Einfach machen…

Einfach machen…

Ich sitze gerade auf einem weißen Plüschsofa in einem sehr opulent gestalteten Hotelzimmer. Nicht wirklich meine Art der Einrichtung, aber eine kurze Pause von den eigenen 4 Wänden und irgendwie trotzdem schön….für exakt diesen Moment.

Das absolute Highlight ist das Panoramafenster. Während ich hier schreibe, ist der Rhein in greifbarer Nähe. Schiffe fahren an mir vorbei. Was für ein grandioser Blick für einen Sonntagmorgen.

Langsam versöhne ich mich mit meiner alten Heimat. Lange waren negative, schmerzhafte Erinnerungen mit diesem Ort verbunden. Eine durchaus menschliche Reaktion. Außerdem war es wichtig mich auf den Neuanfang in Leipzig zu konzentrieren und da wäre es lähmend gewesen, wenn ich in Trauer um alte Zeiten versunken wäre.

Vermutlich habe ich Angst zurückzukommen. Ich habe Angst davor, dass mein Herz mir sagt, dass ich dann wieder zurück will. Es ist sehr beruhigend festzustellen, dass dies nicht so ist. Nicht mal der Blick auf den Rhein kann mein Zuhause in Leipzig momentan ersetzen. Und das ist tatsächlich richtig toll. Immer, wenn ich zurück in Leipzig bin, überfällt mich dieses Zuhause Gefühl. Dafür reicht schon die Ankunft im Hauptbahnhof.

Ich bin wieder im Fahrwasser.

Um Ostern herum gab es ein paar Wochen, die sich emotional auf mein Tun und Handeln ausgewirkt haben. An vielen Stellen war ich dann irgendwie gelähmt. Rückblickend kann ich das jedenfalls sagen.

Wenn Dein “altes Leben” immer wieder an Deine Tür klopft und um Einlass bittet, dann macht das was mit Dir. Es entstehen Fragezeichen im Kopf und man fängt an nachzudenken. Ob man will oder nicht.

 

Aber es hat sich was verändert.

 

Noch vor einem Jahr hätte/habe ich die Tür geöffnet mit einer gehörigen Portion Naivität und dem Glauben daran einen Menschen gut zu kennen. Heute bleibt meine Tür verschlossen, weil ich sehr genau weiß, was ich nicht mehr will. Aber diese Konsequenz kostet immer wieder Kraft und sehr viel Energie.

Heute, mit 41, geht es nicht mehr um Familienplanung oder Heiraten. Ein neuer Partner bekäme sehr viel Qualität. Denn es ginge tatsächlich nur um das Miteinander. Ein gemeinsames Leben, in welcher Form auch immer, auf Augenhöhe gestalten. Sich über gemeinsame Zeit freuen….einfach leben eben. Ohne Kindererziehung, ohne die Planung einer großen Hochzeit, ohne jegliche gesellschaftlichen Zwänge.

Sich neu verlieben…fremdgehen…all das kann passieren. Aber es wird sich nie etwas ändern, wenn man nur die Statisten tauscht. Meine Tür bleibt also zu, weil das, was dort anklopft mein Unglück wäre.

Wenn ich mich in Gedanken und Emotionen verheddere, dann lasse ich das mittlerweile einfach zu. Ich brauche diese Zeit um klar im Kopf zu werden. Ich spreche viel mit den Menschen, denen ich vertraue und komme dann Stück für Stück zum Ziel. Konsequenz ist nämlich nicht ganz so mein Ding. Ich lasse mich gern überrumpeln und mache dann einfach. Ich bin eine sehr, von seinen Emotionen geleitete Frau (aber welche Frau ist das eigentlich nicht).

Ich bin nicht so ein großer Nachdenker. Ich mache einfach. Natürlich hat das alles seine Schattenseiten, aber mir macht zu viel nachdenken Angst und blockiert und am Ende kommt dann nix dabei raus und man verharrt – aus Angst – in der Position aus der man eigentlich raus möchte.

Aber ich bin auch so aufgewachsen. Meine Eltern haben mir das so vorgelebt. Meine Mama ist bis heute dieses Stehaufmännchen und selbst den widrigsten Situation tritt sie konsequent in den Arsch. Auch, wenn sie das heute sehr viel mehr Energie kostet, als in jungen Jahren und ich dem lieben Gott manchmal die Ohren lang ziehen möchte, weil er meine Eltern doch jetzt bitte auch mal in Ruhe lassen könnte.

 

Ich bin wieder im Fahrwasser. Ich erwähnte es bereits.

 

Vor 2 Wochen habe ich den Fragezeichen im Kopf den Stinkefinger gezeigt und losgelegt. Ich habe nicht nur losgelegt, sondern in 14 Tagen unfassbar viel umgesetzt. Dinge, von denen ich keinen blassen Schimmer hatte…wie z.B. unser Podcast. Ins Mikrofon quasseln ist die eine Sache, aber die Technik und wie man das dann alles in die Welt hinausschickt, ist eine völlig andere Sache. Und da musste ich mich erstmal durchbeißen. Stundenlang.

Ich war im Weimarer Land, auf einem Supper Club in Erfurt, habe die Geburtstagsüberraschung für Charlotte organisiert, bin jetzt für ein paar Tage in Bonn. Hugo testet zum ersten Mal die Hundepension und ganz nebenbei wären noch Aufträge, Alltag, Kind und ganz zum Schluss vielleicht auch etwas Zeit für mich. Und da wäre auch noch der Relaunch vom dreiraumhaus, auch das erfordert sehr viel Zuarbeit. Ein ziemliches Pensum für 14 Tage und doch fühlt es sich nicht so an. Es fühlt sich gut an, aber keineswegs angestrengt und ich bin auch nicht ausgelaugt. Natürlich war ich gestern müde und habe am Nachmittag im Wellnessbereich ein paar Stunden geschlafen, aber Müdigkeit und ausgepowert sein…sind 2 verschiedene Paar Schuhe.

Vor ein paar Tagen fuhr ich mit dem Fahrrad zum REWE. Es war voll gepackt. Hinten leere Flaschen, vorne leere Flaschen, am Lenker leere Flaschen. Bepackt mit Kartons und Müll bin ich vorher die 3 Stockwerke unseres Hauses runtergestolpert. Als mir die Kartons aus den Händen fielen, war ich kurz wütend. Auf das alleine sein, nichts abgeben zu können. 15 Minuten später stand ich bei Blume 2000, kaufte Blumen für meine rosa Balkonkästen, fühlte mich sehr gesegnet und super stolz. All diese Aufgaben, selbst diese Blumensachen, hat früher immer mein Mann gemacht. Aber offensichtlich bin ich in der Lage all diese Dinge auch alleine zu regeln…..und zwar ohne dieses ständige Gefühl von Wut im Bauch….ganz im Gegenteil.

Die vergangenen 14 Tage standen also, mehr denn je, unter dem Motto “einfach machen“.

Das betrifft mich einerseits selbst und andererseits durfte ich beeindruckende Menschen kennenlernen, die auch einfach gemacht haben und heute voller Leidenschaft und Herzblut für das stehen, wer sie sind und was sie ausmacht. Oftmals ist das ein sehr langer Prozess, aber das ist mit Sicherheit auch sehr gesund, weil man das voller Dankbarkeit und Demut annehmen kann. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob man die Rahmenbedingungen selber geschaffen hat….wichtig ist es…

 

die Bodenhaftung nicht zu verlieren.

 

Jetzt freue ich mich erstmal auf die kommenden Tage in Bonn, auf die Kreativität, die sich hier zwischen Charlotte und mir wieder freisetzen wird. Ich freue mich auf Zeit in meinem Büro in Leipzig, auf eine Einladung der Oper Leipzig und kleinere Reisen, die in den kommenden Wochen noch anstehen.

In 2 Monaten sind bereits Sommerferien. Unfassbar. New York ist schon wieder zum Greifen nah und ich werde ganz viel arbeiten, damit die Zeit bis dahin möglichst schnell vergeht. Mai und Juni werden nochmal sehr arbeitsintensiv…in jeglicher Hinsicht ein richtig gutes Gefühl.

Die Wochengedanken werden sich in naher Zukunft eher zu einer Art Kolumne entwickeln. Lange war diese Zeit am Sonntag sehr wichtig für mich um meinen Trennungsschmerz zu verarbeiten. Aber der ist weg und mittlerweile geht es vielmehr um Inspiration und wie man das eigene Leben vielleicht doch noch etwas qualitativer gestalten kann, wenn man an der ein oder anderen Gehirnwindung dreht.

Aber jetzt, jetzt schmeiße ich mich in meinen Bademantel und in die Pantoffeln und werde den Wellnessbereich genießen, der hoffentlich ganz leer ist. Wir haben Massagen gebucht und genießen heute den Brunch im Kameha in Bonn. Wenn man als Frau 40 wird, dann sollte man genau solche Dinge tun. Rumliegen, essen, schlafen, Masken auftragen und professionell befummeln lassen….(Ihr dürft jetzt gern denken, was Ihr wollt….!).

Habt einen fabelhaften Sonntag und vielleicht sogar ein langes Wochenende.

 

Eure Andrea

 

2 Kommentare

  1. 30. April 2018 / 15:26

    Ach, wiedermal herrlich geschrieben, liebe Andrea. Besonders das “professionell befummeln lassen”. Sollte ich mir auch mal wieder gönnen… Immerhin, mit den Nägeln hab ich jetzt wieder angefangen. Fußpflege steht Übermorgen an und was ich schon lange mal machen wollte, eine professionelle Style-Beratung. Die gönne ich mir dieses Jahr auch noch. LG und euch eine schöne Zeit.

  2. Manuel
    3. Mai 2018 / 13:22

    Wirklich sehr schön geschrieben

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