Too good at Goodbyes…meine Wochengedanken aus KW45!

Too good at Goodbyes…meine Wochengedanken aus KW45!

Es dürfte bald 2 Jahre her sein. Ich dachte darüber nach, wie ich meinem Blog etwas mehr Persönlichkeit, also meine ganz eigene Persönlichkeit geben kann. Neben all den Kooperationen ist es nicht immer einfach die Waage zu halten. Also sollte es zumindest eine feste, persönliche Komponente geben und so fing ich an den Wochenrückblick zu schreiben.

Er hieß anfangs auch noch so. Ich orientierte mich ein wenig an anderen Blogs und schrieb so eine Art Tagebuch über das, was ich die Woche so erlebt hatte und allmählich entwickelte sich daraus die Verarbeitung meiner Trennung und den damit verbundenen Neuanfang. Es war nicht mehr nur ein Wochenrückblick, es waren Wochengedanken.

Denn gut 2 Jahre war ich wie gefangen…in Gedanken. Es wurde besser, ja…aber es war nie ganz weg. Meine Wochengedanken würden, zusammengefasst, ein Buch ergeben…über 2 Jahre Achterbahnfahrt der Gefühle und wie man eine Trennung verarbeitet. Wie man sich fühlt, wenn man auf einmal alleinerziehend ist oder sich – plötzlich –  mitten in einer Patchworksituation befindet….

Kurz vor Weihnachten 2015 fand ich die “Affäre” meines Mannes heraus. Kurz vor Weihnachten 2016 wollte er zu uns nach Leipzig ziehen und zog dann zu einer Frau, von der ich ausging er hatte sie auf Tinder kennengelernt. Anfang 2017 kehrte er reumütig zurück, wir ließen es zu und Anfang Herbst 2017 zog er dann wieder zu dieser Frau…., die er nicht, wie ich ursprünglich dachte, auf Tinder kennengelernt, sondern mit der er seit Anfang 2015 ein Doppelleben führte.

Was verbittert klingt, ist lediglich eine Aufzählung. Wenn ich diese 3 Sätze so lese, dann kann ich es im Grunde selber kaum glauben Part dieser Geschichte gewesen zu sein. Es ist auf einmal so weit weg und ich kann darüber sprechen, ohne das es in der Bauchgegend ziept oder mir die Tränen laufen. Ich muss sogar eher ein Stück weit darüber schmunzeln, wie verrückt das Leben so spielt, wenn es um Beziehungen und Gefühle geht. Das Wort Liebe möchte ich an dieser Stelle lieber nicht in den Mund nehmen.

Ich glaube, ich konnte mir lange Zeit selber nicht eingestehen, dass ich versagt hatte. Auf ganzer Linie. Ich finde einfach kein besseres Wort dafür. Es ist so ähnlich, wie mit diesem SMEG Kühlschrank, den ich unbedingt haben wollte. Ich hatte gelesen das die Teile scheiße sind und wollte es einfach besser wissen. Einen Tag nach Lieferung war der Kühlschrank defekt….

Wenn man jemanden 18 Jahre kennt und stellt nach 18 Jahren fest, dass man diesen Menschen nie wirklich gekannt hat…dann ist das ein ziemlicher Schock….ohne das man merkt, dass man wirklich unter Schock steht. Ich hätte es tatsächlich nie für möglich gehalten das unsere Ehe mal kaputtgeht. Völlig egal, was unser Lebens so ins Wanken brachte…unsere Ehe, unsere kleine Familie war für mich ein ganz fester Bestandteil…die Basis der Unerschütterlichkeit sozusagen. Wir gegen den Rest der Welt…uns gab es nur zu dritt…keinen mehr, keinen weniger…

Lange habe ich mir eingeredet oder gedacht, dass mein Mann doch ähnlich denken müsse. Das er sich lediglich verirrt hatte und wieder zurückfindet. Rückblickend kann ich nicht sagen, ob es Hoffnung war oder einfach nur der Glaube an unsere Ehe oder an die 18 Jahre, die uns irgendwie verbanden.

Jedenfalls war mein ganz eigener Glaube daran so groß, dass ich es 2 mal zulassen konnte ihn zurückkehren zu lassen. Ich wusste zwar nicht, dass ich weiter belogen wurde, aber ich wusste recht schnell das es nicht klappen würde.

Beim ersten Versuch eines Neuanfangs spürte ich im Grunde sofort das er nicht bei der Sache war, also nicht wirklich hier bei uns und beim zweiten Mal, also im Frühjahr dieses Jahres, merkte ich, dass ICH! nicht mehr will. Ich warf ihn mehrfach raus. Er kam immer wieder zurück. Bis er dann letztendlich wieder dauerhaft “bei dieser Frau” blieb.

Ich bin zwar nach Leipzig gegangen und ganze 500 km weit weg gezogen, nur ist dadurch keine Ruhe eingekehrt. Jeder Versuch abzuschalten, scheiterte immer wieder daran, dass “mein altes Leben” spontan an die Tür klopfte und irgendwas von mir wollte. Wäre ich allein gewesen, hätte ich die Tür einfach zulassen können. Hängt aber ein Kind dazwischen, dann steht man als Frau permanent zwischen den Stühlen. Ein Kind versteht nicht, warum man die Tür zulässt, während der eigene Vater davor steht und weint.

Es war unfassbar schwer diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Vor ein paar Wochen brachte Sam Smith das Lied “To Good at Goodbyes” raus. Ich saß gerade am Schreibtisch und das Radio läuft einfach immer. Auf einmal war ich mittendrin in diesem Text und es fühlte sich so an, als würde er über meinen aktuellen Gefühlszustand singen:

 

I’m never gonna let you close to me
Even though you mean the most to me
‘Cause every time I open up, it hurts
So I’m never gonna get too close to you
Even when I mean the most to you
In case you go and leave me in the dirt

But every time you hurt me, the less that I cry
And every time you leave me, the quicker these tears dry
And every time you walk out, the less I love you
Baby, we don’t stand a chance, it’s sad but it’s true

I’m way too good at goodbyes

 

Denn genauso ist es.

Genauso WAR! es.

Ich habe immer wieder mitgesungen. Laut und schräg und schief. Ich habe so richtig meinen Schmerz und meine Wut rausgesungen.

Es ist tatsächlich so. Mit jedem Rauswurf wurde es leichter für mich. Er war weg. Ich atmete auf und machte weiter im Programm. Er kam wieder und prompt waren auch sämtliche Probleme wieder da und “das Spiel” ging von vorne los. Faktisch so lange, bis bei mir alle Tränen getrocknet und sämtliche Gefühle dem Erdboden gleichgemacht waren.

Wenn man lange Zeit ein Paar war. Vielleicht sogar verheiratet ist und eine Familie gegründet hat, dann hat diese lange Zeit offensichtlich eine Berg- und Talfahrt der Gefühle verdient. Man denkt ja immer zurückzugehen wäre einfach, aber das ist es nicht. Ich bereue nicht einen dieser Schritte. Mich wieder darauf einzulassen, war für mich der beste Weg um abschließen zu können. Es war wichtig zu fühlen, dass ich wirklich nicht mehr will….auch wenn mir meine romantische Vorstellung von einem gemeinsamen Familienleben etwas anderes zuflüsterte.

Ich bin zwar lange Zeit nicht wirklich zur Ruhe gekommen, hatte aber trotzdem hier in Leipzig mein eigenes Leben. Ich entschied auf einmal für mich selber, sorgte alleine für meinen Sohn und mich und war einfach selbst bestimmt. Mein Mann stand z.B. nie hinter meiner Arbeit. Er unterstützte mich nicht, sondern wirkte dagegen. Er mochte die Annehmlichkeiten, aber verstand nicht was ich tat und hörte auch nicht zu. Ich musste mich ständig rechtfertigen und war ein wandelndes, schlechtes Gewissen.

Das würde ich heute so nicht mehr zulassen. Mich selber klein zu machen nur in Rücksicht auf andere. Dabei geht es nicht um Egoismus, sondern vielmehr um gegenseitige Unterstützung in einer Partnerschaft und ich sehe leider viel zu häufig, dass Frauen ihre Männer meist großartig supporten im Berufsleben, bei Hobbys und überhaupt. Frauen hingegen werden oft belächelt oder es gibt dann so wunderbare Absprachen, wie z.B. “mach du nur, solange es unser Familienleben nicht beeinträchtigt”.

Heißt also, solange ich Familie und Haushalt schmeiße, Geld nach Hause bringe, parallel noch gut aussehe und abends im Bett als Sexgöttin zur Verfügung stehe…darf ich meine eigenen Wünsche verfolgen, aber bitte so, dass es keiner merkt.

Auch, wenn viele das nicht hören wollen…die klassische Rollenverteilung ist immer noch da und sehr viele Frauen ordnen sich dem Familienleben unter und möchten einfach nur das alle glücklich sind….vergessen aber oft dabei sich selbst….um des lieben Friedens Willen.

So hart die Trennung auch war, so sehr war sie auch ein Befreiungsschlag für mich. Es hat nur eine Weile gedauert bis ich das erkennen konnte.

Das ist keineswegs eine verbitterte “Ehe-Erkenntnis”. Ich bin ein Fan der Ehe. Immer noch. Ich bin übrigens auch ein großer Fan der Treue. Ich sehe nur, dass Paare viel zu wenig miteinander sprechen und die Sorgen des jeweils anderen nicht wirklich ernst nehmen. Wenn eine Frau mit 40 ihr Leben überdenkt, dann ist das ein sehr ernstzunehmendes Warnsignal.

Ein noch größerer Fan bin ich übrigens davon sich gegenseitig zu unterstützen….auch bei der Verwirklichung von Träumen.

Für mich waren diese Wochengedanken zu diesem Thema nochmal wichtig. Nach so langer Zeit Gefühlschaos traue ich diesem “es ist tatsächlich vorbei Gefühl” offensichtlich immer noch nicht so richtig über den Weg. Es ist ganz merkwürdig…als würde ich darauf warten, dass mich wieder Kummer und Trauer überrollen…aber nichts passiert. Der Teil meines Herzens, der für meinen Mann schlug, ist wieder freigelegt…für einen anderen.

Weihnachten 2015 lag mein Leben in Trümmern. Weihnachten 2016 ging ich abends weinend ins Bett und wachte morgens weinend auf. Mir ging es so schlecht, das mein Sohn sich abends zu mir legte um auf mich aufzupassen. Ich weinte und weinte und weinte…wieviel Tränen kann ein Mensch eigentlich haben?

Weihnachten 2017…ist ein Geschenk für mich. 2017 ist ein Geschenk für mich. Dieses Leben ist ein Geschenk für mich.

Ich bin endlich wieder glücklich.

Habt einen wunderbaren Sonntag.

 

Eure Andrea

 

17 Kommentare

  1. Micha
    12. November 2017 / 9:47

    Danke (mal wieder) für deine Wochengedanken und dass du uns Einblick in deine (Gefühls-)Welt gewährst!!! Ich bin so unendlich stolz auf dich und noch mehr freue ich mich für dich, dass du ENDLICH da bist, wo du jetzt bist und du vor allem so glücklich bist!!! Euer Weihnachten 2017 wird ein Befreiungsschlag und ein neuer Anfang sein!!! Ich drück dich ganz fest und bleib genau so wie du bist!!! ❤????????????

    • 13. November 2017 / 22:34

      Liebe Micha, ganz lieben Dank für Deinen Kommentar. Der Befreiungsschlag war dringend notwendig. Fühl Dich gedrückt. LG Andrea

  2. Natalie
    12. November 2017 / 10:24

    Bewundernswert, wie du das alles überhaupt durchgestanden hast ohne am Leben zu verzweifeln. Ob ich das geschafft hätte – keine Ahnung… Es ist schön, hinter dem Text zu spüren, dass du dich wirklich einfach gut fühlst. Wünsche euch allen eine wunderschöne kommende Adventszeit!

    • 13. November 2017 / 22:33

      Wie war das noch? Man wächst an seinen Aufgaben? So ähnlich ist es wahrscheinlich gewesen. Ich habe mittendrin gesteckt und wollte mich einfach nur freischwimmen…wahrscheinlich hätte jeder so gehandelt. Viele liebe Grüße, Andrea

  3. Yvonne Engelmann
    12. November 2017 / 10:29

    Guten Morgen,
    Du sprichst mir wieder einmal aus der Seele.
    Auch ich bin noch einmal zu meinem Ex zurückgekehrt, weil ich mir wohl (so sehe ich das im Nachhinein) “beweisen” musste, dass er nicht mehr der Mensch ist, den ich mal geliebt habe und auch nie mehr sein wird … und ich erst dadurch wirklich begriffen habe, dass ich keine Gefühle mehr für ihn habe. Er ist der Vater meiner Kinder. Punkt. Wir hatten auch viele schöne Momente in unserer fast 20jährigen Ehe, aber die sind vorbeit. Für immer. Punkt.
    Und ja, es fühlt sich unheimlich befreiend an, wenn man begreift, dass das Leben auch ohne diesen Menschen weitergeht und sogar teilweise viel schöner ist 🙂

    Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir!

    LG Yvonne

    • 13. November 2017 / 22:31

      Liebe Yvonne, vielen Dank für Deinen Kommentar. Und ja, ich kann Dir in jedem Deiner Punkte beipflichten. Es braucht seine Zeit. Aber ich war schon auf dem besten Weg mich zu finden und er eben nicht. Es hat nicht mehr gepasst. Ich war schon zu weit weg und wollte nicht mehr in dieses alte Leben zurück. Ich hätte mir gewünscht das wir wieder zusammenwachsen, verändern….aber das hat nicht funktioniert. Ich freue mich auf all das, was kommt. LG Andrea

  4. 12. November 2017 / 11:50

    Ich lese deine Texte im Allgemeinen sehr gerne, aber deine Wochengedanken lese ich am liebsten. Das ist so echt, einfach das wahre Leben. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und ich findes es toll, wenn man darüber sprechen kann.
    Ich wünsche euch von Herzen, dass in in diesem Jahr ein tolles Weihnachtsfest verbringen könnt.
    Herzliche Grüße

    Yvonne

    • 13. November 2017 / 22:28

      Liebe Yvonne, vielen lieben Dank für Deine Worte. Und ja…es ist tatsächlich das wahre Leben und ich freue mich auf einen wunderbaren Dezember mit meiner kleinen, aber echten Familie. Viele liebe Grüße, Andrea

  5. Inge Stumm
    12. November 2017 / 13:39

    Leichte Tränen in den Augen, nachdem ich diesen Song von Sam Smith heute zum 1. Mal gehört habe! So wahr. Ich wünsche einen wunderschönen Sonntag und danke für die gefühlvollen Wochengedanken. Liebe Grüße Inge

    • 13. November 2017 / 22:26

      Liebe Inge, ich freu mich sehr das Dir das Lied gefällt. Vielen lieben Dank für Deinen Kommentar. LG Andrea

  6. Vera
    12. November 2017 / 13:46

    Ich freue mich so sehr, dass es Dir wieder richtig,richtig (!) gut geht und Du Deine Lebenslust wieder gefunden hast! ????????????????????????

    • 13. November 2017 / 22:25

      Liebe Vera, ich freue mich mindestens genauso darüber. Viele liebe Grüße, Andrea

  7. Anjane PRUDIC
    12. November 2017 / 14:47

    Ich lese schon eine Weile still bei Dir mit. Und heute möchte ich einfach nur mal DANKE für Deine Worte sagen. Du schreibst so toll und ich ” klebe” an jeden Wort fest. Falls Du irgendwann Deine Zeilen in einem Buch veröffentlichst renne ich los und kaufe es. Alles Liebe für Dich und Deinen Sohn, natürlich auch für Bommel und Hugo. Liebe Grüße An

    • 13. November 2017 / 22:24

      Liebe An, und ich möchte danke sagen für Deinen wunderbaren Kommentar. Vielleicht schreibe ich irgendwann mal ein Buch. Es schwebt immer mal wieder in meinem Kopf rum. Aber so was braucht tatsächlich Zeit. Viele liebe Grüße, Andrea

  8. Claudia
    12. November 2017 / 19:37

    Liebe Andrea, deine Geschichte bewegt mich sehr! Das alles war sicher sehr kompliziert und schmerzhaft! Toll, wie du das gepackt hast und so schön anhand von Weihnachten deine Entwicklung zu spüren! Ich wünsche dir, Luca und dem entzückenden Hunden einen tollen Advent!
    Lg Claudia

    • 13. November 2017 / 22:22

      Liebe Claudia, vielen Dank für Deinen Kommentar. Ich bin auch sehr froh, dass diese schwere Zeit hinter uns zu liegen scheint und wir uns endlich völlig ohne Belastung auf die Feiertage freuen können. LG Andrea

  9. wee
    14. November 2017 / 13:03

    Sam Smith…….Deine Geschichte, meine Geschichte….me too, to good at Goodbyes!

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