Würde ich zurückgehen?

Würde ich zurückgehen?

 

In dieser Woche habe ich in einer echten Schaffenskrise gesteckt. In solchen Situationen quält mich – zumindest anfangs –  immer mein schlechtes Gewissen, weil es doch irgendwie nicht sein kann, dass ich so durchhänge und dann ist mir eingefallen, dass ich seit Januar unaufhörlich Gas gebe. Dass ich immer und überall arbeite. Am Wochenende, im Urlaub….einfach immer. Alleinerziehend, 2 Hunde, Haushalt, selbstständig….irgendwann kommt da einfach ein kreatives Loch.

Am Montag habe ich noch sehr mit mir gehadert und am Dienstag habe ich es einfach akzeptiert. Es ist ja nicht so, dass gar nichts passiert, aber ich habe kaum geschrieben, nicht fotografiert und viel geschlafen….einfach so…zwischendurch. Die schwüle Hitze hatte mit Sicherheit auch Einfluss auf meine – nicht vorhandene – Energie.

Ich habe mich um meinen Haushalt gekümmert, den Wäscheberg mal weggebügelt und überhaupt….ich habe für mich rumgewuselt, ohne ständig den Kopf an die Arbeit zu verlieren. Das war bitter nötig….denn spätestens jetzt merke ich, dass ich mich auf morgen freue, so richtig freue…dass ich Bock habe wieder richtig loszulegen.

Mein Kopf ist voll mit Dingen, die raus müssen.

Und dann wäre da noch dieses Gefühl, dass mir das alles irgendwie nicht reicht. Das es noch mehr gibt neben meinem Blog, was ich machen will. Etwas, was mehr Struktur hat und nur mich selbst ausmacht. Es brauen sich Ideen zusammen, aber sie sind noch nicht geordnet und wenn ich irgendwas gelernt habe in den vergangenen 5 Jahren….dann….das man mit Druck keine Ziele erreicht. Oder doch…vielleicht erreicht man Ziele, aber die Leidenschaft bleibt dabei auf der Strecke und irgendwann kollidiert das miteinander. Spätestens, wenn man sich die Frage stellt “warum mache ich das eigentlich?”.

Ich möchte gern ein Buch schreiben.

Eine Geschichte.

Einen Wegweiser.

Aber keinen, der irgendwie so abgedreht esoterisch daherkommt. Sondern eben mitten aus dem Leben. Wenn man als stinknormale Frau von vorne anfangen muss, von vorne anfangen darf. Ich möchte Mut machen und erzählen, dass es völlig normal und absolut ok ist, dass es Zeit braucht, dass man sich mit Selbstzweifeln quält und das es einfach dauert bis man über eine Trennung hinwegkommt. Ich möchte auch erzählen, dass man sich in dieser Zeit ständig selbst belügt um sich zu schützen, weil man sonst einfach nicht weitermachen kann.

Ich möchte aber auch erzählen, was es mit mir gemacht hat. Warum ich mit 41 mein Leben gerade lieber ohne Mann gestalte. Warum ich kein Problem damit habe alleinerziehend zu sein. Das es aber gar nichts damit zu tun hat, dass ich das Vertrauen in Männer verloren habe. Ich habe vielmehr das Vertrauen in mich selbst wiedergefunden.

 

Ich bin glücklich mit mir selbst…

 

Und diese Erkenntnis lässt einfach keine Kompromisse mehr zu. Ich weiß, dass man sich über dieses Thema bis aufs Blut streiten kann. Aber ich habe es schon mal geschrieben…für die Liebe gibt es einfach keinen Kompromiss. Nicht für die Liebe! Dieses Gefühl ist entweder da oder nicht.

Ende 2015 dürften meine Suchanfragen im Internet ungefähr so ausgesehen haben:

 

  • Hat meine Ehe noch eine Chance?
  • Wie gewinne ich meinen Partner zurück?
  • Wie überstehen wir die Midlife Crisis?
  • Wie lange muss ich auf Abstand gehen?
  • Liebt er mich wirklich nicht mehr?

 

Ich habe mich quer durch Foren gelesen und unfassbar schlechte Ratgeber verschlungen. Die am meisten gestellte Frage war dabei immer:

 

Kommt er/sie zurück?

 

Auch darüber kann ich etwas erzählen. Eine ganze Menge sogar. Denn bei mir war es immer so….in dem Moment, in dem ich mich losgelöst hatte und das war immer ein langer und schmerzhafter Prozess….in dem Moment klopfte es an meiner Tür…2016….2017….2018! 

Aber 2018 bin ich eine völlig andere Frau, als 2016. Für mich spielt keine Rolle, was passiert ist. Ob mein Partner mich betrogen und ein Doppelleben geführt hat. Diese andere Frau berührt mich emotional nicht mehr. 2018 spielt eine Rolle, wer ich bin, was ich will und was ich nicht will. Ich bin wirklich erstaunt über mich selbst.

Ich hatte keine Wahl, zumindest nicht, wenn ich wieder glücklich sein wollte. Ich musste etwas verändern und das ganze Drumherum hat auch mich verändert. Mein Mann hat lediglich, als es ihm nicht mehr passte, die Protagonisten ausgetauscht. Das ist keine bittere Erkenntnis, sondern einfach nur eine sehr realistische Feststellung. Er ist ausgebrochen um festzustellen, dass ihm sein altes Leben doch besser gefallen hat. Ich bin ausgebrochen, weil ich musste….und stelle fest, dass mir mein neues Leben….ohne ihn…besser gefällt.

Seit über 2 Jahren meistere ich das Leben von meinem Sohn und mir alleine. Und eins ist mal klar…Glück und Zufriedenheit bekommst du nicht geschenkt. Das ist harte Arbeit, vor allem an dir selbst. Es ist ein scheiß Gefühl zusehen zu müssen, wenn der Mensch, den du liebst zu einer anderen Frau mit Kind zieht. Es ist ein scheiß Gefühl, wenn niemand anruft um zu fragen….”hey, ihr seid doch Weihnachten alleine….ihr könnt gern kommen…”.

Fakt ist, man steht erstmal alleine da…mit sich, dem Schmerz, vielleicht noch Kindern…! Und dann hat man die Chance was draus zu machen und jeder macht es eben anders. Ich habe nicht darauf gewartet, dass mich jemand anruft…ich habe selber dafür gesorgt, dass wir nicht bemitleidenswert und einsam um den Tannenbaum herum sitzen. Ich habe gemerkt, wenn ich dafür sorge, dass es mir gut geht…dann fluppt auch der Rest und so bin ich zu der Frau geworden, die ich heute bin. Absolut unabhängig und ich kann meine Tür schließen. Ich muss mich auf keinen faulen Kompromiss einlassen. Nicht mehr.

Wenn mich jemand (egal ob Frau oder Mann) fragen würde, ob sich der Weg zurück lohnt…ob man es tun sollte…dann würde ich sagen, dass einem die eigenen Gefühle einen möglich Weg sehr klar aufzeigen. Wenn ich heute zu meinem Mann zurückgehen würde, dann wäre nichts mehr so, wie es mal war. Er bekäme nicht sein altes Leben zurück, sondern eine neue Frau und da fangen die Probleme eigentlich schon an.

Ich würde niemals urteilen oder bewerten. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, wenn man sich dafür entscheidet. Gerade, wenn man alleinerziehend ist, fehlt immer irgendwie ein Backup, Halt und Sicherheit. Das macht Angst und überfordert hin und wieder. Auch die finanzielle Seite spielt eine riesengroße Rolle. Ich kann also absolut verstehen, wenn man lieber einen Kompromiss eingeht. Ich glaube es gibt unfassbar viele Partnerschaften, die nur noch aufgrund von Kompromissen und auch Angst bestehen. Ich selbst habe mir diese Frage immer wieder gestellt…bei mir spielen nur einfach die Gefühle nicht mit. Ich gehöre offensichtlich zu den Menschen, die keinen Kompromiss in der Liebe leben können. Vermutlich konnte ich deswegen auch gehen….

Wenn ich nach all der Zeit zu meinem Mann zurückkehren würde, dann müsste es irgendwie neu sein. Eine neues, spannendes “sich entdecken…neu kennenlernen”. Die Vergangenheit links liegen lassen und dankbar für eine Chance sein. Mit Ü40 geht es ja nicht mehr um eine komplett neue Lebensplanung. In diesem Alter sollte es darum gehen Zweisamkeit zu erleben und zu genießen. Partnerschaft zu leben….

Die Realität sieht aber so aus….er hat sich 2,5 Jahre darauf vorbereitet zurückzukommen…ich habe 2,5 Jahre gekämpft mich lösen zu können. Was uns und ihn selbst angeht, ist er also auf dem Stand von 2015. Da bin ICH! aber nicht mehr.

Während ich meine Gedanken hier aufschreibe, sitze ich in meiner Küche an der Bar auf meinem Barhocker. Ich habe das Fenster komplett offen, es ist nämlich ziemlich schwül. Es ist ganz ruhig, trotz der Großstadt…die Vögel zwitschern und ich muss lächeln. 

Alles kommt, wie es kommen soll.

Mein Leben ist wunderbar.

 

Eure Andrea

 

 

 

 

10 Kommentare

  1. Luna
    10. Juni 2018 / 9:15

    Hallo liebe Andrea,

    Ich lese deinen Blog noch nicht lange und bin eher die stille aber heute sprichst du mir aus der Seele. Vielen Dank für deine heutigen Worte ein Buch von dir mit ehrlichen Worten würde auch mir helfen.
    Liebe Gruss

  2. Annett
    10. Juni 2018 / 9:32

    Andrea das ist ein ganz großartiger Text. Ich habe Tränen in den Augen. Ich hatte eine ähnliche Situation und bin gegangen. Mit Kind. Ich würde es immer wieder tun. Du bist eine starke Frau und gehst Deinen Weg. Ob nun mit oder ohne Mann. Ich wünsche dir alles Glück dieser Welt.

  3. Simone
    10. Juni 2018 / 9:44

    Liebe Andrea, ganz toll geschrieben. Ich würde Dein Buch sofort kaufen 😁
    Einen ruhigen und erholsamen Sonntag

  4. 10. Juni 2018 / 12:33

    Schatzl, das hast Du ganz wunderbar aufgeschrieben! Wann kommt Dein Buch?? Danke, dass Du all diese persönlichen Gedanken mit uns teilst. Unglaublich toll, was Du geschafft hast!!!
    Dicke Umarmung,
    Anja

  5. Toula
    10. Juni 2018 / 12:38

    Liebe Andrea,

    ich liebe Deine Art zu schreiben – und Deine Geschichten die Dein Leben geschrieben hat und noch für Dich bereithält!
    Du inspirierst mich – und an einigen Tagen wenn mein Kopf nicht still steht und mich eine große, innere Unruhe umtreibt, schaffst Du es sogar mich zu besänftigen.
    Schreib ein Buch – ich kaufe es bestimmt 🙂

    Alles Liebe, Toula

  6. Elke
    10. Juni 2018 / 15:23

    Liebe Andrea,
    jetzt muss ich dich nach über 2 Jahren mitlesen endlich mal ganz fest drücken. Du bist einfach ein TOLLES MÄDL! Danke, dass ich an deinem Leben und an deiner Gefühlswelt teilhaben darf. Schön, dass es dich in meinem Leben gibt 😘 Ich mach grad einen Kompromiss, aber der lebt sich mittlerweile gut. Mach weiter so, bin sei stolz auf dich Elke

  7. Ursula
    10. Juni 2018 / 18:46

    Gefällt mir!!!

  8. Ines Kuckuck
    11. Juni 2018 / 9:28

    Liebe Andrea,
    wie immer ein super geschriebener Beitrag – ran ans Buch!!!
    Herzliche Grüße, Ines

  9. Katharina Colditz
    11. Juni 2018 / 10:34

    Ich möchte gerade jubbeln – ich sehe dich schon vor mir wie du Widmungen in dein Buch schreibst. Dich mit jedem einzelnen Exemplar freust und hoffst das deine Geschichte anderen hilft. Weißt du eigentlich wie unglaublich Mutig das ist – aber wenn eine das schafft dann du!

    Deine Katharina

    PS.: vergiss das Hörbuch nicht 😉 ich höre dir einfach so gerne zu wenn du im Podcast liest

  10. Andrea
    12. Juni 2018 / 7:43

    Liebe Andrea,

    ich liebe Deinen Blog, Deine Beiträge auf Insta, Deine Fotos…..Deine Geschichte. Weil, alles so authentisch ist.

    Es wäre grandios, würdest Du ein Buch schreiben.

    Ich habe sehr viele Blogs abonniert, jedoch keiner gefällt mir so gut. Also bitte…… es gäbe genügend Leser für ein Erstwerk.

    Ganz viel Glück weiterhin und vielen Dank, dass Du uns teilhaben lässt.

    Liebe Grüße
    Andrea

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