genieße es, zu daten. Ich bin aber Single, ich bin nicht in einer Beziehung. Wenn ich mit jemandem zusammen bin, dann nur, wenn wir uns gegenseitig zu besseren Menschen machen. Für etwas Geringeres würde ich nicht meine Zeit opfern.”

 

Genauso ist es. Und alles kommt zur richtigen Zeit…auch das sind Erfahrungswerte aus den vergangenen 3 Jahren. Ich will nicht mehr heiraten oder eine Familie gründen…ich will ich sein. Das ist ein sehr befreiendes Gefühl, wenn man das eigene Glück nicht von einem Partner oder überhaupt einer Partnerschaft abhängig macht. Es ist übrigens für beide ein Gewinn in jeder Hinsicht.

 

Was hat dir WIRKLICH! geholfen?

 

Das ich jammern durfte. Das ich reden durfte.

Die größte Stütze ist und war meine Schwester.

Es gibt viele Menschen, die einem in Notsituationen die Hand reichen, aber die haben irgendwann keinen Bock mehr. Das ist mehr als verständlich. Noch schwieriger wird es, wenn die Lebenssituationen komplett unterschiedlich sind. Man kann sich erst wirklich hineinversetzen, wenn man es selbst erlebt hat. Das ist einfach so. Es tut gut sich zwischendurch mit Betroffenen austauschen zu können.

Meine Schwester war einfach da. Sie war mein Therapeut. Sie hat zugehört und ich hatte nie das Gefühl ihr auf den Keks zu gehen. Diese Gespräche haben viele, viele Knoten gelöst…sie haben Tränen in Lachen verwandelt. Sie hat mir nie eine Richtung gewiesen…allein die Gespräche haben mich wieder auf den Weg zurückgeführt, wenn ich ihn zwischendurch mal verlassen hatte. Sie hat einfach verstanden, wie ich mich gefühlt habe. 

Und ich hatte den unbedingten Willen glücklich sein zu wollen. Für Glück gibt es ja unzählige Definitionen….ich war auf der Suche nach diesem Gefühl, was ich lange Zeit vorher verloren hatte. Letztendlich war es eine Mischung aus allem. Leipzig macht mich glücklich, meine Wohnung, das es Luca gut geht, der Kaffee morgens auf dem Balkon. Ich empfinde bei wirklich allem ein riesiges Glücksgefühl. Eine tiefe Zufriedenheit durchströmt mich jeden Tag. Das lässt sich in Worten fast nicht erklären.

Gestern war ich alleine, hab mir eine Packung Tortellini gekauft, ne Fertigsauce, Reibekäse. Ich hab mir den Teller voll gepackt, mich aufs Sofa geschmissen und Netflix geguckt. Das ist Luxus. Für mich. Das macht mich so richtig happy. Ich fühle mich so befreit, wie schon lange nicht mehr. 

 

Wann warst Du wirklich drüber weg?

 

Ich bin lange Zeit mit den Gedanken an meinen Mann ins Bett gegangen und auch mit diesen Gedanken an ihn wieder aufgewacht. Die Situation war dauerpräsent und begleitete mich durch den ganzen Tag.

Im Sommer vergangenen Jahres fing es an sich zu verändern. Da waren wir ungefähr ein Jahr in Leipzig. Ich wachte auf und stellte erst viel später fest, dass ich gar nicht an ihn gedacht hatte. Ich glaube, ich habe gelächelt in diesem Moment. Es fühlte sich großartig an und entwickelte sich immer mehr.

Er bat mich wieder um einen Neuanfang. Ich habe wieder darüber nachgedacht. Mich selbst auf die Probe gestellt. Es ist vorbei. Ich will nicht mehr. In mir hat einfach alles gestreikt.

Mich zu lösen hat gut 2 Jahre gedauert. Ich habe zwischendurch immer wieder gedacht, es wäre soweit, aber da belog ich mich selbst. Ich vermute aus Selbstschutz.

 

Ein paar abschließende Worte!

 

Rückblickend kommt mir alles gar nicht mehr so schlimm vor. So ist es ja immer. Die Erinnerungen an den Schmerz verblassen. In den Momenten selbst war es immer ein Drama und das gehört wohl einfach dazu.

Viele von Euch haben mir ihre persönlichsten Geschichten und Gedanken erzählt. An welchen Wendepunkten Ihr gerade steht und welche Fragen das aufwirft…Danke für Euer Vertrauen.

Jede Entscheidung müsst Ihr selbst treffen. Das nimmt einem niemand ab. Einen Großteil des Weges geht man allein, aber man kann um Hilfe bitten um sich nicht in Einsamkeit, Wut, Hass und Trauer zu verlieren.

All diese Emotionen haben mich begleitet, aber ich habe bewusst dagegen angekämpft sie Teil meines Lebens werden zu lassen, Teil meines Ichs. Das ist mir gelungen.

Alles braucht seine Zeit. Nach einer Trennung durchlebt man eine emotionale Achterbahnfahrt, die mit vielen Ängsten verbunden ist. 

Manchmal kommen mir die letzten 3 Jahre unwirklich vor. Fakt ist, man übersteht das und es ist alles zu schaffen. Alles ist besser, als in Situationen zu verharren, die unglücklich machen. Das sind Energiefresser und es raubt einem wertvolle Zeit. Und nur Du kannst entscheiden, wo Du mit Deinem Leben hin willst und nur Du kannst entscheiden, wie glücklich Du sein willst.

 

Cause baby you look happier, you do….(Ed Sheeran)

 

Die Trennung von meinem Mann war auch ein persönliches Scheitern und hat mein Ego angegriffen. Alleinerziehend zu sein kam in meinem Lebensplan einfach nicht vor. Ich musste mich immer wieder zur Ordnung rufen, immer wieder aufstehen, weitermachen….das war so anstrengend zwischendurch.

Man steht als Frau immer zwischen den Stühlen, wenn es um die Väter und Kinder geht. Einerseits ist da so viel Wut und andererseits, weiß man aber, dass man den Weg frei machen muss…der Kinder wegen. Man wächst in dieser Zeit über sich selbst hinaus, wenn man dazu in der Lage ist. Hat man das geschafft, ist alles, was danach kommt nur noch eine kleine Lächerlichkeit. 

Die Komfortzone zu verlassen, erscheint erstmal als der weitaus schwierigere Weg…aber der führt immerhin an ein Ziel…man fängt an zu laufen, man tut etwas. Nur darauf zu hoffen, dass sich etwas verändert wird niemals die Lösung sein. Es ist eine Ausrede…es sind immer nur Ausreden. Ich kann nicht hoffen, dass die Müllberge sich verringern, wenn ich weiter Plastiktüten kaufe. Hoffnung und Handeln funktionieren Hand in Hand.

Ich weiß, dass es nicht einfach ist. Alleinerziehend, Singlefrau, Ü40….fühlt sich erstmal an, wie Abstellgleis. Aber das ist einfach nicht wahr. Es ist verdammt mutig die Komfortzone zu verlassen und es ist der Beginn von etwas ganz wunderbarem, wenn man es zulässt, wenn man die Verbitterung vor der Tür stehen lassen kann. Und es ist auch sehr ehrlich, sich selbst gegenüber, den Kindern gegenüber. 

Ich hätte nie gedacht, dass mir das jemals über die Lippen kommen würde, aber ja…heute bin ich dankbar. Dankbar, dass wir es geschafft haben uns zu trennen. Nicht, weil ich meinen Mann hasse, sondern weil es mir einen Weg geebnet hat, den ich vorher nicht sehen konnte. Weil ich jetzt endlich weiß, wer ich bin und was ich will und was ich nicht will. Ich hatte mich in dieser Ehe verloren und würde es wieder tun und deswegen kann es auch kein Zurück mehr geben.

Wir hatten viele, gute Jahre miteinander. Luca ist das beste, was wir zustande gebracht haben. Ich kann und will nicht mit Groll darauf zurückblicken. Als wir am 14.09.2002 vor dem Altar standen, waren wir fest davon überzeugt, dass wir unser Leben ewig miteinander teilen würden, aber wir haben uns irgendwo verloren und nicht mehr wiedergefunden. Geschichten, die das Leben schreibt.

Nichts ändert sich, bis man sich selbst ändert und dann ändert sich alles….(Danke an thenewyou.de für Euer Motivationsbuch).

Ich wünsche Euch einen fabelhaften Sonntag.

 

Eure Andrea

 

3 Kommentare

  1. Jasmin
    29. Juli 2018 / 8:12

    Guten Morgen Andrea,

    Ich folge dir noch nicht so lange aber danke für deine ehrlichen Antworten ich finde mich da komplett wieder und es baut mich auf das es alles besser wird. Danke
    Lieber Gruß

  2. Vera
    29. Juli 2018 / 8:35

    Hallo Andrea,
    Du meisterst das Ganze wunderbar! 💐Sei stolz auf Dich, dankbar für den Weg und glücklich für jeden Moment 🍀🍀🍀🍀
    Ich freue mich über Deinen tollen Blog und darüber, wie es Dir gelungen ist Du zu werden und zu sein!
    Ich wünsche Dir weiterhin tiefe Zufriedenheit, innere Ruhe und viiiiel Spaß in Deinem Leben!
    Herzlichst Vera

  3. Schlömer
    29. Juli 2018 / 9:18

    Guten Morgen Andrea,
    vielen Dank für den tollen, ehrlichenBeitrag.
    Gab einen wunderschönen Sonntag, mit deinem Sohn

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