PRIVATSPHÄRE

Warum es mir manchmal schwerfällt die Pubertät auszuhalten…meine Wochengedanken aus KW40!

Meine Wochengedanken und warum die Pubertät manchmal schwerfällt.

„Mama, du siehst aus wie immer…nur etwas heller“. Über Monate hatte ich mir keinen Friseurtermin mehr geleistet. 3 Stunden habe ich dort verbracht… Kopfmassage, Intensivkur und Föhnen inklusive. 130 Euro war ich los…und in den Augen meines Sohnes sah ich aus wie immer.

Unterhaltungen oder Diskussionen mit einem fast 13-Jährigen sind ganz oft, wie ein Spiegel. Sie schmettern einem recht ungefiltert die Wahrheit ins Gesicht. Dinge, die man nicht hören oder wahrhaben will. Manchmal frage ich mich, ob das Gen der Sensibilität mit Einzug der Pubertät flöten gegangen ist.

Meine Schwester erzählte mir letztens, dass meine Nichte (15) ihr einen Kaffee hingestellt hätte, als sie von der Arbeit nach Hause kam….ich bin geplatzt vor Neid. Wenn ich vollgepackt mit Einkaufstüten die Tür hereinkomme und vor mich hin ächze, kommt kein Mucks aus dem Zimmer rechts hinten in der Ecke. Es dauert dann aber meist keine 10 Minuten bis die Einkäufe inspiziert und für gut oder schlecht befunden werden. Irgendwas fehlt ganz sicher immer…Cola, Chips, Schokolade, Eis oder so.

Ich stecke mitten in der Pubertät oder nein mein Sohn steckt mitten in der Pubert und wir gemeinsam mittendrin und versuchen uns irgendwie zurechtzufinden. Selbstverständlich bin ich dauerpeinlich und meine Empfehlungen oder Ratschläge sind eher so „booooaaahhh Mama“.

Wo zur Hölle ist dieses Kind hin, was Nacht für Nacht vor meinem Bett stand und nur angekuschelt einschlafen konnte? Ich kaufe Schuhe in Größe 44 und ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal eine Kinderabteilung von innen gesehen hätte.

Von 30 Tagen im Monat komme ich ungefähr 27 Tage ganz gut klar…mit dieser Pubertät. Die anderen 3 Tage drehe ich irgendwie mit am Rad. Vielleicht (ganz sicher!) spielen da meine eigenen Hormone mit rein, aber es ist ja nun mal auch nicht jeder Tag, wie der andere. Und nicht jede verletzende Bemerkung kann ich unter „das ist gerade hormonell bedingt“ ablegen. Manchmal tut es eben echt weh und ist scheiße und da kann ich auch so richtig bockig werden.

Und natürlich fehlt manchmal der Partner. „Ein Partner in Crime“ sozusagen. Jemand bei dem ich mich ausheulen kann oder das man eben als Eltern in einer Einheit auftritt. Das alles allein abzufedern ist echt manchmal ne Herausforderung…es ist ja oft schon schwierig genug, wenn es noch einen gemeinsamen Elternhaushalt gibt.

Manchmal (sehr, sehr selten) lese ich im Internet nach. Weil ich dann selber denke, ich hätte irgendwie einen an der Waffel. Was ich dort lese beruhigt mich tatsächlich und es macht mir den Umgang etwas leichter. Es ist halt nicht ganz einfach zu verstehen, was da hormonell mit unseren Kindern passiert. Und wenn der Tagesinhalt nur noch aus chillen, schlafen und ansonsten „kein Bock“ besteht…dann macht man sich zwischendurch ernsthaft Sorgen.

In diesem Abschnitt des Lebens eine Richtung zu weisen ist Schwerstarbeit. Denn das, was Eltern (meist in guter Absicht) vermitteln wollen ist irgendwie uncool, peinlich und das kann ja eigentlich auch alles irgendwie nicht sein. Das wäre so, als würde man dem eigenen Kind das Schwimmen beibringen wollen…in der Regel endet das in Heulerei und Frustration.

Die Pubertät ist dazu da, das wir als Eltern lernen loszulassen. Das hat der liebe Gott ganz prima eingefädelt, denn manchmal (manchmal!) fällt es dann recht leicht loszulassen. Eltern sein ist der schönste Job und der schwierigste zugleich. Nichts hat mich je so sensibel und angreifbar gemacht wie Mutter zu sein. Es erfüllt mich mit großer Dankbarkeit ein eigenes Kind großziehen zu dürfen…ihn aufwachsen zu sehen. Manchmal frage ich mich ernsthaft, wie sein Vater diese langen Trennungen aushält…ich wäre noch nicht bereit dazu.

Und dann gibt es diese Momente, wo die Hormone weitestgehend stillstehen. Wo wir uns fernab von unserem Alltag in Leipzig einfach mal nur auf uns konzentrieren können, so wie zur Zeit in Österreich. Wir mussten manchmal so sehr lachen, dass wir kein Wort mehr rausgebracht haben und die Tränen liefen. Gott sei Dank ist Luca mit meinem sarkastischen Humor ausgestattet und dem Humor für absoluten Blödsinn.

 

 

Es ist beeindruckend, wie er mit unserer Situation umgeht. Wie er die vergangen 18 Monate in Leipzig gemeistert hat. Es war nicht nur mein Neuananfang…es war auch sein Neuanfang. Es stört ihn nicht im geringsten mit seiner ollen Mama über das Oktoberfest zu bummeln, Blumen zu schießen und Riesenrad zu fahren. Jeden Tag sind wir in der Zugspitzarena gewandert, sind die Bobbahn hinuntergesaust und haben ziemliche viele Schnitzel auf die Hüften gepackt.

Zuerst hab ich mich geärgert, dass er immer das Frühstück im Hotel verschlief und dann hab ich ihn einfach schlafen lassen, bin alleine gegangen und hab ihm was mitgebracht. Es sind Ferien…er ist einfach müde und schläft lang und mir war es egal, wann wir losziehen….Fakt ist: Wir SIND! losgezogen…jeden Tag und jeden Tag war es großartig. Der Blick auf die Uhr hat einfach keine Rolle gespielt.

Manchmal ist es nur eine kleine Nuance, die dafür sorgt, dass keine Konfliktsituationen entstehen. Außerhalb der Ferien klingelt jeden Tag um 06 Uhr der Wecker. Oft kommt er erst spät von der Schule heim….Wie könnte ich ihn also nicht verstehen? Wie oft bin ICH kaputt?! Und wie unfassbar dankbar bin ich für schlichte Gammeltage im eigenen Zuhause?

Er wird in Kürze 13. Fährt immer noch fröhlich mit mir in Wanderurlaube. WANDERURLAUBE! Welchen Grund sollte ich also haben meinen Willen durchzusetzen? Schließlich ist es gemeinsame Zeit und das bedeutet eben auch Rücksicht.

Die Kunst besteht darin „einfach lassen zu können“. Das gilt übrigens für alle Facetten des Lebens. Was sich für mich gut anfühlt, muss sich nicht zwingend für den jeweils anderen gut anfühlen. Manchmal ist es schwierig das zu akzeptieren. Vermutlich erst recht, wenn es sich um Kinder handelt, die noch irgendwie formbar sind.

Autorität und Respekt erarbeite ich mir nicht, indem ich meinem Sohn meinen Willen aufzwinge oder ihn hundemüde aus dem Bett werfe nur damit er mir beim Frühstück gegenüber sitzt, kein Wort redet und mit dem Kopf fast in der Wurstplatte hängt.

Die letzten 5 Tage haben mir wieder gezeigt, wie gut wir eingegroovt sind. Das ich diese gemeinsame Zeit als ein Geschenk annehme. 13….wow….bald ist es soweit und wir alle wissen, dass die Zeit dieser gemeinsamen Reisen langsam abnehmen wird…verständlicherweise. Jedes einzelne Mal, wenn wir unterwegs sind, wird mir bewusst, wie intensiv diese Tage sind…im Alltag geht oft was verloren…leider. Das ich alleinerziehend bin macht es nicht wirklich einfacher, auch wenn ich sehr bewusst darauf achte.

Pubertät ist also irgendwie doof und irgendwie doch nicht. Gelassenheit heißt das Zauberwort für uns Eltern….der Rest findet sich, wie immer im Leben.

In den Bergen ein bestimmtes Ziel zu erreichen ist an vielen Stellen anstrengend, beschwerlich und manchmal sogar nicht ganz ungefährlich. Zwischendurch schimpft man, es wird viel gelacht und gequatscht. Und dann kommt man an….es breitet sich ein Gefühl von Glück im ganzen Körper aus. Die Natur einatmen und am besten nie wieder ausatmen. Ganz ähnlich ist es mit einem Kind…manchmal wirklich anstrengend und immer irgendwie emotional. Eine ständige Herausforderung.

Manchmal, wenn wir uns streiten…sagt mein Sohn zu mir „Mama, ich mache das nicht mit Absicht…ich weiß auch oft nicht was mit mir los ist im Augenblick“. Das sind die Momente, in denen ich ihn ansehe und genau weiß, was er meint…die blöden Hormone (ich könnte ein Lied davon singen). Ich bin unfassbar stolz auf ihn.

 

Warum eine Wanderung zum Seebensee unfassbar glücklich macht und was man beachten sollte...Urlaub in Österreich!

 

Gestern sind wir von Lermoos nach Biberwier gewandert. Das ist ein wunderschöner Weg mitten durch das Tal und Almwiesen. Es war wie im Bilderbuch. Der Himmel blau, die Sonne schien…ein Reh kreuzte unseren Weg. Wir fuhren mit der Marienbergbahn zur Sunnalm, futterten Schnitzel und rasten die Sommerrodelbahn mit den Bobs wieder hinunter. Wir verliefen uns auf dem Rückweg…es wurde schon dunkel. Wir besprachen unsere neuen Pläne für Leipzig (da kommt nämlich in gut 3 Wochen etwas ganz wunderbares auf uns zu) und wir waren uns einig, dass wir die kleinen Orte in Österreich lieben, aber das wir uns ein Leben außerhalb der Stadt nicht mehr vorstellen können

Natürlich werde ich ihn vermissen, diesen gigantischen Blick auf die Zugspitze. Dieses Panorama ist einfach umwerfend und man kann gar nicht aufhören hinzuschauen. Aber ich kann ganz beruhigt „Tschüss“ sagen….wir kommen ja wieder.

Es geht also wieder zurück nach Leipzig heute. Nach Hause. Wir freuen uns.

Hoffen wir einfach mal das die Züge wieder vernünftig fahren und wenn nicht….gibt es sicher auch eine Lösung.

Habt einen zauberhaften Sonntag.

 

Eure Andrea

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