PRIVATSPHÄRE

Trauer, Konsequenzen und Stolz…meine Wochengedanken aus KW38!

Trennung verarbeiten!

Freitagvormittag habe ich irgendwie den Haushalt hin und her geräumt und bis es soweit war, dass ich mich an den Schreibtisch setzen konnte, war es auf einmal Nachmittag…ohne das ich irgendwie rumgetrödelt hätte.

Meine Augen brannten und tränten wie verrückt und parallel dazu machte sich unfassbare Müdigkeit breit. So richtig bleierne Müdigkeit gegen die man einfach nicht ankämpfen kann. Ich legte mich hin und konnte nicht wieder aufstehen. Die Vorstellung das Wochenende nach Hannover fahren zu müssen machte es nicht wirklich besser. Ich hatte das Gefühl 3 Tage am Stück liegenbleiben zu müssen.

Die ganze Woche stand unter keinem richtig guten Stern und ich frage mich dann oft warum das so ist. War ich doch die 14 Tage davor bester Laune und Motivation und dann schleicht sich heimlich, still und leise ein kleines Monster von hinten an und legt mich flach…einfach so. Ich bin dann faktisch handlungsunfähig….Da legt sich eine Depression über meinen Körper und macht was sie will und ich kann einfach nur in diesem Moment akzeptieren, dass es eben so ist und mir das nehmen was ich brauche….Ruhe und Abstand, keine Geräusche….

Manchmal gibt es da diese lähmende Angst. Ich stehe da…mit meinem Sohn und funktioniere ganz oft einfach nur. Meine Familie lebt 500 km weit weg. Der Vater meines Sohnes lebt….ich weiß nicht wo (ich weiß es tatsächlich nicht) und ich bin faktisch in kompletter Alleinverantwortung für unser Leben unterwegs und brenne manchmal aus. In Summe bleibt mir vielleicht ein Tag alle 2 – 3 Wochen, der ohne diese Verantwortung ist und wenn dann auf solche Tage auch noch der Job fällt (so, wie an diesem Wochenende)….bleibt halt nur wenig Luft für mich selbst.

Die tatsächliche Herausforderung besteht für mich allerdings gar nicht so sehr in dieser alleinigen Verantwortung. Das bekomme ich ja sogar ganz gut hin und die Zeit mit Luca ist jedes Opfer wert. Das ist einfach so.

Die eigentliche Herausforderung ist die Tatsache, dass es so unfassbar schwer ist einen Weg mit dem Ex-Partner zu finden. Ich muss wirklich sehr oft darüber nachdenken. Die Tatsache, dass man durch ein Kind verbunden ist, lässt sich eben nicht so leicht wegdiskutieren. Auch, wenn man diesen Menschen vielleicht gern aus dem eigenen Leben streichen möchte. Ich bin sowieso die meiste Zeit mit meinem Sohn alleine…warum also nicht komplett? Nun ja….das ist ganz einfach zu beantworten….es geht nun mal nicht nur um mich.

Man müsste meinen das es einfacher wird. Bisher kann ich das nicht bestätigen. Für mich ist das immer wieder eine emotionale Achterbahnfahrt und ich kann gar nicht so richtig erklären warum….Nein, das stimmt nicht….ich könnte es erklären, aber das würde an dieser Stelle einfach viel zu weit führen.

In den vergangenen Tagen habe ich mich mit einer, nennen wir sie mal „Freundin“, unterhalten. Sie steckt seit 2 Jahren in einer ganz ähnlichen Situation. Fast schon zu ähnlich….so ähnlich, dass es manchmal für einen Gänsehautfaktor sorgt. Eine Frau, die ganz genauso, wie ich mit beiden Beinen im Leben steht und für ihren eigenen Erfolg und das eigene Auskommen mit den Kindern sorgt. Es ist sehr beruhigend zu sehen und zu hören, dass auch sie weint….das Gefühle einen überrollen….dass man einfach nie begreifen wird, was da eigentlich passiert ist.

Vermutlich ist das so etwas wie Trauerverarbeitung mit sich selbst.

Vor gut 2 Wochen saß ich am Schreibtisch und irgendwann an diesem Tag überkam mich so ein Gefühl….da war doch irgendwas. Bis es mir einfiel….es war unser Hochzeitstag. Ich verschob diesen Gedanken und arbeitete weiter.

Am Freitag saß ich an meinem Schreibtisch und da waren sie auf einmal da….die Tränen, die Trauer, der Schmerz. Die Fassungslosigkeit darüber das ich diesen Tag einfach so wegschieben konnte. Alle Erinnerungen kamen hoch…die Kutsche, das glückliche Gesicht meines Mannes über seine bezaubernde Braut, das Ja-Wort in der Kirche….unsere Hochzeitsreise….die Entdeckung unserer gemeinsamen Liebe für Sylt. Die ganze Welt lag vor uns…..

Und heute?

Sprechen wir so gut wie kein Wort miteinander. Ich weiß nicht was er tut, noch wo er lebt. Unser Sohn hat einen „alle 2 – 3 Wochen Wochenend-Vater“. Manchmal kann ich ganz gut damit leben und es verschwindet aus meinem Kopf und dann holt mich dieses „warum, wieso, weshalb“ mit voller Wucht wieder ein. Mir fehlen einfach Antworten auf viele Fragen.

Die vergangenen 2 Jahre waren emotional ein Albtraum. Es war so verdammt schwer dabei zuzusehen und immer wieder belogen zu werden. Mich überkam irgendwann das Gefühl, das es völlig egal ist, was ich mache….kein gewählter Weg führte irgendwohin.

Jeder lebt eben in seiner eigenen Realität und das ist manchmal schwer zu akzeptieren. Ich arbeite täglich daran und es gelingt mir mal gut und mal weniger gut.

Manchmal möchte ich ihn nur schütteln, anschreien und beschimpfen und dann gibt es da diese vielen Momente, wo ich ihn in den Arm nehmen möchte um ihm zu sagen, dass er mir immer noch sehr wichtig ist. Das diese Verbindung zwischen uns vermutlich nie aufhören wird. 18 Jahre bedeuten ganz viel Erinnerung, viele, gemeinsame erste Male. Wir konnten die Sätze des jeweils anderen beenden. Wir wussten gegenseitig wie wir ticken und konnten unsere Macken akzeptieren. Lange waren wir ein Team, Partner, Liebende und Eltern. Und trotzdem hat es irgendwann nicht mehr gereicht. An irgendeiner Stelle gab es verschiedene Wege und jeder von uns hat eine andere Abbiegung genommen.

2 Jahre später geht es nicht mehr darum, was aus welchem Grund und warum passiert ist. 2 Jahre später ist man in der Verarbeitung der Trauer um diesen Verlust angekommen. Das bedeutet eigentlich das es den Großteil der Zeit wirklich ok ist….aber manchmal kommt ein dunkles Loch und zieht einen ganz tief runter. Ganz sicher ist das völlig normal. Es ist um ein Vielfaches besser geworden, als noch vor einem Jahr, nur lässt es sich eben noch nicht ganz abschütteln….vermutlich wird es sich nie wirklich ganz abschütteln lassen.

Ich bewundere in dieser Hinsicht unseren Sohn, dem die emotionalen Querelen seiner bekloppten Eltern vollkommen egal sind. Der sich nie gegen seinen Vater oder gegen seine Mutter stellen würde, der mit seinen 12 Jahren schon ganz klare Prinzipien hat und überhaupt nicht mehr beeinflussbar ist. Kinder sind wie großartige Spiegel. Sie zeigen einem sehr klar, dass man gerade mal wieder nicht mehr alle Latten auf’m Zaun hat und das völlig zu Recht…auch, wenn sie den Umfang der Probleme nicht wirklich erfassen können…aber unterm Strich machen wir uns den Umfang unserer Probleme ja auch komplett selbst. Theoretisch könnten wir es auch einfach lassen…..praktisch stehen uns dann Stolz & Co. im Weg.

Manchmal versuche ich mich zurückzuerinnern…in diese Zeit, in der ich gedacht habe alles ist irgendwie sicher. Wir hatten uns, unsere geregelten Tagesabläufe….wir 3 und Bommel waren eine Einheit…dachte ich jedenfalls. Das war etwas sehr wertvolles. Was mich erschreckt ist die offensichtliche Austauschbarkeit. Nicht nur bei uns…ich sehe das ja auch bei anderen. Ich frage mich wirklich ob das geht…kann man Menschen einfach austauschen…bleibt nicht irgendwie immer ein fader Beigeschmack? Erinnerungen, die einen immer wieder überrennen?

Ein ehemaliger Freund hat mittlerweile die 3. Frau am Start und das 3. Kind ist unterwegs. 3 Frauen, 3 Kinder. 2 Familien ausgetauscht. Kein Mann kann 3 Kindern von 3 verschiedenen Frauen als Vater wirklich gerecht werden. Es ist schon schwierig genug mit einer „Ex-Familie“ und denkt Frau Nummer 3 denn wirklich, es würde keine Nummer 4 geben?

Natürlich bin ich selber noch an vielen Stellen verletzt. Ich wünschte die Heilung würde schneller vorangehen. Das ist aber nichts, was ich beeinflussen kann. Die Seele nimmt sich die Zeit, die sie braucht. Ich kann immer nur wieder versuchen damit umzugehen, mich selbst reflektieren…und das ist ein scheiß verdammt steiniger Weg.

Die Schwierigkeit für alle kommenden Männer besteht darin, dass ich mich auf keine faulen Kompromisse einlasse. Mag ja sein, dass meine romantische Vorstellung einer Beziehung antiquiert ist….aber dann lasse ich eben die Finger davon und konzentriere mich lediglich auf Spaß. Mein Ex-Mann hat sich nach einer Frau gesehnt, die lieb ist…voller Bewunderung und ohne diese sehr direkte Art. Nach einer Frau, die seinen optischen Vorstellungen entspricht. Ich bin das komplette Gegenteil von dem, was er eigentlich wollte….offensichtlich war ich ein jahrelanger Kompromiss. Das ist bitter, jedoch sehr lehrreich…für mich.

Ich bin in jeder Hinsicht bereit mich zu öffnen, mich selbst zu überdenken….Der Punkt ist allerdings…ich mag mich. Ich mag meinen Sinn für Humor, meine Tiefsinnigkeit, meinen Sinn für Romantik und meinen Glauben an die Liebe. Ich mag meine offene Art für Sex und Leidenschaft….überhaupt für Leidenschaft. Ich bin ein unfassbar leidenschaftlicher Mensch. Einer, der an den Strand geht und sein Glück rausschreit. Ich mag diesen direkten Menschen in mir…auch wenn er mir manchmal etwas Angst macht. Ich bin ein Cowboy, mit dem man um jede verdammte Uhrzeit Pferde stehlen kann….

Es war also in jeder Hinsicht eine dieser emotionalen Wochen, die immer mal wieder mein Leben in irgendeiner Form beeinflussen. Es tut gut darüber zu schreiben und die wilden Gedanken in Worte zu formulieren. Ich weiß, dass es wirklich vielen von Euch so geht und das es einen fertig macht…weil man denkt, man dürfe nicht mehr trauern oder verzweifelt sein….es ist doch schon sooooo viiiiiiiel Zeit vergangen. Sprecht es aus, wenn es Euch scheiße geht….sucht Euch die Menschen, die Euch verstehen und die immer zuhören…es gibt sie…ganz sicher! Eine Trennung verarbeiten braucht Zeit….nehmt sie Euch.

Ich genieße jetzt gleich erstmal das Hotelfrühstück und setze mich dann entspannt in den Zug Richtung Leipzig. Ich werde vom Hauptbahnhof ein paar hübsche Blümchen für mein gemütliches Zuhause mitnehmen und dann werde ich wählen gehen…das solltet Ihr übrigens auch tun.

Ich wünsche Euch einen zauberhaften Sonntag.

 

Eure Andrea