PRIVATSPHÄRE

Es gibt keinen Kompromiss für die Liebe…meine Wochengedanken aus KW31

Es ist noch alles ziemlich unwirklich. Ich stehe auch irgendwie völlig neben mir. Ich stehe morgens auf und auf einmal ist alles so groß. Es ist irgendwie befreiend und es ängstigt mich auch.

Ich sitze in dieser traumhaften Wohnung bin glücklich und habe Zweifel. Die Sonne scheint durch die Fenster, die Balkontür steht offen und ich hocke auf meinem Sofa. Bommel hat sich an mich gekuschelt…vor mir stehen Tee und Kaffee. Es ist ein sehr zufriedener, sehr ruhiger Moment. Ein Moment um sich endlich mal wieder mit mir selbst auseinanderzusetzen.

Ich wünschte, ich könnte über das schreiben, was mich in den letzten 3 Monaten belastet hat. Was, wie ein Torpedo durch mein Leben gezogen ist, alles über den Haufen geworfen hat um dann wieder abzuziehen. Ich kann es aber nicht. Meine Gedanken zu diesem Thema sind zu wenig geordnet und dieser „Windstoß“ hat keinen Platz in meinen Wochengedanken verdient.

 

You just want attention…

 

Ich könnte mich jetzt fragen warum mir dieses oder jenes passiert. Ich könnte mich aber auch fragen, was ich denn nun mit diesem Windstoß anfange. Vielleicht ist es das, was mich NICHT erschüttert. Aus jeder Situation konnte ich etwas extrem positives für mich mitnehmen. Ich habe gelernt, das ich weitergehen kann…so schwer es mir auch erscheinen mochte.

 

You don’t want my heart…

 

Charlotte und ich hatten auf Mallorca viele, lange, schöne und wichtige Gespräche miteinander. Sie meinte, dass sie gar nicht weiß, wie ich das alles immer schaffe. Eigentlich stelle ich mir diese Frage nicht wirklich. Ich denke eher darüber nach, woher das wohl kommt…das ich so agiere, wie ich eben agiere und voller Tatendrang zur nächsten Aufgabe übergehe. Als sie mich das fragte, liefen mir die Tränen….ich sah meine Mama vor mir….und in dem Moment hab ich mich gesehen. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, was sie alles auf die Beine gestellt hat (und sie hat auch heute immer noch nicht damit aufgehört).

Und dabei darf man nicht vergessen, dass wir mit unserer Ausreise von Ost nach West komplett neu anfangen mussten. 4 Monate haben wir als Familie in einer Schule gelebt, mein Papa war Fernfahrer und oft viele Tage am Stück unterwegs um uns ernähren zu können. Meine Mama hat mit uns 2 Mädels fast alles alleine gestemmt….meist ohne Auto. Anfangs haben wir uns zu dritt ein Fahrrad geteilt um die Einkäufe nach Hause zu schleppen…

Meine Eltern haben mir…unbewusst…ganz viel dieser Willensstärke mit auf den Weg gegeben. Nicht einfach abzuwarten, sondern selbst das Leben in die Hand zu nehmen…

Leipzig ruft viele emotionale Erinnerungen hervor. Früher haben wir ggü. der Stiftung gewohnt, bei der ich heute selber eine Wohnung angemietet habe. Mein Papa hat die Platten für die Plattenbauten in Grünau transportiert. Er hat eine Kraz gefahren mit einer orangefarbenen Fahrerkabine. Ich bin in den Ferien oft mitgefahren….meine Kindheit war großartig…im Osten.

Der erneute Umzug….innerhalb von 16 Monaten…er hat mir ganz viel Kraft abverlangt…schon bei der Entscheidung. Ich war bis vor gut einer Woche immer noch kurz davor umzudrehen. Aber dann war der Maler da, meine Küche, das Sofa wurden abgeholt…es gab kein zurück mehr. Und jetzt gehe ich immer noch ganz vorsichtig durch die neuen Räume, bleibe ganz oft stehen, atme ein und lasse alles auf mich wirken.

Die Gestaltung der Wohnung habe ich meinem Bauchgefühl überlassen. Ich bin irgendwie niemand, der sich Pinboards anlegt oder Zeitschriften wälzt. Ich schaue mir gern Living-Bilder bei Instagram an, aber das war es auch schon. Natürlich nimmt man sich auf diesem Weg Inspiration mit…aber genauso soll es ja auch sein…zumindest so lange es Inspiration bleibt und nicht in einer völligen Kopie endet.

Ich hätte nie gedacht, dass 20 qm mehr so viel ausmachen. Es ist auf einmal so, als hätte ich Luft zum atmen in meinen eigenen 4 Wänden. Ich bin mit dem großen Bad und der Küche noch richtig überfordert. Ich sag es Euch ganz offen…größer als 80 qm würde ich es nicht mehr haben wollen. Hinzukommt, dass die Wohnung wirklich großartig geschnitten ist….und dieses Gefühl, wenn ich morgens die Balkontür zu meinem Wohnzimmer aufmache…ist so richtig voller Glück. Vermutlich strahle ich in diesem Moment immer über mein ganzes Gesicht….

Ich bin kein unbeständiger Mensch. Auch, wenn es vielleicht im Augenblick so wirken mag. Das Leben hat mich faktisch vor 2 Jahren in eine völlig neue Situation „hineingezwungen“ und seitdem befinde ich mich in einem permanenten Veränderungsprozess. Es dauert seine Zeit bis man die Gewohnheit von 17 Jahren hinter sich lassen konnte und den richtigen Weg für sich gefunden hat. Wenn man ewig in einer Ehe gesteckt hat und dann alleine lebt…ist auch das eine Herausforderung. Vielleicht sogar die größte Herausforderung…

 

Kann ich wirklich mit mir alleine leben?

 

Das war die Frage, die die größte Panik in mir verursacht hat und dabei bin ich prinzipiell ein Mensch, der gut mit sich alleine sein kann….aber es ist dann auf einmal ein anderes „allein sein“.

Und „allein sein“ ist ja irgendwie auch ein Makel in unserer Gesellschaft. Die Liebe ist ein gutes Geschäft und eine Basis für ziemlich viele Kompromisse. Ich bin aber nicht mehr bereit für Kompromisse. Schon gar nicht, wenn es um Gefühle geht. Für Gefühle und Liebe gibt es schlicht und ergreifend keinen Kompromiss. Gefühle und Liebe sind die Basis für alles, was uns als Mensch ausmacht….NEIN…dafür gibt es wirklich keinen Kompromiss.

Und dabei gibt es doch so viel mehr auf dieser Welt als sich auf einen faulen Kompromiss einzulassen….lasst Euch das gesagt sein! Und mein Herz hüpft, wenn ich an die Pläne denke, die ich umsetzen möchte…die ich umsetzen kann, weil ich nicht nach dem „WARUM“, sondern nach dem „WOFÜR“ frage.

Ich habe es schon ein paar mal geschrieben…aber es passt hier nochmal wunderbar hin. Als ich im Urlaub die ersten Zeilen von John Streleckys Buch „Das Cafe am Rande der Welt“ gelesen habe, sind mir die Tränen gelaufen. Es steckt so unfassbar viel Wahrheit in diesem kleinen, dünnen Buch und ich sehe mich selbst und ich kann auch endlich ein Stück begreifen, warum es bei mir so läuft, wie es eben läuft und warum ich mein Dasein als Frohnatur überhaupt nicht verloren habe….Ich freue mich sehr auf die Momente, wenn ich seine weiteren Werke lesen kann…..

Ich werde auch heute dem Umzug den Mittelfinger zeigen. Nach den vergangenen 7 Tagen ist es an der Zeit zu verschnaufen und mal was anderes zu sehen, als Umzugskartons und Treppen. Nach dem Kraftakt, könnte ich mich zum Treppenlauf in New York anmelden…ernsthaft.

Heute ist Zoo angesagt in Leipzig. Wir möchten uns neue Jahreskarten holen und mal gucken, was im neu eröffneten Himalaya Bereich so los ist. Außerdem müssen wir dem REWE im Bahnhof noch nen Besuch abstatten…wir brauchen nämlich noch Grillwürstchen. Luca möchte unbedingt heute unseren Grill einweihen. Wir haben gestern extra noch ne Grillzange und Sansibar Currysauce besorgt.

Und heute Abend knall ich mich wieder aufs Sofa und gucke ganz frech Bloodline auf Netflix. Soll doch Harry Potter sich um meine Lampen, Regale und den ganzen Rest kümmern….

In diesem Sinne…habt Spaß!

 

Eure Schnimpeline