PRIVATSPHÄRE

Die Nachricht, die nie abgeschickt werden sollte…meine Wochengedanken aus KW06!

In der ersten Folge von Sherlock Holmes sitzt Dr. Watson bei seiner Psychologin und fragt sie, wie er sein Trauma bewältigen kann.

Sie empfiehlt ihm folgendes:

 

Schreiben sie einen Blog!

 

Ich hockte auf meinem Sofa und war müde und überarbeitet. Es war Sonntag, bereits spät am Abend und ich arbeitete immer noch. Ich war richtig schlecht drauf. Manchmal kommt eben alles zusammen. Schwierige Diskussionen mit dem Ex-Mann, zu wenig Schlaf und insgesamt zu wenig Zeit…zum abschalten.

Zu allem Überfluss gab es ein, nennen wir es mal Kommunikationsproblem zwischen Charlotte und mir.

Also schrieb ich….eine Nachricht….und ich packte alles in diese Nachricht, was mich so bewegte. Nicht nur bezogen auf das eigentliche Problem, sondern einfach alles, was mich so bewegte….Ängste, Sorgen, Probleme, etc.! Ich schrieb einfach alles runter….manchmal hilft das ja schon.

Und zum ersten Mal tat ich etwas völlig Verrücktes. Ich schickte sie nicht ab.

Ich dachte…“Andrea, sei schlau…du bist müde und überarbeitet…schlaf erstmal drüber. Wenn du morgen immer noch pissig bist, dann schickst du sie ab….wenn nicht….sei froh, dass du es gelassen hast. Vielleicht ist das Kommunikationsproblem mit deiner besten Freundin nur ein Ventil…für andere Dinge“.

Ich wachte auf und genauso war es. Ich war fröhlich und ausgeschlafen und das „Problem“ von Sonntagabend löste sich in Luft auf. Es war Montag und ich hatte Termine…mittendrin schrieb ich ihr und schickte auch einen Hotelvorschlag für unseren jährlichen, gemeinsamen Mädelsurlaub.

Was ich nicht bedacht hatte….

Die alte Nachricht war noch im Speicher….

Und ging mit raus!

Gute 2 Tage folgte dann ein hin und her! Der Klassiker.

Irgendwann saß ich an meinem Schreibtisch und musste lachen. Ich musste richtig lachen. Wie doof kann man eigentlich sein? Bis zu diesem Sonntagabend gab es kein Problem zwischen uns, was irgendeinen Klärungsbedarf hatte. Ganz im Gegenteil. Und diese Nachricht, die nie abgeschickt werden sollte, zauberte auf einmal Stress und Streit und doofe Gedanken in unsere Leben. Wir legten diesen Quatsch beiseite und genießen das, was wir haben….uns!

Früher wäre ich in solchen Situationen wenig selbst reflektiert gewesen. Ich hätte mir Hörner aufgesetzt und hätte vermutlich die Freundschaft beendet. Das muss man sich mal vorstellen.

Es kostet so viel mehr Arbeit sich selbst in Frage zu stellen. Denn in der Regel liegt ein Problem bei mir und nicht bei dem jeweils anderen. Es gibt unzählige Möglichkeiten mit diesen Situationen umzugehen.

Ewig und drei Tage habe ich Probleme und Schwachstellen anderer zu meinen Problemen gemacht. Ich habe mich eingemischt und Lösungswege gesucht und bin meistens erfolgreich gescheitert. Ich verstand manchmal nicht warum meine Leidenschaft nicht auf andere abfärbte. Meine Schwester und ich hatten jahrelang keinen oder nur sehr wenig Kontakt….ich habe immer versucht sie zu beeinflussen und das ging gehörig schief. Als ich das begriff und loslassen konnte wurden wir Schwestern und beste Freundinnen. Nichts, wirklich nichts steht mehr zwischen uns….seit Jahren.

Genauso war es mit den Mädels auf Sylt in den vergangenen Tagen. Wir wissen, dass wir Freiräume brauchen….jeder war alleine unterwegs und jeder hat sich Auszeiten im Appartement genommen und dann gab es da aber auch dieses intensive Zusammensein, aber ohne Erwartungshaltung an die Zukunft.

Natürlich wäre es großartig, wenn wir so was in einem regelmäßigen Turnus auf die Beine stellen könnten, aber in der Regel geht so was schief. Die Erwartungshaltung würde die Leichtigkeit nehmen, die wir auf Sylt hatten. Und genau deswegen gibt es keinen Plan. Es gibt Gedanken und Wünsche und Ideen….aber völlig ohne Druck. Mal gucken wohin es führt und wenn es nirgendwo hin führt…dann ist es auch völlig in Ordnung…dann hatten wir Sylt und werden diese Erinnerungen ewig mit uns herumschleppen.

 

 

Es ist ein Unterschied, ob ich nur für mich etwas will oder andere überzeugen möchte. Ich für mich kann machen und tun, was ich will. Ich kann an alles glauben und mir den Hintern wund arbeiten. Erstmal komme ICH ganz allein mit meinen Gedanken und dann fange ICH an das umzusetzen….nur für mich.

Wenn ich meinen Weg von anderen abhängig mache, dann ist das zum scheitern verurteilt. Wenn wir auf diesem Weg Menschen treffen, die gern mitgehen wollen…ist das etwas anderes. Dann kann man schauen, wie es passt und wie man Kompetenzen nutzt und gemeinsam stark wird.

All diese Weisheiten schützen uns nicht vor Ärger, Problemen, Missgunst, Neid oder sogar Hass, der uns immer wieder mal entgegenkommt. Und trotzdem ist es so unfassbar wichtig immer und immer wieder in den Spiegel zu schauen und hinzusehen. Es geht gar nicht darum sich ständig selbst in Frage zu stellen….wenn ich das tun würde, dann wäre ich mit nichts anderem mehr beschäftigt und ich bin viel zu pragmatisch, als das ich mich permanent mit so einem esoterischen Quatsch der Selbstliebe beschäftigen würde. Für den ein oder anderen Menschen mag das hilfreich sein…ich selbst mag klare Worte und klare Verhältnisse.

Und dann gibt es natürlich auch immer wieder die Menschen, bei denen man nicht weiterkommt, selbst wenn man all das anwendet. In diesem Fall gibt es nur noch einen Weg….Konsequenz oder auch konsequenten Abstand.

In all unseren Leben gibt es Menschen, die uns einfach nicht gut tun. Die uns fassungslos machen oder Dinge in uns hervorrufen, die uns an den Rand der Verzweiflung bringen. Aber auch hier liegt das Problem dann tatsächlich bei uns selbst….denn wir haben jede Möglichkeit uns zu lösen und eine Entscheidung zu treffen. Aber viele von uns quälen sich viel zu lange selbst und haben Angst davor einfach mal ganz klar zu sein und eben auch klar zu sagen „bis hierhin und keinen Schritt weiter“. Denn Entscheidungen bedeuten Konsequenzen und wir halten uns viel zu lange und zu gern in der Komfortzone auf und sind dann unglücklich und unzufrieden….und wundern uns auch noch drüber.

Die 4 Tage auf Sylt haben mich nochmal unfassbar bereichert in meinen persönlichen Gedankengängen. Sei es privat oder beruflich. Ich empfinde es selber so, als wäre ich auf einem Weg…auf einem richtigen Weg….aber ohne Druck. Bei mir hat es auch nicht funktioniert, in dem ich einfach den Schalter umgelegt habt….es war eine Entwicklung und ich habe diese Entwicklung gewollt. Es ist und bleibt ein immer fortwährender Prozess…und nur das macht es übrigens authentisch.

Im Übrigen bin ich im Nachgang ganz froh, dass ich Charlotte in dieser Nachricht nicht geschrieben habe, wie hässlich und fett sie eigentlich ist. Das ich es hasse, wenn sie morgens in meiner Küche Hirse kocht oder ihr Bett immer so aussieht, als hätte da keiner drin geschlafen. Und da sie ja hier nicht mitliest….und weil ja hier überhaupt keiner mitliest, kann ich das alles fröhlich runterschreiben….und selbst wenn…Ihr verpetzt mich doch ganz sicher nicht, oder?

Habt nen Knaller Sonntag!

 

Eure Andrea

 

PS: Der Song der Woche entfällt…ich hab echt keine Musik gehört…ich könnte Euch nur das Rauschen der Nordsee anbieten.

 

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