PRIVATSPHÄRE

Wo will ich hin, wer will ich sein und worüber definiere ich mich…meine Wochengedanken aus KW43!

Wo will ich hin, wer will ich sein und worüber definiere ich mich...meine Wochengedanken aus KW43!

Ich hatte nie eine konkrete Vorstellung davon, was ich von meinem Leben wollte. Es ist äußerst bewundernswert, wenn man bereits in jungen Jahren weiß, welches Ziel man verfolgen möchte. Auf der anderen Seite halte ich das für die weniger gesunde Entwicklung, weil das Leben dynamisch ist.

Mein größter Traum war Menschen mit voller Leidenschaft in einem Gerichtssaal zu verteidigen. So, wie man es immer in diesen amerikanischen Filmen sieht. Aber es muss so ein alter Gerichtssaal sein und ich sah mich schon ein Plädoyer nach dem anderen halten und Fälle gewinnen. Ich bin ein lauter Mensch, ich hätte sicher was zu sagen gehabt….nur finde ich deutsche Gerichtssäle super langweilig.

Mich erreichte diese Woche folgende Nachricht:

 

Besorg dir lieber einen Mann und keinen Hund…

 

Viele von Euch haben es sicher schon auf meinen Social Media Kanälen gelesen. Es geht mir allerdings gar nicht um die Nachricht an sich oder das es Menschen gibt, die so was schreiben…das passiert ständig, wenn man irgendwie in der Öffentlichkeit steht. Ich habe trotzdem darüber nachdenken müssen.

Ich bin jetzt gut 2 Jahre Single mit kleineren Unterbrechungen. Es gab in dieser Zeit Momente, da habe ich mich selbst gewundert, wie wenig mir ein Mann, ein fester Partner in meinem Leben fehlt…zumindest im Moment. Es gibt ihn nicht…diesen Drang ständig vor die Tür zu gehen um „Männer zu besorgen“. Irgendwie ist das ein gutes Gefühl und manchmal macht es mir auch Angst. 18 Jahre war ich mit meinem Mann zusammen und ich fühle mich aktuell befreiter als je zuvor.

Es müsste jemand sein, der dynamisch denkt….der gern über das Leben diskutiert und philosophiert. Und es ist immer wieder der Humor…ich brauche Witz in meinem Leben…viel Ironie und Sarkasmus.

Ich definiere mich nicht über meinen Partner. Ich definiere ich über mich selbst…wer ich bin und vor allem, wer ich sein will. An dieser Stelle hat es mit meinem Mann nicht mehr funktioniert. Das weiß ich heute. Die Welt, in der mich bewege, hat mich aus einem Loch herausgeholt und mir gezeigt, das es  noch so viel mehr gibt, als diese tägliche Einbahnstraße. Das Hamsterrad hat mich krank gemacht. Für ihn war dieses Hamsterrad ok…ich wollte Veränderung…offensichtlich ein Problem vieler Paare heute.

Zu viele Kompromisse lassen die eigene Persönlichkeit verschwinden…es vergiftet die Atmosphäre und am Ende steckt man fest in Alltag, Gewohnheit und persönlichem Unglück. Eine Beziehung sollte nicht dazu da sein sich selbst und die eigenen Wünsche in den Schatten zu stellen…Eine Beziehung sollte vielmehr das Gegenteil sein, nämlich genau das zu tragen…

Es hat sich einfach so viel verändert…meine ganze Denkweise und was mir wirklich wichtig ist. Ich kann nicht sagen, ob es jemals dazu gekommen wäre, wenn mir nicht so sehr der Boden unter den Füßen weggerissen worden wäre…Wenn man etwas verliert, was einem mal wichtig war, dann wird man sehr viel demütiger und dankbarer für das was man hat. Es verändert den Blickwinkel auf so vieles….

Ich verstehe Menschen nicht mehr, die ständig mit dem Finger auf andere zeigen und sich tagtäglich darüber definieren, was andere tun oder auch nicht tun. Ich habe diese Diskussion ständig mit meinem Sohn und unsere Lebenseinstellung driftet da natürlich noch sehr weit auseinander, weil er in einem Alter ist, wo er sich ständig mit anderen beschäftigt und manchmal vorschnell urteilt. Er versteht natürlich (noch) nicht, dass mich das null interessiert.

Seit fast 20 Jahren träume ich davon mir eine Designertasche zu kaufen. Am liebsten eine von Louis Vuitton. Ich mag die Taschen einfach. In Leipzig bei Kaufhof gibt es zur Zeit einen Louis Vuitton Vintage Verkaufsstand. Ich bin hin, hab mir die verschiedenen Taschen angeschaut, angefasst, getragen….ich habe nichts gefühlt. Der Wunsch ist weg.

Das hat mich überrascht.

Es ist tatsächlich ein sehr befreiendes Gefühl sich selbst zu veranschaulichen, wer man eigentlich wirklich ist. Und ich bin nun mal einfach die Frau, die sehr gern mit Gummistiefeln, Regenjacke und Hund durch den Park rennt. Ich habe nicht einen einzigen hohen Schuh im Schrank.

Ich will mich einfach nicht täglich schminken oder immer, wie aus dem Ei gepellt aussehen. Unperfekt zu sein ist ein Bestandteil von mir und ich glaube es ist vielmehr eine Herausforderung diesen Teil der eigenen Person ohne Vorurteile anzunehmen, als täglich in den Farbtopf zu fallen und stundenlang die Haare mit der Rundbürste zu föhnen. Trotzdem bewundere ich Menschen sehr, die einfach immer toll aussehen und auch Zeit dafür verwenden….nur bin ich eben einfach nicht so. Das schließt aber nicht aus, dass ich mich mit mir selbst gut fühlen möchte. Ich bin halt nur näher an Outdoorkleidung, als am nächsten Fashionlook.

Dienstag zieht Hugo ein. Ein Havaneser Welpe. Bommel bekommt Gesellschaft. Wir bekommen Gesellschaft. Es ist genau das, was mich ausmacht. Der Weg nach draußen, der Spaß an der Erziehung und dieses Leben in der Bude. Ich könnte glücklicher nicht sein. Es war ein lang gehegter Wunsch, aber keine Entscheidung, die ich minutiös überdacht hätte. Ich wusste einfach das es richtig ist und zu uns passt und mehr braucht es doch im Grunde nicht.

 

 

Die wohl befreiendste Erkenntnis dieser Woche war, dass der Schmerz weg ist. Das die Wut weg ist. Es ist ein ganz, ganz merkwürdiges Gefühl. Ich versuche immer wieder in mich selbst hineinzuhören….aber da ist nichts mehr. Es ist erschreckend, aber es ist so, als wären die Jahre meiner Ehe nur noch ein leiser Schatten…..manchmal fühlt es sich sogar so an, als hätte dieses Leben nie existiert. Und auch, wenn 2 Jahre nach einer langen Zeit klingen….es war unfassbar kurz…aber die 2 Jahre hat es gebraucht.

Ich weiß nicht, ob sich jemand vorstellen kann, was das für mich bedeutet. Es gab Momente, da habe ich gedacht es geht nie vorbei…diese Trauer, diese Wut, dieser Schmerz. Ich hatte Angst vor Verbitterung und Hass. Ich habe ständig dagegen angekämpft. Nicht immer ist es mir gelungen.

In den letzten Wochen gab es Tage, da saß ich abends auf dem Sofa und dachte „oh wow…du hast heute gar nicht daran gedacht Andrea“. Ich habe mich quasi über mich selbst gewundert…und nun ist es zur Normalität geworden.

Wenn ich heute meinem Mann (noch sind wir verheiratet) gegenüber stehe, dann ist da einfach nichts mehr….keine Verbindung….2 völlig unterschiedliche Menschen, die unterschiedliche Dinge vom Leben wollen und beides für sich ist ok…nur eben nicht mehr gemeinsam. Ich hätte es wirklich niemals für möglich gehalten…ich habe meinen Frieden damit gefunden. Er ist der Vater meines Sohnes und das ist es wert eine Basis zu finden. Es macht mich glücklich Luca glücklich zu sehen und das war es wert hart an mir selbst zu arbeiten.

Natürlich gibt es Einschränkungen….ich bin auch nur ein Mensch. Für „diese Frau„, mit der er so lange ein Doppelleben geführt hat, empfinde ich nichts mehr als Mitleid und immer noch Abscheu….Jemand, der hier mit liest, weiß was ich durchgemacht habe, was Luca durchgemacht hat und mich dann anruft um sich mit mir zu „verbünden“ und im nächsten Moment wieder nach diesem Mann greift….hat nicht mehr als das verdient. Ich habe eben auch meine Grenzen.

 

Wer ich bin?

 

Ich bin tatsächlich einfach ich….

 

Wo ich hin will?

 

Erstmal ans Meer…mit Luca, Bommel und Hugo. Weihnachten 2.0 steht an. Wir definieren unser kleines Familienleben neu und es fühlt sich absolut großartig und richtig an.

 

Worüber ich mich definiere?

 

Über das, was mich glücklich macht….Gerade macht mich übrigens dieser Sturm da draußen sehr glücklich. Ich liebe dieses etwas unheimlich Geräusch und sehe, wie sich die Bäume im Wind biegen….

Ein wunderbarer Sonntag steht uns bevor….

 

Eure Andrea