PRIVATSPHÄRE

Hast Du einen Minderwertigkeitskomplex?

Ich habe heute einen interessanten Artikel einer, mir nicht bekannten, Bloggerkollegin gelesen.  Es ging dabei um den Erfolg von Bloggern und das man sich davon abgrenzen möchte, weil man nicht zum Mainstream gehören will.

Über eine Aussage bin ich ganz besonders gestolpert…sie ging ungefähr so:

 

„Ich lese doch lieber wieder kleinere Blogs, weil die mit mehr Leidenschaft und Spaß und Qualität geschrieben sind“.

 

Diese Aussage ist so sehr bei mir im Kopf rumgegeistert, dass ich tatsächlich ein paar Gedanken dazu aufschreiben muss.

Also zu allererst obliegt es natürlich komplett jedem selbst, wen er liest und was er liest und was er damit anfängt. Ich halte es jedoch für komplett falsch in Schubladen zu denken. Mir ist es auch irgendwie schleierhaft, warum man eine halbe Ewigkeit auf einer Welle mitschwimmt und sie dann im schlimmsten Fall mit Füßen tritt.

Vielleicht ist es auch tatsächlich eine Frage des Alters. Egal, welche Bilder ich sehe, ich habe äußerst selten das Bedürfnis sofort losstürzen zu müssen und eine Designertasche nachzukaufen (außer es geht um Tassen, da renne ich sofort los). Ich erfreue mich an schönen Bildern mit schönen Produkten und auch an schönen Menschen.

Ich glaube nicht daran, dass man Menschen aufgrund von Bildern, Blogposts oder Kooperationen mit Designern beurteilen kann. Wir sehen immer nur klitzekleine Ausschnitte aus verschiedenen Leben. Und ich weiß, wovon ich spreche. Natürlich können wir uns nicht alle 2 Wochen eine neue Dior-Tasche leisten, aber ist es wirklich das wovon wir uns angesprochen fühlen? Ist es wirklich die Frage, die dahinter stehen sollte? Muss man das tatsächlich tiefer ergründen?

Und müssen wir denn wirklich permanent die Frage nach Authentizität stellen?

Was hat eine Designertasche mit Authentizität zu tun?

Definiere ich mich darüber, habe ich ein Problem.

Definieren mich andere darüber, haben die anderen ein Problem. So einfach ist das.

Warum kann es uns eigentlich nicht völlig egal sein, wer was und wie trägt? Und vor allem wieviel Geld er dafür bezahlt hat! Oder ggf. dieses Produkt im Zuge einer Kooperationsvereinbarung zur Verfügung gestellt bekommen hat….

Und ist es nicht auch völlig normal, dass man sich selbst schön finden möchte? Wenn jemand dafür 20 Filter braucht…Bitteschön…warum nicht.

Kurze Anmerkung: Ich brauche das nicht, also die 20 Filter…ich bin auch so schön genug (nur damit das an dieser Stelle mal klar ist).

 

Die Frage ist doch tatsächlich…verliert man wirklich an Authentizität und Qualität, wenn man erfolgreich ist?

 

Ich habe jetzt so unfassbar viele Blogposts darüber gelesen in der Vergangenheit, dass es tatsächlich langsam anfängt zu nerven. Erst liest man hunderte Blogartikel darüber, wie man mit einem Blog erfolgreich werden kann und jetzt kommen lauter Blogartikel, die sich gegen den Erfolg richten.

Und dann immer diese Sätze:

 

also…ich gönne es denen ja….die arbeiten ja auch dafür…..aaaaaaber…

 

Ein Satz mit ABER ist ja prinzipiell schon mal ein toter und negativer Satz.

Wenn jemand erfolgreich ist, dann hat er in der Regel tatsächlich hart dafür gearbeitet und mit Sicherheit aufgrund der persönlichen Leidenschaft auch Glück gehabt. Aber das eine funktioniert nicht ohne das andere. Ich empfehle speziell an dieser Stelle gern noch mal das Buch „Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky.

 

Ist es wirklich so, dass die Qualität leidet, wenn man erfolgreich ist? Was genau ist eigentlich Erfolg?

 

Ist es nicht vielmehr so, dass der Antrieb Qualität zu liefern, vielmehr da ist, wenn sich so was wie Erfolg einstellt? Als ich z.B. vor 2 Jahren sah, dass während meiner Stoffwechseldiät die ersten Pfunde purzelten, war das ne riesen Motivation weiterzumachen und am Ende hatte ich 15 Kilo verloren und ich verhalte mich so, dass ich diese 15 Kilo auch nicht mehr zunehme.

Wenn sich für einen Blogger die ersten (vernünftigen) Kooperationen ergeben, dann ist das ebenfalls pure Motivation. Es ist, wie die Ernte nach einer sehr langen Dürre. Ist man einmal durch diese Dürre hindurch, möchte man auch nicht mehr zurück. Wenn ich in einem Hotel als Zimmermädchen anfange und ein paar Jahre später als Hotelmanagerin arbeite, möchte ich auch nicht wieder zurück an den Anfang. Das lässt sich also locker auf jeden einzelnen Job hinunterbrechen.

Erfolg ist aber nichts, was einfach so bleibt. Erfolg ist hart umkämpft. D.h. also, ist man einmal an diesem Punkt ist die Luft noch dünner und man muss noch härter arbeiten, als zu Zeiten der Dürre. Tut man das nicht, landet man ganz schnell wieder „in der Wüste“.

Jemand, der also Erfolg hat liefert nicht minder weniger Qualität ab. Ganz im Gegenteil. Und nur weil jemand Erfolg hat, verliert er nicht automatisch seine Authentizität oder Freude und Spaß an dem was er tut.

Erfolg duldet keinen Stillstand. Das ist einfach eine Tatsache. Auch das gilt für sämtliche Lebensbereiche…fernab vom Leben eines Bloggers. Wir wachsen bereits damit auf, wie wichtig Bildung und Weiterbildung ist und das man schnell im Abseits landet, wenn man auf Stillstand setzt und sich nicht bewegt. Und dabei reicht es völlig, wenn man vielleicht einfach nur persönlichen Leidenschaften nachgeht und sich intensiv damit beschäftigt.

Natürlich muss ich nicht alles gut finden, was der oder der oder der macht. Ich muss es nicht lesen, ich muss es nicht nachkaufen…ich bin der Lage freie Entscheidungen zu treffen.

Ich für meinen Teil lese kleine UND große Blogs. Ich lese die Blogs bei denen ich das Gefühl habe, dass dahinter ganz viel Leidenschaft steckt, die mich in Wort und Bild begeistern…! Ich bin doch nicht weniger authentisch, nur weil ich 20 Chloé Taschen im Schrank habe. Das sagt doch rein gar nichts über mich als Mensch aus….außer das ich vielleicht auf Taschen stehe und es mir leisten kann.

Mal ganz davon ab…hab ich keine 20 Chloé Taschen…ich habe nicht mal EINE richtige Designertasche. Aber wenn ich an diesen hübschen Dingern vorbeigehe, streichle ich sie und freue mich. Noch mehr freue ich mich aber, dass ich genau weiß, dass mich keine dieser Taschen glücklicher machen würde…also hab ich viel Geld gespart und gebe das lieber für Tassen, Deko und die Hundeschule für Hugo aus…Aber auch das sagt über mich nichts aus….weil es nämlich genauso gut sein kann, dass ich doch morgen loslaufe und mit einer Designertasche nach Hause komme. Es beweist allerhöchstens das ich eine stinknormale Frau bin (ok…stinknormal mit leicht verrückten Ansätzen).

Wenn ich anfange Menschen an Produkten und Erfolg zu messen, dann läuft irgendwas gehörig schief und zwar nicht in der Welt da draußen, sondern bei mir selbst. Dann sollte ich mich einfach nur fragen, ob ich nicht an irgendeiner Stelle unzufrieden bin und etwas verändern kann.

Eine Freundin von mir fährt Porsche, die andere fährt Jaguar. Beide leben in glücklichen Ehen. Ich fahre Fahrrad, bin alleinerziehend und mit meiner Ehe gescheitert. Leidet jetzt die Qualität unserer Freundschaften? Wäre das so, dann wäre ich der Verursacher, weil ich aufgrund der Umstände vielleicht einen Minderwertigkeitskomplex entwickelt habe….

Nur ist das nicht so….

Es ist super komfortabel und auch irgendwie cool mit einem Jaguar eine lange Reise auf der Autobahn zurückzulegen. Es macht Spaß. Ich sitze gern in diesem Wagen. Ich kann aber aussteigen, die Tür schließen und ihn vergessen. Ich definiere mich nicht darüber. Ich genieße…

Erfolg und Qualität, Leidenschaft und Spaß an der Sache schließen sich keineswegs gegenseitig aus. Das ist schlicht und ergreifend Schwachsinn.

Und das war das spontane Wort zum Dienstag….

 

Eure Andrea