PRIVATSPHÄRE

This is me…

Wie glücklich darf ich sein und was muss ich dafür tun?

Ich habe uns Plätze in der obersten Reihe gebucht. Direkt in der Mitte. Es ist Freitag, fast 17 Uhr und das Kino ist noch so gut, wie leer. Der Film geht los und ab da habe ich einen Kloß im Hals. Ich bin ergriffen, traurig, begeistert, möchte aufstehen und applaudieren, laut mitsingen oder auch tanzen.

Die Zeit vergeht, wie im Flug. Am Ende laufen mir die Tränen und ich brauche einen Moment. Das waren 1,5 Stunden Show, Liebe, Fantasie, Drama. Ich weine, weil es so schön war. Weil es so schön ist, dabei zuzusehen, wie Menschen ihre Träume verwirklichen. Träume zu verwirklichen ist nicht nur Illusion oder ein Film.

Soll ich wirklich nochmal auf 2017 zurückblicken? Ist nicht schon alles gesagt? Alles geschrieben?

Fast ausnahmslos, habe ich jede Woche meine Gefühle, Wut, Angst, Glück, Trauer in Wochengedanken niedergeschrieben…verarbeitet. Muss ich 2017 wirklich dankbar sein oder reicht es, wenn ich mir selber dankbar bin? Und dann saß ich im Kino…weinte zu diesem Film und wusste, das ich etwas schreiben wollte….über dieses Jahr.

Im Januar 2017 hatte ich mich bewusst dazu entschieden etwas zu verändern. Es gibt nie irgendwelche Neujahrsvorsätze, die 2 Wochen später wieder in der Versenkung verschwinden. Es war ein Bauchgefühl und es gab diesen Wunsch, ganz tief in mir, dass ich so nicht weitermachen möchte, so nicht sein will.

Dezember 2016 war schwer. Sehr schwer. Mein Mann zog zu einer anderen Familie und das war hart. Nicht, weil ich ihn vermisste. Nicht, weil ich ihn noch liebte. Es war allein die Vorstellung. Wenn man 18 Jahre miteinander lebt, ein Paar ist, dann ist die Vorstellung, dass dieser Mensch all das auf einmal und ohne Vorwarnung austauscht…irgendwie bitter. Es war eine Extremsituation für beide Seiten. Er rief täglich an, weil er selber nicht wusste, was er tun soll, zu wem er gehen soll, wo er hingehört. Ich nahm meinen Sohn und mich vom Spielfeld. Ich wollte keinen Mann, der sich unsicher ist. Das hätte zu nichts geführt. Also ließ ich ihn gehen. Aber nur, weil ICH! das entschieden hatte, war es kein Stück leichter.

Und dann kam der Januar….

Ich wurde 40.

Ich fuhr mit Charlotte zur Ostsee.

Ich fuhr Ski in der Tiroler Zugspitzarena.

Ich reichte offiziell die Scheidung ein. Das Trennungsjahr war vorbei.

Es wurde besser. Da war wieder Boden unter meinen Füßen. Ich gewöhnte mich daran, dass der Mann, den ich geheiratet hatte, nun mit einer anderen Familie zusammenlebte.

Und dann kam der Februar….

Die ersten Winterferien standen an. In NRW gab es keine Winterferien und auf einmal waren da für uns diese 14 Tage, mit denen wir gar nicht so richtig wussten, was wir damit anfangen sollen.

Wir flogen 5 Tage nach Dubai.

Ich bin überhaupt kein ängstlicher Typ, aber ich war super aufgeregt. Es war die erste Reise, dieser Art, mit meinem Sohn alleine. Der erste Urlaub als nicht mehr ganz komplette Familie (aber wer definiert eigentlich was „komplett“ bedeutet). Es war einfach sehr emotional und trotzdem ganz wunderbar. Es war nicht nur wunderbar, es war großartig. Auf dem Rückflug fiel ein riesengroßer Druck von meinen Schultern und mir liefen die Tränen. Ich war stolz, glücklich….einfach alles auf einmal. Es war ein weiterer Schritt nach vorn.

Der Frühling ließ sich in Leipzig blicken und mir ging es immer besser. Mir ging es sogar so gut, dass ich den wohl schwierigsten Schritt, im Zuge dieser Trennung, ertragen konnte. Ich ließ meinen Sohn gehen. Ich brachte ihn zum Bahnhof, setzte ihn in den Zug und ließ ihn zu seinem Vater und seiner neuen Familie fahren.

Das ist eine hoch emotionale Situation. Für das Kind, für die Mutter, für den Vater. Es ist für alle ein enormer Druck. Als mein Sohn nach Leipzig zurückkam, saßen wir erstmal da und weinten. Es fühlte sich alles so fremd an.

Für mich persönlich war dieser Schritt sehr wichtig, weil es die letzte Hürde war, die ich gehen musste. Jedenfalls dachte ich, dass es die letzte Hürde wäre.

Im April fuhren wir mit Freunden nach Sylt. Wir verbrachten eine traumhaft schöne Woche. Es fühlte sich alles so gut an und ich fühlte mich geheilt, bereit für all das, was da noch kommen sollte. Und in genau dieser Phase meines Lebens, klopfte es nachts an der Tür und ich wurde erneut auf die Probe gestellt.

Mein Mann kam zurück.

Heute, also 8 Monate später, muss ich darüber schmunzeln. Es war wichtig. Wichtig diesen Schritt nochmal zu gehen. Ich wusste sehr viel besser, was ich wollte und noch viel besser, was ich nicht wollte.

Ich hatte mich nie darum gekümmert mit wem er zusammen war, wie es dort lief oder ähnliches. Ich schnüffelte nicht im Internet oder seinem Leben herum…ich schützte mich selbst. Ich wollte nie an den Punkt kommen mich vergleichen zu müssen und man vergleicht sich…das liegt in der Natur der Sache…in der Natur des Menschen.

Und dann, in der Zeit unseres Neuanfangs, kam dieser Anruf, der ganz viel veränderte. „Sie“ rief an. Es war völlig verrückt. Sie war der Meinung „mich mal aufklären zu müssen, weil ihr alles so leid tat“. Ich erfuhr Dinge, die ich nie hatte wissen wollen und trotzdem konnte ich nicht weghören.

Es war scheiße und es war heilsam. Scheiße, weil diese Frau mich dazu benutzte ihren eigenen Trennungsschmerz bei mir loszuwerden und heilsam, weil ich endlich wusste, warum all diese Dinge passiert waren. Es gab so viele Fragezeichen, die sich mit einem großen Knall aufgeklärt hatten.

Trotzdem hatte dieser Anruf nichts damit zu tun, dass unser Neuanfang scheiterte. Ich habe – offensichtlich – eine völlig naive Vorstellung davon, wie der Neuanfang eines Paares aussehen sollte. Es ist ein Weg, den beide gehen müssen. Miteinander reden, zuhören, verändern. Da sein, Partner sein, Freund sein, Liebhaber sein. Ich ging diesen Weg allein. Das begriff ich mit jedem Tag mehr. Mein Mann existierte nur, aber er war nicht wirklich da. Ich fühlte, dass er nichts fühlte. Ich fühlte, dass er nichts wertschätzte. Ich fühlte, dass ich es – für ihn – nicht wert war zu kämpfen.

Ich bat ihn also zu gehen. Mehrfach. Er kam immer wieder zurück. Und als er nicht mehr zurückkam, wusste ich….er ist wieder bei dieser Frau.

Dazu gäbe es sicher eine ganze Menge zu sagen. Aber, was viel wichtiger ist, ist die Tatsache, dass diese verrückten 4 Monate  noch mehr Energie, Motivation und Leidenschaft bei mir freisetzten, als es je zuvor der Fall war.

Ich bereue diesen Schritt an keiner Stelle. Er war für vieles gut und vor allem dafür, dass ich den Mut fand in eine größere Wohnung zu ziehen. Dieses Zuhause, ist mehr denn je, unsere Basis, unser Rückzugsort.

Es ist unfassbar schwer ein Wort zu finden, was 2017 beschreiben könnte. Keines dieser Worte könnte den vergangenen 365 Tagen gerecht werden. Es waren bombastische 365 Tage und ich blicke voller Glück, Zufriedenheit, Demut und Dankbarkeit darauf zurück.

Es war verrückt, anstrengend und absolut emotional.

Wir waren in New York. Eine Stadt, die mich nachhaltig beeindruckt hat. Eine Stadt, die ich im Moment vermisse, wie keine andere Stadt auf dieser Welt. Eine Stadt, die wir dieses Jahr wiedersehen.

Wir waren auf dem Open Air von Coldplay in Leipzig….eines meiner absolut schönsten Erlebnisse 2017.

Hugo ist eingezogen.

Wir verbrachten Weihnachten auf Sylt.

Wir feierten ein großartiges Silvester.

2016 war für Luca und mich ein Jahr der Findungsphase. Klarkommen mit der neuen Situation. Neue Stadt, neue Schule, neues Umfeld, alleinerziehend und auf einmal Patchworkfamilie. 2017 sind wir angekommen. Leipzig war nicht nur die Stadt, in der wir lebten…Leipzig fing an sich, wie ein Zuhause anzufühlen. 2018 ist es bereits 2 Jahre unser Zuhause….unfassbar.

All das wäre jedoch nichts ohne die Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten. Familie, Freunde…die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Meine Leser. Meine Follower. Selbst die, die gern mal stänkern.

Die letzten 365 Tage haben mich vieles gelehrt. Ich bin sehr viel kompromissloser geworden. Ich weiß, dass es manchmal nicht ohne einen Kompromiss geht, nur sind sie oftmals nicht genau das, was wir eigentlich wirklich wollen und es gibt viele Situationen im Leben, in denen man keinerlei Kompromisse eingehen sollte. Wenn sich das Bauchgefühl meldet, sollte man darauf hören.

Zum Thema Bauchgefühl und Intuition habe ich übrigens eine ganze Menge gelesen…das ist nämlich gar nicht dieser Hokuspokus, den man vielleicht dahinter vermutet…Wir sind nur oftmals große Meister darin unser Selbstvertrauen in die Hände anderer zu legen und uns steuern zu lassen. Nichts davon ist erstrebenswert.

Ich habe mich intensiv mit mir selber auseinandergesetzt. Mich gefragt, warum ich jetzt so oder so fühle und warum ich keinen Weg des Umgangs damit finde. Ich habe darüber gesprochen, darüber geschrieben und ich habe nach Lösungen gesucht. All das hat mir geholfen endlich einen Strich ziehen zu können. Die Trennung von meinem Mann hatte einfach mein ganzes Leben in seiner Verankerung erschüttert und ich musste erstmal einen neuen Weg finden. Das geht nicht von heute auf morgen und oftmals sind wir Marionetten unserer eigenen Gefühle. Das ist absolut ok…nur muss man es eben auch irgendwann erkennen und verändern. Das ist mir 2017 gelungen.

Die wichtigste Erkenntnis….nutze die Zeit sinnvoll und intensiv mit den Menschen, die Du liebst. Diese Zeit läuft weg…sie kommt nie wieder und sie lässt sich auch nicht mehr aufholen.

Ich möchte diesen Rückblick auf 2017 so enden lassen, wie ich ihn begonnen habe…..

Wir sitzen im Kino. Der Vorhang geht zurück.

 

Come alive

When the world becomes a fantasy
And you’re more than you could ever be
‚Cause you’re dreaming with your eyes wide open
And you know you can’t go back again
To the world that you were living in
‚Cause you’re dreaming with your eyes wide open
So, come alive!

(zum Song geht es hier..)

 

Lehnt Euch zurück, atmet tief durch und kämpft für Eure Träume. Für Euer Glück. Selbst, wenn man die Steine 100 mal aus dem Weg räumen muss. Es lohnt sich. Immer.

 

 

Seid naiv.

Träumt.

Habt Geduld.

Weint, wenn Euch danach ist. Tanzt, wenn Euch danach ist. Lacht (laut), wenn Euch danach ist.

Seid rücksichtsvoll, liebt und wertschätzt.

Seid nachgiebig.

Verzeiht.

 

No one ever made a difference by being like everyone else (Hugh Jackman)!

 

Ich wünsche Euch ein großartiges 2018.

 

Eure Andrea