ein ganzes halbes Jahr…ein Blick zurück…

ein ganzes halbes Jahr…ein Blick zurück…

Eigentlich sollte an dieser Stelle mein “üblicher”  Wochenrückblick stehen. Als ich aber bei Instagram den Juni verabschiedet habe, musste ich erstaunt feststellen, dass 2016 zur Hälfte vorüber ist. Ein ganzes, halbes Jahr ist einfach so an mir vorübergezogen und wenn dieser Blog nicht wäre, hätte ich die Hälfte schon wieder vergessen.

Ein ganzes halbes Jahr hat mein Leben verändert. Ich blicke zurück auf die emotionalsten 6 Monate meines Lebens. Ich blicke zurück auf einen Neuanfang und ich blicke zurück auf Momente voller Energie und Glück.

Ich weiß, dass viele von Euch meinen Weg mitverfolgen. Ich weiß, dass es hilfreich ist, darüber zu lesen, wie man es schaffen kann aus einer Krise gestärkt hervorzugehen, wie man mit Trennungsschmerz umgeht und welche Stolpersteine dabei zu überwinden sind.

 

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Als ich 2002 geheiratet habe, war ich der festen Überzeugung, dass sich an diesem Zustand bis an mein Lebensende nicht mehr rütteln ließe….sonst wäre ich wohl auch erst gar nicht diesen Schritt gegangen. Ich blicke noch immer ganz ungläubig auf die vergangenen 6 Monate zurück, denn eine Trennung kam in meinem persönlichen Lebensplan einfach nicht vor.

Ich will Euch nicht anlügen…sie kommt mir immer noch ganz unwirklich vor, diese Situation. Ich bin irgendwie fein damit, aber es ist auch alles so unheimlich schnell an mir vorbeigerannt. Es blieb keine Zeit zum Nachdenken oder durchatmen, bis heute nicht. Ich hab gehandelt, einfach nur gehandelt und im Augenblick wünsche ich mir nichts sehnlicher als irgendwo auf einer einsamen Berghütte abtauchen zu können. Die Gedanken und die Anstrengung der letzten Monate holen mich langsam ein und ich bin einfach unfassbar müde.

 

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Manchmal möchte ich einfach nur den Kopf in den Sand stecken…so für 2,3 Wochen oder sogar Monate. Nichts hören, nichts sehen und den Gedankenkreislauf stoppen. Mache ich alles richtig? Bin ich eine gute Mutter? Bin ich eine gute Bloggerin? Reiche ich aus? Bin ich jemals wieder bereit für einen neuen Mann? Es ist irgendwie so, als würde man nochmal das Radfahren neu lernen. Ich weiß gar nicht wirklich, wie es geht und fahre trotzdem schon mal los und muss die ein oder andere Bauchlandung in Kauf nehmen.

Einer der schönsten Momente war die Zusage für meine neue Wohnung in Leipzig. Das hat unfassbar viel Druck von mir genommen, denn erst damit war klar, dass ich den neuen Weg auch wirklich gehen konnte. Es gab viele, schöne und wunderbare Momente und doch bleibt, zumindest zur Zeit, immer so ein fader Beigeschmack. Der Verarbeitungsprozess setzt langsam ein und somit gibt es auch Entscheidungen, die getroffen werden müssen.  Das ist nicht immer einfach.

Es ist unglaublich wichtig der eigenen Intuition zu folgen und zwar möglichst ohne Rücksicht auf die Emotionen. Das was Dein Bauch Dir sagt, setzt den Maßstab für Dein Handeln. Ich habe bis zum allerletzten Moment gezweifelt. Ich war nur Millimeter davor einen Rückzieher zu machen….einen Rückzieher aus Faulheit, aus Gewohnheit, aus Angst. Angst ist übrigens der größte Motivator einfach nicht zu handeln, sondern in Schockstarre zu verbleiben und einfach weiterzumachen ohne etwas zu verändern.

 

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In ein Gesicht zu schauen und dort zu lesen, dass man in diesem Leben einfach keinen Platz mehr hat, war für mich ausschlaggebend die Schockstarre hinter mir zu lassen. So ein Leben wollte und konnte ich einfach nicht führen. Dabei gibt es keine Schuldfrage. Das sind Dinge die passieren…überall und jeden Tag. Sich hinterher zu fragen, was schief gelaufen ist….hilft nicht weiter. Es gibt 2 Möglichkeiten…entweder man arbeitet miteinander daran oder eben nicht. Was bleibt sind Konsequenzen.

Der Großteil meiner Leser (vielen Dank an Euch an dieser Stelle) steht diesem Thema sehr offen gegenüber. Es ist einfacher sich mit jemanden zu identifizieren, der so ist, wie Du und ich. Natürlich gibt es auch Unverständnis über meine Offenheit und auch das ist in Ordnung. Mein Weg mit “Dingen” umzugehen ist ja nicht automatisch Jedermanns Weg, was mich nicht davon abhält ihn exakt so weiterzugehen….so weit, wie es mich eben trägt.

 

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Mein größter Halt in diesem Fall ist und bleibt zur Zeit meine Schwester. Was einfach daran liegt, dass sie einen ähnlichen Weg gegangen ist. Sie versteht meine Ängste also nicht nur…sie kennt sie auch. Das ist ein Unterschied. Es ist ein Unterschied, ob ich Mutter bin und Ratschläge erteile oder ob ich keine Mutter bin und Ratschläge erteile.

Als ich vor ein paar Jahren eine Fehlgeburt erlitt, brach für mich eine Welt zusammen. Ich denke, dass viele Frauen ein Lied davon singen können, wie wenig Zeit für Trauer in diesem Fall zugestanden wird. Gut 3 Monate später passierte einer Freundin ebenfalls dieses Unglück. 3 Monate später hatte ich jemanden mit dem ich gemeinsam trauern und weinen konnte. 3 Monate später hatte ich jemanden, der genau verstand, wie es mir ging. Tiefe Gedanken, Ängste, Wut und Sorgen endlich loslassen zu können ist so unglaublich wichtig für die Heilung einer kranken Seele und erfahrungsgemäß ist es sehr hilfreich mit Menschen zu sprechen, die ähnliches durchgemacht haben.

Wenn ich der Sach- und Fachliteratur Glauben schenken darf, dann ist das gerade ein völlig normaler Prozess, den ich durchlaufe (was nichts daran ändert, das er einfach scheiße ist). Die Hochs und Tiefs geben sich quasi gleichermaßen die Hand. Erschwerend kommt hinzu, dass Männer und Frauen mit Trennungen völlig unterschiedlich umgehen.

 

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Nun bin ich seit einer Woche bei Charlotte in Bonn zu Besuch. Nur wenige Kilometer entfernt von meinem alten zu Hause. Ein notwendiger Abstand. Zu viele Erinnerungen, zu viel Schmerz würde ich dort wiederfinden…ein zu Hause, in das ich sehr viel Liebe gesteckt habe, ein zu Hause, was mir einmal alles bedeutet hat. Ich merke, dass mir die Nähe nicht gut tut…es sind noch zu viele Wunden offen…! So aufgewühlt war ich den vergangenen 7 Wochen nicht. Leipzig bietet mir genügend Abstand für emotionale Distanz. Trotzdem muss Leipzig sich noch zu meinem zu Hause entwickeln. Wenn man 20 Jahre an einem Ort gewohnt hat, dann braucht es Zeit um ein zu Hause wirklich zu fühlen. Aber ich fühle mich auch in Bonn oder Hennef nicht mehr zu Hause…im Moment hänge ich irgendwo dazwischen herum und suche den Boden unter den Füßen….so was braucht Zeit…ich weiß das.

Aber die Woche mit Charlotte in Bonn lässt mich auch bedauern. Eine große Entfernung liegt zwischen uns, aber nur in Kilometern…für unsere Freundschaft bedeutet das keinerlei Gefahr. Wir hatten eine unglaublich intensive Zeit. Wir haben gelacht, wir haben unfassbar viel gelacht. Wir haben gestritten, konstruktiv diskutiert und miteinander geweint. Nichts und niemand passt zwischen uns. Wir waren unglaublich kreativ miteinander und wir haben uns unfassbar gut ergänzt. Wir waren zwar schon zusammen im Mädelsurlaub und haben Wochenenden miteinander verbracht, aber es war noch nie notwendig, dass ich sie eine Woche in Bonn besuche…ich hab ja hier gewohnt. Urlaub oder Alltag miteinander zu verbringen ist jeweils eine sehr unterschiedliche Ausgangsbasis. Wir können beides. Ich fühle mich unglaublich wohl und willkommen. Ich darf hier sein und vor allem darf ich hier “ich” sein.

 

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Nein, ich bin nicht unglücklich…ganz sicher nicht. Nur ist es eben auch nicht leicht, aber auch das war von vornherein klar. Ich kann halt eben einfach nicht voller Glück auf die letzten 6 Monate zurückblicken, aber ich blicke auch nicht voller Wut und Trauer zurück….es ist eher so ein Kopfschütteln, während ich zu mir selber ganz oft sage “krass, echt krass”.

 

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Wie es weitergeht?

Ja, wenn ich das mal wüsste! Es gibt weder Plan A, noch Plan B. Es gibt einfach nur den Bedarf an Zufriedenheit und der Suche nach Ruhe, emotionaler Ruhe. Ich möchte keine Verbitterung mehr spüren oder mir immer wieder die Frage nach dem “Warum” stellen. Ich habe den Schlüssel gefunden um die Tür zuzumachen und endlich wieder nach vorn schauen zu können.

Wir alle durchleben Verluste, Trauer, Schmerz, viel Liebe und Glück. Wir alle funktionieren nach ganz ähnlichen Mechanismen. Es ist so wichtig diese Gefühle zuzulassen, ihnen Raum zu geben…, ob man dabei laut oder leise ist, bleibt eine Frage des Typs. Abgesehen von unzähligen Gesprächen mit meiner Familie und meinen Freunden, kompensiere ich ganz viele meiner Emotionen z.B. mit Musik. Kopfhörer auf und abtauchen…in Texte, Stimmungen, Melodien. Auch das ist unfassbar hilfreich und befreit die Seele hin und wieder von einer schweren Last.

 

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Zum Abschluss meines Rückblicks auf das erste Halbjahr 2016 gebe ich Euch noch meine ganz persönlichen TOP5 Songs gegen “Kummer” mit auf den Weg.

 

  1. Revolverhold mit Mark Forster (Live) – Worte, die bleiben (weil es einfach so wahr ist)
  2. Sarah Connor (Live) – Kommst Du mit ihr…(weil das einfach Fragen sind, die man sich als Frau stellt und weil der Song durch den Sound trotzdem ganz wunderbar zum Wut raus lassen funktioniert)
  3. Johannes Oerding (Live) – Nichts geht mehr (die Sicht der Dinge aus der Männerperspektive und genauso ist es auch)
  4. Johannes Oerding – Wenn Du lebst…(der beste Song für einen Neuanfang)
  5. Red Hot Chili Peppers – Dark Necessities (scheiß auf den Text…tanz einfach…irgendwie hat der Song “Sex” – keine Ahnung warum)

 

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Während Ihr das hier lest, sitze ich schon wieder im ICE auf dem Weg nach Leipzig. Wenn wir da sind, werden wir uns am Bahnhof irgendwas beim Asiaten holen und vielleicht noch ein paar leckere Schweinereien von Dunkin Donuts und dann auf die Couch pflanzen und den Rest des Sonntags vorm Fernseher abhängen.

Ich wünsche Euch den allerbesten Sonntag.

 

Eure Schnimpeline

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4 Kommentare

  1. 3. Juli 2016 / 8:37

    Lasst es Euch gut gehen, auf dem Sofa heute!

  2. Nadine
    3. Juli 2016 / 10:59

    Ich kann das alles so gut nachvollziehen – bin genau wie du nach der Trennung von 12 Jahren Beziehung vom Rhein zurück an die Saale. Euch auch einen schönen Sonntag☺️

  3. 3. Juli 2016 / 12:07

    Sehr schöner Artikel und adu bist auf einem sehr guten Weg. Es ist traurig, aber wahr, ein Ende bedeutet immer einen Neuanfang. Ich weiß, der Trauerprozess, besonders die zweite Phase – Aufbruch der Gefühle, ist sehr nervenaufreibend, aber da muss jeder durch, alles andere ist nur Verdrängung. Anfangs hat man das Gefühl, man würde nie wieder glücklich sein können … aber sich erst einmal durch die ganzen Gefühle durchgearbeitet, wird es besser. Jetzt geht es mir richtig gut, so gut ging es mir noch nie, man kann die Singlephase sehr gut dafür nutzen, sich selber wieder mehr wahr zu nehmen und sich gaaaanz viel Gutes tun. Denn unser Glücksempfinden hängt von Hormonen ab und da kann man sehr gut nachhelfen. Du machst das toll mit der Verarbeitung und Du wirst sehen, wie viel Du an Stärke dazu gewinnst. Wie ein Phönix aus der Asche. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und den Raum für Traurigkeit und einen starken Neuanfang, den Du Dir jetzt so gestaltest, wie Du willst. Liebe Grüße Julia

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