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Wollen & Haben…meine Wochengedanken aus KW36!

Ü40 LIFESTYLEBLOG: Wollen & Haben - Wochengedanken aus KW36!

Ich glaube, es ist der erste Sonntag seit richtig langer Zeit, der vollkommen nach meinem Geschmack ist. Die Sommerferien, die Reisen und dann am Ende der Umzug….wenn ich auf die vergangenen 2 Monate zurückblicke, dann wirkt das auf mich selbst ziemlich atemlos.

Es ist ein bisschen so, wie im Bootcamp…dann, wenn es besonders weh tut, sollte man weitermachen…über sich selbst hinauswachsen. Vielleicht bin ich auch deswegen ein Fan dieser sportlichen Aktivitäten. Aufgeben und Kopf in den Sand stecken, scheint irgendwie keine Option für mich zu sein.

Bis auf ein paar Kleinigkeiten ist unsere neue Wohnung komplett fertig. Ich habe mich auch an die Größe gewöhnt und kann es mittlerweile auch genießen. Wenn man so liest, was ich schreibe, könnte man denken ich würde auf 200 qm leben. So ist es ja aber gar nicht…trotzdem waren die 20 qm mehr (von 60 auf 80) gewöhnungsbedürftig. Ich stelle mir einfach zwischenzeitlich sehr oft die Frage, was ich wirklich brauche und was genau will ich noch vom Leben? Waren 20 qm mehr wirklich notwendig? An dieser Stelle (und auch an vielen anderen) habe ich aufgehört mich selbst fertig zu machen, sondern bin einfach – gemeinsam mit Luca – glücklich über diesen Umstand.

Ich hatte endlich Zeit mich Game of Thrones ab Staffel 6 zu widmen. Das hatte ich mir aufgehoben für ruhigere Abende und jetzt war es genau richtig. In irgendeiner der Folgen sagt Sanza Stark ungefähr folgenden Satz:

 

Ich habe immer darüber nachgedacht, was ich wollte, habe aber nicht gesehen, was ich schon hatte.

 

Speziell im letzten Jahr war mein Leben davon bestimmt immer wieder dafür sorgen zu wollen, dass es meinem Umfeld gut geht. Ich wollte eine ausgewogene Beziehung zwischen meinem Sohn und seinem Vater herstellen und habe mich viel zu sehr reingehangen. Faktisch habe ich einen aussichtslosen Kampf für einen  anderen geführt. Ich habe immer wieder auf Absprachen und Besuchsregelmäßigkeiten gepocht. Wie man das halt so macht, wenn man ganz neu in so einem Dilemma steckt. Gott war das anstrengend…..und bis heute hat sich an der Gesamtsituation nichts verändert.

Es hat lange gedauert, bis ich locker lassen konnte. Bis ich begriffen habe, dass es ja gar nicht MEIN Kampf ist. Das ich nur darauf schauen muss, dass es uns hier vor Ort gut geht. Das die Beziehung zwischen meinem Sohn und MIR stimmt. Das die Beziehung zu meiner Familie und meinen Freunden stimmt. Ich muss gar nicht dafür sorgen, wie es „anderen mit anderen“ geht. Was für eine Erkenntnis! Offensichtlich bin ich auch noch mit 40 lernfähig.

Ich spreche oft mit Frauen, die in ganz ähnlichen Situationen stecken. Die vielen Gespräche haben dafür gesorgt, dass ich eines ganz und gar nicht will….einen Kampf aus Eitelkeiten. Es geht dann nur noch um Geld und verletzten Stolz. Die ständige Frage nach dem „was steht mir zu?“. Vor allem, wenn eine Trennung eher suboptimal verlaufen ist….aber welche Trennungen verlaufen schon optimal?

Ich sage es Euch ganz offen…es ist mir scheiß egal, was mir – vielleicht – zusteht…egal aus welcher Perspektive. Das ist eine Frage, die ich mir in keiner Sekunde je gestellt habe. Ich könnte mich damit beschäftigen…ja…ganz sicher. Ich kann es aber auch lassen.

Vor gut 2 Wochen stand ich auf dem Dachboden und hing Wäsche auf. Die Sonne schien durch die Dachfenster. Ich war in guter Stimmung. Und es überkam mich so ein Gefühl. Es war so, als wäre auf einmal alles klar. Warum zur Hölle stellte ich mich denn ständig in Frage? Ich habe mir vor 16 Monaten meinen Sohn geschnappt und bin mit ihm komplett neu gestartet ohne Netz und doppelten Boden. Er ist diesen Weg mitgegangen…mit mir. Ich habe das große Glück mein Kind jeden Tag aufwachsen zu sehen, seinen Alltag mitzuerleben…Familie zu sein, wenn auch nur zu zweit. Er wird 13…und es wird nicht mehr lange dauern, dass er eigene Wege gehen wird. Die intensive Zeit, die wir miteinander haben, ist ein kostbares Gut.

Kein Geld dieser Welt, kein verletzter Stolz, keine Eitelkeit…könnten dieses Geschenk aufwiegen. Ich würde stattdessen alles dafür tun, es selbst zu schaffen – für uns!…anstatt darauf angewiesen zu sein, dass irgendjemand auf dieser Welt für mein persönliches Glück verantwortlich sein könnte.

Charlotte hat mir vor einiger Zeit die richtige Frage am Telefon gestellt:

 

Was würde passieren, wenn du einfach nichts mehr tust, Andrea?

 

An der Gesamtsituation hat sich nichts geändert. Alles ist so, wie es war. Ich habe lediglich meinen Umgang damit angepasst und mich darauf besonnen, was ich habe. Es war nur eine simple Frage, aber sie hat nochmal so viel bewirkt bei mir.

Ich bin gesegnet mit einer sehr besonnenen Familie, einer absolut großartigen Schwester und wunderbaren Freunden. Niemand hat mich je dazu gedrängt, mich in Boshaftigkeiten zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Ich wurde einfach nur immer wieder aufgefangen, wenn es mir nicht gut ging. Meine eigenen Gedankengänge wurden weitergedacht und auf die richtigen Wege gebracht…gepaart mit meinem Bauchgefühl fühlt sich das alles absolut richtig an.

Seit einiger Zeit habe ich übrigens meine Social Media Aktivitäten am Wochenende auf ein absolutes Minimum reduziert. Ich lasse ganz oft mein Smartphone einfach daheim oder es liegt unberücksichtigt in der Küche herum. Irgendwie hat sich auch hier eine gute Mischung ergeben und die Wochenendpausen tun richtig gut. Das war überhaupt keine bewusste Entscheidung…eher so ein Prozess. Ich empfehle es aber sehr gern weiter….man benötigt nicht mal ein Rezept.

Es war/ist eine ganz wunderbare Woche. Ich bin so unfassbar froh, dass dieser Umzugsstress hinter mir liegt und ich endlich wieder Zeit für Luca habe und auch die Dinge, die ich selber für mich umsetzen möchte. Ich mache fleißig Sport, besuche Weiterbildungskurse und nehme mir Zeit für Freunde…und vielleicht starte ich ja nun doch in Kürze endlich mal mit meiner Singlekolumne für „erwachsene Frauen“.

Ich HABE sehr viel mehr, als ich je WOLLEN könnte…

 

Eure Andrea