Neuanfang in Leipzig
LEIPZIG, PRIVATSPHÄRE

Warum sich ein Neuanfang in Leipzig lohnt…ein ganzes Jahr…mein Rückblick!

Mein Oma hat in Leipzig Schönefeld im Plattenbau gewohnt. Ich war gern dort. Ich habe es geliebt in der Kaufhalle einkaufen gehen zu können, ich hatte ein Indianerzelt im Innenhof und ich hab ziemlich viel Unfug angestellt (mit meiner Cousine). Unter anderem haben wir mal den Trabi meiner Oma von innen angemalt….man kann sich vorstellen, was das für Ärger gab….

Meine Kindheit im Osten war toll. Es war eine Kindheit, die mich bis heute prägt. Wir waren nur draußen, ständig mit dem Rad unterwegs, mit meinen Eltern war ich am FKK…ich bin sehr frei aufgewachsen und habe nichts vermisst. Mit 13 war mir an keiner Stelle bewusst, was es eigentlich wirklich bedeutet in der DDR aufzuwachsen…bis zu diesem Alter hat es mir einfach an nichts gefehlt.

Ich war 13, als es uns in den Westen verschlug…

 

dreiraumhaus leipzig lifestyleblog leipzigblog plagwitz goretex bigdays viking-36

 

Meine Oma fragte mich später mal, ob ich nicht irgendwann mal wieder nach Leipzig zurückkehren möchte. Ich war mitten in der Pubertät und meine Antwort war entsprechend unverschämt. Ich schäme mich sehr dafür (auch heute noch), deswegen kann ich diese Antwort hier auch nicht aufschreiben….Leipzig war einfach trist und grau…mein Zuhause war jetzt woanders. Ich hatte meiner Heimat den Rücken gekehrt…ich war ein Kind…

Hätte mich jemand vor 2 Jahren gefragt, wo ich mich in der Zukunft sehen würde….dann wäre meine Antwort sicher „Bonn“ gewesen. Ich war 20 als ich nach Bonn ging. Es war Liebe auf den ersten Blick. Das es mich je nach Leipzig zurückverschlagen könnte….daran hab ich nicht mal einen Gedanken verschwendet, aber das Schicksal wollte es irgendwie anders.

 

dreiraumhaus leipzig lifestyleblog leipzigblog plagwitz goretex bigdays viking-36

 

Ich weiß gar nicht so richtig, wo ich anfangen soll. Irgendwie ist das Jahr gerannt und trotzdem ist so viel passiert…waren das ernsthaft nur 12 Monate? Ist das nicht eigentlich alles schon viel länger?

Alles braucht seine Zeit. Nach 9 Jahren auf einem Dorf war ich bereit für die Stadt und es war genau der richtige Zeitpunkt, sonst hätte ich mich nie so schnell einleben können. Ich war offen für alles. Ich war offen dafür mich auf Leipzig einzulassen und ich habe es keine Sekunde bereut. Kennt Ihr das? Wenn man einfach weiß, dass es JETZT genau richtig ist? Selbst, als mein Mann wollte das ich doch bleibe…in unserem alten Leben….ich war nicht mehr aufzuhalten….ich wollte, ich musste einfach gehen.

 

dreiraumhaus leipzig lifestyleblog leipzigblog plagwitz goretex bigdays viking-1

 

Ich habe das Gefühl Leipzig ist schon super weit, aber noch nicht fertig. Und genau das ist es, was ich so mag. Man steckt mitten in einer Stadt, die ihr Potential gerade erst richtig entfaltet und man hat die Möglichkeit mitzumachen. Ich habe so viele Kontakte geknüpft, wie in den letzten 10 Jahren nicht. Ich habe mir ein großartiges Sozialleben aufbauen können…ohne Verpflichtungen. Man kann…man muss aber nicht…

Luca und ich….wir haben uns sehr schnell zurecht gefunden. Ich hatte einfach keine Wahl. Unser neues Leben…ohne Mann und ohne Papa….musste irgendwie funktionieren. Ich hab geweint als sein erster Schultag hier anbrach…ich bin fast gestorben vor schlechtem Gewissen, dass ich ihn aus seiner alten Heimat herausgerissen hatte. Ich weiß noch, wie er nach Hause kam und mir einen Zettel hinlegte, dass er in 3 Tagen mit zur Klassenfahrt fahren möchte. Besser konnte sein Einstieg in sein ganz persönliches Sozialleben in Leipzig gar nicht sein.

Ich wusste einfach das es funktioniert. Meine Eltern haben meine Schwester und mich mehrfach „verpflanzt“ und das war nie irgendwie negativ behaftet…ganz im Gegenteil. Ich war mir einfach sicher, dass Luca das gut überstehen würde…ich hab mir und meinem Bauchgefühl vertraut und wurde nicht enttäuscht. Für alle, die sich fragen, ob man seinen Kindern einen Neuanfang zumuten kann, auch wenn das einen Schulwechsel bedeutet….JA, das kann man!

 

 

Wir haben 9 Jahre in einer Umgebung gewohnt, in der andere Menschen gern Urlaub machen. Ein Wahnsinns Blick aufs Siebengebirge und pure Ruhe und Idylle. Im Sommer konnte man nachts die Grillen hören…Ein kleines Dorf mit wenigen Einwohnern, da wo sich Fuchs und Hase „gute Nacht“ sagen…wirklich sehr schön. Ich bin trotzdem nie wirklich angekommen…ich weiß gar nicht so richtig warum…es war einfach so. Schon vor der Trennung von meinem Mann wuchs in mir der Wunsch wieder in die Stadt zu ziehen….allerdings stand, wie bereits oben erwähnt, eher Bonn auf meinem Plan. Ich habe aber nie darüber gesprochen….

365 Tage Leipzig liegen nun hinter mir. Und ich war nicht einen einzigen Tag einsam. Es gab kurze Momente, in denen ich innerlich zerrissen war, weil ich nicht so richtig wusste, wo ich hingehöre….das ging mir vor allem so, wenn ich Charlotte in Bonn besucht habe. Ich habe versucht Emotionen zu unterdrücken um nicht traurig zu sein. Es waren aber nur ganz wenige Situationen, in denen ich mich irgendwie leer und heimatlos gefühlt habe.

Den Rest der Zeit haben wir Leipzig entdeckt, bzw. wiederentdeckt und meine Liebe für diese Stadt ist mit jedem Tag gewachsen. Mir war gar nicht klar, wie großartig die Seenlandschaft ist oder das man mit dem ICE in einer Stunde in Berlin oder Dresden sein kann…selbst bis Hamburg sind es gerade mal 3 Stunden.

 

dreiraumhaus leipzig lifestyleblog leipzigblog plagwitz goretex bigdays viking-36

 

Mal ganz davon ab, dass ich gar kein Auto fahre…aber hier brauche ich auch einfach keins. Leipzig ist mit dem zweitgrößten Straßenbahnnetz in Deutschland ausgestattet. Ich komme sogar mit dem Bus zu IKEA. Alle paar Minuten fahren die Bahnen und ich kann mich endlich wieder aufs Fahrrad hocken. Wenn Ihr eine Stadt erkunden oder entdecken wollt, dann tut das mit dem Rad! Euch entgeht sonst was.

Vergangenen Sommer haben wir einen Großteil am Kulkwitzer See verbracht. Luca hat in den Ferien seinen Segelschein gemacht (in Leipzig gibt es nämlich den großartigen Ferienpass) und wir haben ganz oft an der Wakeboard-Anlage gehockt und haben was getrunken oder gegessen. Mir war gar nicht klar, dass es noch ganz viele Dinge aus meiner Kindheit auf der Speisekarte gibt. Das find ich mega! Würzfleisch, Soljanka, Kräppelchen, Quarkkeulchen…ich steh da voll drauf.

Außerdem haben wir uns quasi sofort eine Jahreskarte für den Leipziger Zoo besorgt. Ich war ja schon früher mit meinen Eltern oft dort…aber wie schön hat sich dieser Zoo bitte entwickelt? Solltet Ihr mal zu Besuch in Leipzig sein….unbedingt hingehen! Dieser Zoo ist wirklich großartig.

 

dreiraumhaus razor ripsurf ripstick board longboard surfboard leipzig plagwitz

 

Ich mag dieses Stadtleben wirklich sehr. Ich muss nicht erst stundenlang durch die Gegend fahren oder für einen Zoobesuch einen Tagesausflug einplanen. Ich muss auch nicht erst 40 km fahren um leckeres Sushi essen zu können oder eine Kaffeerösterei zu finden. Wenn ich Bock hab mal kurz schwimmen zu gehen…dann ab aufs Rad, Handtuch in den Korb und ein Stündchen zum See. Ich will die Elefanten baden sehen…ab aufs Rad und einen Spaziergang durch den Zoo machen. In 10 Minuten bin ich in Plagwitz am Karl Heine Kanal…erst ein Eis an der Softeisbude und dann an den Kanal hocken, den Booten zusehen und ein gutes Buch lesen. Die Liste könnte ich unendlich weiterführen.

Und dann diese wahnsinnig schöne Altbaustruktur…Manchmal muss ich aufpassen, dass ich nicht gegen Häuserwände fahre, weil ich immer so viel gucke und staune und dann nicht mehr auf die Straßenführung achte. Offensichtlich wird sehr darauf geachtet alte Dinge wieder schön zu machen und sie nicht einfach abzureißen und das hat sehr viel Charme. Für Menschen, die sich für Häuser, Wohnungen, Architektur, Home & Living interessieren…ist das hier ein Paradies. Hätte ich das Geld dafür….ich würde mir so ne alte Fabrikhalle kaufen und was richtig großartiges daraus machen.

 

 

Dieser Neustart hat sich gelohnt. Es gab keinen einzigen Tag, an dem ich den Weg…die Rückkehr nach Leipzig bereut hätte. Ich war natürlich emotional oft angegriffen, weil ich unter der Trennung von meinem Mann gelitten habe….aber der Schritt, zurück in die Stadt, war der, der am allermeisten geholfen hat. Ich konnte so für den nötigen Abstand sorgen und mein Leben neu ordnen und wieder zu mir selbst finden. Das ist überhaupt der beste Ratschlag, den man für Trennungssituationen geben kann (wenn auch sonst nix hilft): SORGT FÜR ABSTAND!. Und es wird besser….auch wenn man das lange Zeit nicht glauben kann….aber der Schmerz verschwindet und das bietet jede Menge Potential für ganz viel Neues im Leben.

Und Luca….den brauch ich gar nicht mehr fragen. Der junge Mann fühlt sich pudelwohl und genießt die Vorteile der Stadt natürlich sehr. Er hat sich einen tollen Freundeskreis aufgebaut und ist richtig zufrieden. Bis auf kleine, pubertäre Aussetzer (wo kommen die bloß her?)..haben wir ein sehr harmonisches Leben miteinander. Ich bin super stolz auf ihn, denn es waren ja einige Veränderungen, die er hinnehmen musste….

 

dreiraumhaus razor ripsurf ripstick board longboard surfboard leipzig plagwitz

 

Tja, ich würde mal sagen….ich bin angekommen…ich bin Zuhause….in meiner alten/neuen Heimat Leipzig…DANKE an diese Stadt und DANKE an all die Menschen, die mich hier so wunderbar aufgefangen haben.

Dann hoffen wir mal, dass uns das Wetter heute keinen Strich durch die Rechnung macht….es ist nämlich Fahrradfest…

Habt einen wunderbaren Sonntag!

 

Eure Schnimpeline

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken