2 Jahre Leipzig…ein Rückblick!

2 Jahre Leipzig…ein Rückblick!

 

Es ist Donnerstagabend. Ich sitze im Schlafzimmer und blicke auf den Kleiderschrank. 3 Meter. Davon gehören 2 Meter mir. Sie sind leer.

Ich gehe den Flur entlang. Vorbei am Kinderzimmer meines Sohnes. Auch das ist leer.

Im Wohnzimmer stehen unzählige Kartons. Sie warten darauf abgeholt zu werden.

Mir laufen die Tränen.

Ich sehe meinen Mann. Wir nehmen uns in den Arm und weinen beide.

Es ist Freitag. Die Sonne scheint. Das Umzugsteam ist fröhlich und als fast alles verstaut ist, gehe ich zu meinen Nachbarn in den Garten um mich zu verabschieden. Die Worte bleiben im Hals stecken. Wir nehmen uns in den Arm und weinen alle. Und sie machen das einzig Richtige. Sie holen eine Flasche Sekt aus dem Haus und wir trinken auf einen Neuanfang.

Ein Neuanfang in Leipzig.

Seit diesem Tag habe ich nicht mehr geweint. Jedenfalls nicht, weil ich nach Leipzig gegangen bin.

Heute ist Sonntag, der 13. Mai und der Tag könnte emotionaler für mich nicht sein. Muttertag und 2 Jahre Leipzig fallen für mich auf diesen Sonntag und es passt irgendwie gut zusammen. Ich habe unseren Neuanfang, hier in Leipzig, tatsächlich an einem Freitag dem 13. gestartet und ich weiß noch, dass ich innerlich leicht panisch war.

Dieser Tag war mein Weg zurück in die Stadt, es war mein Weg zurück zu mir selbst und es war der Schritt in meine Aufgabe als alleinerziehende Mama.

Mit wenig Geld, aber unerschütterlichem Willen für ein gute Zukunft, starteten wir auf zauberhaften 60 qm in unser Leben hier.

 

2 Jahre Leipzig!

 

Die ersten Tage fühlten sich an wie Watte. Als ob man vorsichtig den Fuß ausstreckt um zu fühlen, ob das Wasser auch warm genug sei. Wir stürzten uns sofort in den gemütlichen Trubel hier, lernten die Stadt und die Stadtteile kennen, fuhren viel mit dem Rad. Den Sommer verbrachten wir am See und wir verliebten uns….in Leipzig.

Es ist ein richtiges Zuhause geworden. Nicht nur unsere Wohnung, einfach alles. Im Moment wäre es unvorstellbar hier irgendwann wieder weg zu müssen.

Ich finde Leipzig wunderschön. Ich konnte mir ein wunderbares Netzwerk aufbauen, an Kollegen, Kooperationspartnern und großartigen Freunden. Ich war zwar getrennt, aber nie einsam. Ich konnte die Trauer und den Schmerz um meine Ehe verarbeiten und mich selbst wieder neu entdecken. Meinen Leidenschaften nachgehen, mich dem Blog widmen. Absolute Zufriedenheit und Glück kehrten ein und sind noch immer da.

Auf meiner Agenda stehen so viele Projekte, so viel Arbeit, dass ich eigentlich kaum zum durchatmen komme. Ein großartiges Gefühl. Der Motor dreht sich weiter und ich bin überzeugt davon, dass Leipzig seinen Anteil daran hat.

Wenn ich von meinen Reisen zurückkomme und meist lande ich am Hauptbahnhof, dann überfällt mich regelmäßig so ein “hier bin ich richtig Gefühl”.

Einen ausführlichen Rückblick zu unserem Leben und unserem Neuanfang findet Ihr übrigens hier. Denn auch vor einem Jahr habe ich zurückgeblickt. 2 Jahre später fühlt es sich aber nochmal deutlich gelassener an. MIR! geht es deutlich besser, als noch vor einem Jahr.

Vorgestern las ich einen Artikel oder besser gesagt die Kolumne von Charlotte Roche. Eigentlich schätze ich sie sehr, nur richtete sich dieser Artikel mit viel Negativität gegen das Leben in der Stadt. Natürlich scheiden sich an dieser Stelle die Geister, nur war das so einseitig geschrieben, dass es mich kurz angekotzt hat. In den letzten 41 Jahren hatte ich alles….

 

  • Kleinstadt
  • Dorf
  • Stadt

 

Für mich ist das Leben in der Stadt so, als wäre ich aus einem Dornröschenschlaf erwacht. Alles kann…nichts muss. Wir haben hier unfassbar schöne Natur (direkt vor der Tür)….eine Seenlandschaft, die Mecklenburg Konkurrenz macht und eben sonst alle Annehmlichkeiten einer Metropole. Und nichts, wirklich nichts davon….möchte ich je wieder missen.

Aber das ist Geschmacksache. Es gibt sicher auch gute Gründe sich anders zu entscheiden.

Ich weiß, dass es immer noch Vorbehalte gegen den Osten gibt. Aber das ist hier völlig fehl am Platz. Und meist kommt das von Menschen, die noch nie da waren, die sich am Akzent stören oder die einfach auch nur mit ihren Vorurteilen leben wollen. Wäre ja auch doof festzustellen, dass man Unrecht hat.

2 Jahre Leipzig….unfassbar. Wo ist die Zeit geblieben?

Wir sind ohne Netz und doppelten Boden gegangen.

Und heute?

Stehen wir mit beiden Beinen auf einem festen Fundament.

 

Mama, Leipzig war das beste, was uns passieren konnte….

 

Alles Liebe zum Muttertag!

 

Eure Andrea

2 Kommentare

  1. e-leo1969
    13. Mai 2018 / 8:49

    Du hast etwas geschafft worauf Du sehr stolz sein kannst. Und Du und Dein Sohn werden den weiteren Weg erfolgreich meistern. So wie bisher.

  2. Nicol
    13. Mai 2018 / 18:14

    Ich verstehe so gut, was du meinst…. Ich habe damals meinen / unseren Neustart, meine Tochter war 6 Monate alt, auf schnuckeligen 48qm begonnen. Die Größe war mir damals egal, es war wie nach Hause kommen, denn in genau dieser Wohnung hatte meine Mutter 17
    Jahre vorher, nach der Trennung von meinem Vater, den Neustart gewagt 😊. Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntagabend.

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